Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 3

Kapitelinhalt 58. Kapitel: Warum Gott Sich als Mensch nur wenigen offenbart. Lamechs vergebliche Bemühungen um die Aufrichtung des am Boden liegenden Volkes. Traurigkeit des vereinsamten Lamech. (06.06.1843)

   01] Nachdem aber dabei der Lamech den Herrn völlig erkannt hatte in dem weisen Manne, da wollte er laut zu schreien anfangen vor allem Volke und ihm verkündigen die allerheiligste Gegenwart des Herrn Himmels und der Erde.
   02] Aber der Herr sagte zu ihm: »Lamech, tue nicht, was du tun möchtest, sondern denke in dir: wenn es nun gut und nötig wäre, solches zu tun, da würde Ich Selbst es sicher nicht unterlassen!
   03] Aber es würde solches dem ohnehin sehr erregten Volke das Leben kosten, was da nicht zu vermeiden wäre in der gegenwärtigen Ordnung der Dinge.
   04] Daher wollen wir solche unnütze Arbeit uns für günstigere Zeiten aufbewahren; mit der Zeit aber, wenn Ich wieder verziehen (Mich entfernen) werde, magst du Mich dem Volke wohl verkünden und dich beziehen auf diese Meine Gegenwart.
   05] Für jetzt aber bleibe Ich nur als ein weiser Mann eine kurze Zeit noch unter euch, auf daß da niemand soll ein tötend Gericht haben an Mir in seinem freien Gemüte.
   06] Was du aber nun tun kannst, das bestehe darin, daß du hinaustretest und heißest das Volk erstehen, auf daß es nicht noch länger liege auf dem Boden und bete in seiner noch starken Blindheit dieses erscheinliche strahlende Herz also an, als wäre es eine bildlich entsprechende Darstellung des allerhöchsten, allweisesten Gottes.
   07] Erläutere ihm dies Bild nach der dir geoffenbarten Wahrheit, und das Volk soll dich verstehen und im völlig nüchternen Zustande Mir, Gott dem Herrn, in seinem Herzen geben ein gerechtes Lob!
   08] Siehe, das ist ein rechtes Geschäft; gehe und tue es, und komme dann wieder herein, und es soll sich nach der getanen Arbeit gut ruhen lassen! Amen.«
   09] Und der Lamech ging, zu tun, wie ihm der Herr geraten hatte. Als er aber nach seiner Art anfing, das Volk zu beheißen, daß es sich erheben solle vom Boden, siehe, da wollte sich niemand rühren, und es blieb alles pikfest liegen am Boden, wie zuvor, da er noch niemanden beheißen hatte, sich zu erheben vom Boden.
   10] Bei dieser Erscheinung ward es dem Lamech bange, und er gedachte bei sich: »Was will ich denn nun tun, auf daß ich nicht unverrichteterdinge zurückkehre in den Tempel vor den Herrn und allda zu großen Schanden werde? - Ich will jedem einzelnen unter die Arme greifen und will ihn aufrichten vor dem Herrn und will ihm dann sagen, was ich ihm zu sagen habe!«
   11] Also gedacht und also auch getan! Aber leider ohne Erfolg; denn so viele er erhob, ebenso viele und ebendieselben fielen wie tief Schlafende alsbald wieder in ihre vorige Stellung, nämlich auf den Boden zurück.
   12] Diese zweite Erscheinung versetzte den Lamech in eine noch größere Verlegenheit; aber er gedachte: »Ich will noch hin zu den Meinen ziehen; diese werden sich doch kehren nach meinen Worten, so sie irgend noch am Leben sind!«
   13] Er tat's; aber auch da war seine Mühe vergeblich. Nun blieb aber für ihn auch kein Mittel mehr übrig, als sich schnurgerade unverrichteterdinge zu begeben in den Tempel zum Herrn und zum Henoch; aber was für Augen machte da der Lamech, als er da weder den Henoch noch den Herrn mehr fand!
   14] Das war denn doch etwas zu viel für unsern Lamech. Er hätte anfangs nahezu verzweifeln mögen; aber nach einer ziemlichen Weile sagte er zu sich: »Also wird es wohl des Herrn Wille sein, und so sei es denn auch also, wie Er es haben will!
   15] Daß ich nichts richten (ausrichten) konnte, dafür kann ich wohl nicht; denn was ich tat, tat ich ja so gut, als ich es nur immer vermochte. Daß ich aber kein Wunder wirken kann, das weiß der Herr sicher.
   16] Ich aber will dennoch etwas tun und will die beiden noch suchen gehen unter dem schlafenden Volke! Finde ich sie da, so will ich ja Gott loben und preisen fürder allezeit; und finde ich sie nicht mehr, da will ich dem Herrn alles aufopfern und mich dann ebenfalls irgend zur Ruhe begeben!«
   17] Und so ging er denn hinaus und suchte die beiden, - aber ebenfalls vergeblich; denn sie waren nicht unter dem Volke.
   18] Da erst ward dem Lamech ernstlich bange, daß er darob zu weinen anfing. Er ging dann also traurig in den Tempel und legte sich neben dem Altare hin und versuchte einzuschlafen; aber er vermochte solches nicht wegen seiner großen Angst und Traurigkeit.
   19] Und so verstrichen sieben lange Stunden; aber es wollte niemand wach werden, noch der Herr oder der Henoch zum Vorschein kommen.


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