Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 3

Kapitelinhalt 32. Kapitel: Satans listiger Plan, die Menschen durch Weibesschönheit zu verführen. Die Stimme von oben. Die Gesandtschaft des Horadal bei Adam und Henoch. (05.05.1843)

   01] Nun aber war auch auf der ganzen Erde die vollkommene Ordnung hergestellt, und der Himmel und die Erde waren auf das allerengste miteinander verbunden, und selbst der Satan sprach bei sich:
   02] »Was will ich denn nun tun? Der Herr hat Seine Menschenkinder Selbst gelehrt und hat Sich ihnen fest angebunden; ja sogar meine Tiefe hat Er Sich zu eigen gemacht und hat vielen aus und in allen Zweigen eine große Macht gegeben, gegen die ich nichts vermag und nichts unternehmen kann!
   03] Ich habe wohl Macht in den Gestirnen, wie auf der Erde über all die Elemente; was nützt mir aber das, wenn die Menschenkinder die Macht im Herzen Gottes haben und mir mit derselben überall, wo ich mich nur immer auflehnen möchte, gar entsetzlich mächtig begegnen können?!
   04] Ich aber weiß dennoch, was ich tun will; ich will dem Menschengeschlechte bald einen Köder legen, da ich zu versuchen das Recht habe, und es soll sich gar bald zeigen, ob des Herrn Kinder wohl so fest und unerschütterlich sind, wie es sich jetzt herausgestellt hatte unter der persönlich-wesenhaften Leitung des Herrn!
   05] Ich will bei den Zeugungen der Töchter in der Tiefe zugegen sein und will sie so schön und reizend in ihrem Fleische werden lassen, daß da ein jeder, der eine solche Tochter der Städte in der Tiefe ansehen wird, ganz von ihrem großen Zauber soll gefangen werden! Solches kann und darf ich ja tun, da das Fleisch noch in meiner Macht steht!
   06] Was tue ich aber, so ich das tue! Gutes oder Böses? Denn tue ich Böses, da wird der Herr rechten mit mir; tue ich Gutes, da wird der Herr sagen: 'Das Gute ist nur in Gott!'
   07] Ich weiß aber, wie ich es anstellen werde: In die Mitte soll es gestellt sein, - weder böse, noch gut!
   08] Und die schönen Töchter werden gerade das sein; neben ihnen wird noch immer einer, der stark ist und tugendhaft, gar wohl Gott wohlgefällig einhergehen können!
   09] Ist er aber das nicht, da soll er an den schönsten Töchtern wenigstens einen tüchtigen Probestein finden und eine mächtige Gelegenheit, seine Tugend entweder zu festen oder zu schwächen, um dadurch also vor Gott und mir zu stehen, wie er ist, - aber nicht, wie er ohne Mühe und Sein-Selbst-Beherrschung (Beherrschung seines Selbst) sein möchte: ein Herr sogar über mich und ein Fürst, mächtig in den Himmeln!
   10] Daß dadurch gar manche Schwächlinge ins Garn gehen werden, das ist gewiß; daß aber dadurch auch gar manche große Tugendhelden werden, das kann man doch auch sicher annehmen!
   11] Also, die Sache - zu beiden Seiten abgewogen - ist an und für sich weder böse, noch aber gerade auch gut zu nennen; es ist so die Mitte, also eine Schwebe zwischen Gut und Böse!
   12] Daher sei's fest beschlossen und in aller Kürze ausgeführt!
   13] Aber noch eins: Wenn die Sache aber am Ende doch ärger wirkend ausfiele, als ich es jetzt berechnet habe?! Da hätte ich's dann wieder von neuem feindlich mit dem Herrn zu tun!
   14] Ich weiß aber auch hier, was ich tun will! Der Henoch ist des Herrn rechter Arm hier auf der Erde; zu dem will ich gehen und will ihm meinen Plan vortragen! Er soll sich darüber mit dem Herrn beraten und mir dann kundtun, ob es dem Herrn genehm ist!
   15] Das wäre freilich wohl gut; wenn mich aber der Henoch mit seiner großen Macht ganz entsetzlich abwiese?! Was dann in meinem neu erwachten Grimme?!
   16] Wie wär's denn, wenn ich mich selbst zum Herrn wagte?! Das wäre freilich wohl der allerkürzeste Weg!«
   17] Und eine Stimme kam von oben an das Ohr des Satans, die kurz also lautete: »Was beratest du dich im Argen?«
   18] Der Satan aber sprach: »Herr, ich will nichts Arges tun, sondern nur eine Schwebe möchte ich errichten für Deine Kinder, aber niemanden dabei nur im geringsten beirren in seiner vollsten Freiheit; daher gestatte mir solches!«
   19] Und die Stimme von oben sprach: »Satan, da du wolltest ein Mann sein, so bist du frei; tue, was du willst, in deinen Elementen, und der Herr wird tun auch, was Seines Willens ist! - Aber den Henoch laß Mir ungeschoren!
   20] Und der Satan war mit diesem Bescheide vollkommen zufrieden und legte bald die Hand ans vorbedachte Werk, welches ihm aber dennoch lange nicht gelingen wollte; denn solange die Generation, wie sie jetzt auf der Höhe, wie in der Tiefe bestand, dauerte, war mit seiner Finte wenig gerichtet, - aber desto mehr mit den Nachfolgern, wie es der Verlauf leider zeigen wird!
   21] Bald nach dieser Geschichte aber kamen Gesandte vom Horadal an den Adam und ernannten ihn zum Oberleiter im Namen des Herrn über das Volk zwischen Mitternacht und Morgen. Die Gesandtschaft aber bestand in zehn Männern, an deren Spitze die beiden Söhne Lamechs standen.
   22] Der Adam aber beschied die Gesandtschaft an den Henoch, und der Henoch sagte ihnen im Namen des Herrn zu, auch über sie die Hohepriesterschaft auszuüben gegen ein Zehentopfer an den Herrn von den besten Früchten, entließ sie dann mit Rückhalt der beiden Söhne Lamechs und nahm die Söhne auf in sein Haus.


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