Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 3

Kapitelinhalt 37. Kapitel: König Lamechs riesige Freude und überschwengliches Dankgebet. Henochs Warnung vor übereilten Gelöbnissen. (12.05.1843)

   01] Als der Lamech nun mit den Seinen völlig zusammenkam, da konnte er von der immensesten Freude über das Wiedersehen seiner beiden Weiber, seiner zwei Söhne, seiner Lieblingstochter und ihres mächtigen Gemahls kein Wort über seine Lippen bringen, und es ging ihm wie einem, der so recht wie ihr zu sagen pflegt - über die Ohren verliebt ist und vor lauter Liebe auch kein Wort herausbringt, um seiner Geliebten zu sagen, wie teuer sie ihm ist.
   02] Erst nach einer geraumen Zeit, als sich der erste Freudesturm ein wenig gelegt hatte, konnte unser Lamech erst folgende Worte herausbringen, welche also lauteten:
   03] ,O Herr, Du endlos liebevollster, heiligster Vater, wie soll ich Wurm im Staube vor Dir, o Gott, Dir danken, wie Dich loben, preisen und anbeten für so endlos viel Gnade, da ich doch nicht des allergeringsten Teiles derselben wert bin?!
   04] O ihr meine Weiber und Kinder, wie viele Nächte habe ich doch um euch bei mir geseufzt und geweint; aber ich war dabei auch voll des bittersten Grimmes gegen Gott und versuchte mich allerendlosest-törichterweise darum zu rächen an Ihm, dem allmächtigen, ewigen Herrn der Unendlichkeit, euretwegen.
   05] Darum hätte ich von Gott aus ja doch nichts anderes verdient als eine ewige, allerärgste Züchtigung; allein statt mich allerverdientestermaßen zu züchtigen, erweist mir der Herr solche Gnaden, vor deren unermeßlicher Größe sicher selbst die größten, vollkommensten Geister erschauern!
   06] Also muß ich ja allerbilligstermaßen aus allen Kräften rufen: O Herr, Du unendlich allerliebevollster, allerheiligster Vater! Was verlangst Du von mir, das ich tun soll, auf daß ich Dir dadurch doch irgendein Wohlgefallen erweisen könnte für solche Deine zu endlos große Gnade!«
   07] Hier sagte der Henoch zum Lamech: »Höre Bruder, du hast wohl geredet vor den Deinen, vor mir und vor Gott; aber eines darinnen war nicht in der Ordnung des Herrn!
   08] Siehe, du hast in deinem großen Liebefeuer den Herrn gewisserart aufgefordert, daß Er von dir ein Opfer verlangen möchte, welches du Ihm alsonach darbringen würdest, und möchtest dich dadurch dankbar bezeigen und gebührend wohlgefällig vor Gott!
   09] Es ist recht, wenn du in dir einen solchen Drang verspürst, aber bedenke, wenn der Herr nun von dir verlangen würde, du sollest Ihm gerade die da opfern, die dich nun mit solchem Lieb- und Dankfeuer gegen den Herrn erfüllt haben! Sage mir, was würdest du dann tun?«
   10] Hier stutzte der Lamech ganz gewaltig und wußte keine Antwort auf diese Frage von so großer Bedeutung zu finden.
   11] Aber der Henoch sagte darauf sogleich wieder zum Lamech: »Höre du, mein geliebtester Bruder, solches bedünkt dich nun sehr, und du findest in deinem Herzen keine Antwort auf diese Frage!
   12] Ich aber sage dir: Und wenn der Herr noch mehr von dir verlangen möchte, als was ich dir in meiner Frage zur Bedingung gestellt habe, so müßtest du solches alles mit dem allerbereitwilligsten Herzen tun; denn wahrlich, sage ich dir, wer aus Liebe zum Herrn nicht alles verlieren kann, der ist des Herrn nicht wert!
   13] Wer auf der Welt sein Weib, seine Kinder, seine Brüder und seine Eltern sogar mehr liebt als den Herrn, der ist des Herrn auch nicht wert!
   14] Daher soll ein jeder seine Liebe vorher gar wohl prüfen, bevor er dem Herrn irgendein Gelöbnis machen mag! Denn wer dem Herrn ein freies Dankopfergelübde macht, und es gereut ihn dann, wenn er es ausführen soll, des gemachten Gelübdes, siehe, der ist doch sicher des Herrn nicht im geringsten wert, und der Herr wird dann einem solchen Gelübdemacher auch tun nach dem Maße, wie dieser Ihm sein angelobtes Opfer dargebracht hat.
   15] Es wird dich der Herr zwar nicht auf diese Probe stellen; aber dessenungeachtet sollst du solches wissen und in der Zukunft wohl bedenken, was du redest vor Gott; denn Er ist nicht, daß Er mit Sich scherzen ließe!
   16] Solches also bedenke und beachte es wohl, und laß uns nun ziehen in dein Haus und dann zum Tempel auf dem Berge! Amen.«


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