Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 3

Kapitelinhalt 39. Kapitel: Der Einzug in Hanoch. Die vorübergehende Zulassung der Verehrung der heiligen Gedenkstätten in Hanoch. Der Empfang im Palast Lamechs. (16.05.1843)

   01] Als die Gesellschaft nun in der Stadt ankam, da machte der Henoch den Lamech von der Höhe gar bald aufmerksam auf die Kinder der Tiefe, wie diese in gar dürftigen Kleidern die Wege sogar, auf denen die ehemaligen Boten aus der Höhe die Pfade des Herrn betreten hatten, ganz besonders aber den Wegzug (Wegstrecke), auf welchem der Herr einhergegangen war, mit ihren Tränen benetzten, und wie einige sogar mit ihren Brüsten auf den Stellen lagen und dieselben in der größten Liebe anbeteten, auf denen der Herr einhergegangen war.
   02] Als der Lamech der Höhe solches sah, schlug er sich auf die Brust und sagte: »O Vater Henoch, was ist das?! Diese Kinder der Welt lieben ja die leisesten Gedenkplätze an den Herrn schon bei weitem mehr, als wir den Herrn Selbst; wie groß muß dann erst ihre Liebe zum allerheiligsten, liebevollsten Vater Selbst sein!«
   03] Und der Henoch erwiderte dem Lamech: »Ja siehe, also ist es wahrlich! Man sollte zwar diesen armen Kindern das Verehren der Plätze, welche die Boten durchzogen, und des Weges, den der Herr ihren Augen sichtbar betrat, untersagen, da dabei sich ihr Herz leicht an das hängen und anfesten könnte, was ihnen nun als eine süße und erhabenste Erinnerung dient, aber ihre Gefühle sind dabei zu rein auf den Herrn gerichtet, und so kann ich selbst nicht umhin, ihnen vorderhand zu lassen ihren frommen Sinn.
   04] Es wird aber die Gasse, durch welche der Herr zog, als der Name Jehova in den Tempel getragen ward, sicher eine mächtig geheiligte bleiben, und wir werden es nicht vermögen, diesem Volke solches auf eine leichte Art aus seinem innersten Leben herauszubringen, ohne die dabei nötige Beschränkung seiner Willensfreiheit, was zu tun wir aber nimmer das Recht haben, indem doch der Herr solches nicht tut.
   05] Jedoch kümmern wir uns nicht zu sehr dessen, was des Herrn ist; Er wird es machen, wie es Ihm am angenehmsten sein wird!
   06] Wir aber haben hier die herrlichste Gelegenheit, zu betrachten, wie ganz anders und um wie vieles lebendiger dieses Volk nun den Herrn als den allerheiligsten und liebevollsten Vater mehr liebt als wir Kinder Gottes auf der Höhe!
   07] Siehe, da ist aber nun schon auch das Haus des Lamech aus der Tiefe; daher lassen wir nun auch ihn vortreten und uns führen in seine Wohnung!
   08] Der Lamech der Höhe erstaunte über die große Pracht dieses Gebäudes; aber der Henoch sagte zu ihm: »Ja, es ist eine große Pracht daran; wenn man aber bedenkt, mit welchen Mitteln es erbaut worden ist, da möchte man eher erschaudern bis in den tiefsten Grund seines Lebens, als darüber irgendein Wohlgefallen äußern!«
   09] Und der Lamech der Höhe erseufzte aus dem Grunde seines Lebens und sagte dann mit wehmütiger Stimme: »Ja, ja, lieber Vater Henoch, also ist es sicher! Wenn der Herr Sonnen und Welten baut und setzt hohe Berge auf die Stärke der Erde, da haben wir billigst recht, uns zu erfreuen bei deren Anblicke - denn wir wissen es, ein wie leichtes es ist dem Herrn, solche großen, wunderbarsten Dinge zu erschaffen -; aber für diese schwachen Kinder solche Gebäude aus Steinen aufzuführen, die da aussehen wie kleine Berge, wahrlich, da wird man betrübt bis in den innersten Lebensgrund!«
   10] Und der Henoch sprach: »Ja, also ist es! Jedoch lassen wir nun das, was der Herr zugelassen hat; wir haben unsern Teil daran genommen, und so ist es gut und recht vor dem Herrn, unserm heiligsten, allerliebevollsten Vater!
   11] Nun aber kommt schon der Führer Lamech auf uns zu mit ausgebreiteten Armen, um uns zu führen in sein Haus, und seine Hausdienerschaft erwartet uns auch schon am Tore des Hauses! Daher trachten wir, bald ins Haus zu kommen, sonst kommt das erbaute Volk über uns und fängt an, uns im Namen des Herrn anzubeten, - was wir aber allersorgfältigst zu vermeiden suchen müssen!«
   12] Hier kam der Führer Lamech herbei, und der Henoch gab ihm zu verstehen, so geschwind als möglich in das Haus zu treten, um eine förmliche Anbetung zu verhüten. Und es geschah sogleich des Henochs Wille.


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