Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 3

Kapitelinhalt 41. Kapitel: Henochs Gespräch mit Lamech von der Höhe über gute Ordnung und über böse menschliche Rangordnung. (18.05.1843)

   01] Das anbefohlene Mahl ward bald bereitet, und die Geladenen kamen herbei; die Tische wurden bestellt und wurden gesondert nach der Maßgabe Lamechs.
   02] Henoch aber sagte zum Lamech: »Bruder, es ist zwar eine Ordnung allenthalben gut, und wir sollten nichts tun außerhalb einer gewissen Ordnung - denn die Ordnung ist die Macht des Herrn; aus und in Seiner Ordnung hat Er alle Dinge erschaffen -; aber dessenungeachtet ist dem Herrn doch eine Ordnung, die die Menschen untereinander aufgestellt haben oder wenigstens aufstellen möchten, beinahe ganz unerträglich, und das ist die Rangordnung!
   03] Wenn du ganz gleiche Dinge in einer geraden Linie aufgestellt hättest, und es käme aber dann jemand und verstellte die Dinge aus ihrer von dir bestellten geraden Linie, fürwahr, du würdest dich darob ärgern und würdest den Verrücker deiner Ordnung mit zornigen Augen ansehen!
   04] Wenn aber der Herr alle Menschen völlig gleich erschaffen hat und hat sie vor Sich hingestellt in einer geraden Linie, wie mögen wir da des Herrn gerade gestellte Linie krümmen nach unserm Belieben?!
   05] Wir können es freilich wohl tun und können in gewissen Tätigkeitsrücksichten sagen: ,Der ist das und jener dies!' - und was ein vom Herrn vorgesetzter Bruder dem andern ratet, den der Herr nicht berufen hatte, daß dieser es tue!
   06] Das ist die rechte Rangordnung, die wir vom Herrn Selbst überkommen haben; aber bei solchen Gelegenheiten, da wir ein Mahl geben den Brüdern, sollen nicht drei gesonderte Tische stehen, sondern nur einer, damit wir alle als völlig gleiche Brüder und Schwestern untereinander am selben speiseten!«
   07] Als solches der Lamech vernommen hatte vom Henoch, da ließ er sogleich die Tische zusammenstoßen und es ward so aus drei gesonderten Tischen ein Brudertisch nur.
   08] Der Henoch aber lobte den Lamech ob seines Gehorsams nach dem Willen und nach der Liebe des Herrn.
   09] Aber ganz heimlich trat der Lamech der Höhe hin zum Henoch und sagte zu ihm: »Höre, Vater Henoch, es ist recht wohl und gut, was du nun geredet hast zu meinem Namensgefährten in der Tiefe; aber nun begreife ich eines nicht so ganz recht aus dieser deiner kurzen Rede bezüglich der Rangordnung unter den Menschen.
   10] Siehe, Kinder sind doch sicher geringer denn ihre Eltern; denn es wäre dem Herrn doch sicher nicht recht, wenn sich die Kinder ihren Eltern gleichstellen wollten!
   11] Zudem erinnere ich mich so mancher Erscheinung auf der Höhe, wo der Herr Selbst so ganz bedeutende Unterschiede unter den Menschen gemacht und durchaus nicht alle gleich behandelt hat!
   12] Denn die drei Speisekörbe auf der Vollhöhe sind eine unleugbare Tatsache, daß Er dich zum Hohenpriester gemacht hat und die Purista, wie auch die Ghemela, erhoben hat sichtbar! Wer kann solches in eine völlige Abrede stellen?!
   13] Es geht aber aus dem doch unfehlbar hervor, daß der Herr sonach eine gewisse Rangordnung unter den Menschen aufgestellt hat, und darum kann ich nun nicht so recht klug werden aus deiner Rede! - Gib mir daher einen näheren Bescheid darüber!«
   14] Und der Henoch wandte sich zum Lamech und sprach: »Mein Sohn, du bist in einer starken Irre! Was der Herr tut, ist sicher etwas ganz anderes, als was der Mensch tut und tun soll; denn Er allein ist ja der Herr!
   15] Die Rangordnung aber, welche der Herr unter uns Menschen aufgestellt hat, ist nur auf unsere Liebe zu Ihm gegründet, und da heißt es: ,Je mehr du Liebe zu Mir, deinem heiligen Vater, hast in deinem Herzen, desto näher auch bist du bei Mir; mit je weniger Liebe zu Mir aber bist du auch desto ferner von Mir!
   16] Siehe, darin liegt der Henoch als gestellter Hoherpriester, die drei Körbe auf der Vollhöhe, die Purista und die Ghemela, wie die Pflicht der Kinder gegen ihre Eltern, die da die ersten Hohenpriester von Gott gestellt ihren Kindern sind!
   17] Solches ist alsonach nur das Verhältnis der Liebe zu Gott; aber unter Menschen soll in liebtätigen Stellungen solches nicht also sein, daß sie sich voneinander sondern sollten, als dünkte sich der eine mehr denn ein anderer!
   18] Nur vor Gott sind wir unterschiedlich durch unsere Liebe zu Ihm aber unter uns soll kein selbstgemachter Unterschied walten!
   19] Denn wer da groß wird sein wollen, der wird klein sein vor Gott sind wir aber lauter Liebebrüder untereinander, so werden wir es auch sein vor Gott!
   20] Also verstehe, mein Sohn, die Sache! - Doch, die Tische sind vereint so lasset uns Platz nehmen an denselben! Amen. »


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