Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 2

Kapitelinhalt 269. Kapitel: Henoch über das Wesen Gottes und die geistige Sehe. Die Stimme Gottes im Menschenherzen. Warnung vor falschen Propheten.

   01] Als nach einem lange anhaltenden Suchen ohne Erfolg die suchenden Gäste wieder in den Thronsaal ganz betrübten Angesichtes zurückgekehrt waren, traten einige von ihnen zum Henoch hin und fragten ihn, ob er denn nicht wisse, wie und wohin Sich denn der Herr gar so plötzlich verloren oder versteckt hätte.
   02] Der Henoch aber erwiderte ihnen und sagte: »Liebe Freunde und Brüder, es treibt euch zwar euer Herz an, zu suchen den allmächtigen, heiligen, liebevollsten Vater, und das ist recht und billig - denn wer Gott sucht, der soll Ihn allezeit mit dem Herzen suchen, sonst wird er Ihn ewig nimmer finden -, aber dessenungeachtet ist euer gegenwärtiges Suchen ein wenig töricht!
   03] Sehet: Gott, der Vater, den ihr so eben persönlich wesenhaft gesehen und gesprochen habt, ist ein Geist und kann mit den fleischlichen Augen nimmerdar erschaut werden! Wenn Er aber erschaut werden will, da öffnet Er dem Menschen, der Ihn erschauen soll, die inneren Augen des Geistes, und dann kann der Geistmensch durch den Fleischmenschen hindurch Gott erschauen - so es der Wille Gottes erheischt - und sieht und hört Ihn also, wie ihr Ihn soeben alle gesehen und gehört habt.
   04] Wenn aber dann der Herr nach Seinem allerweisesten Ratschlusse wieder unsichtbar werden will, da schließt Er durch Seinen allmächtigen Willen dem Menschengeiste alsbald wieder die Augen (des Geistes), und der Mensch kann dann tun, was er nur immer will, nimmer doch vermag er den Herrn zu erschauen.
   05] Merket euch aber solches noch gar wohl hinzu! Das Schauen bringt niemandem das ewige Leben, wohl aber das Hören und das Leben nach dem gehörten Worte!
   06] Der Herr hat nun wohl eurem Geiste das Gesicht verschlossen, aber nicht dessen Gehör, welches im Herzen ist. Demnach kann ein jeder von euch allezeit die Stimme des Herrn vernehmen, und ein jeder kann sich allezeit an Seine Vaterliebe wenden, so er etwas vonnöten hat, und der Vater wird es ihm geben, so es ihm gut ist, aber auch vorenthalten, wenn es ihm nicht gut sein sollte. Ob aber gut oder nicht gut, darum mögt ihr allezeit den Vater bitten, und seid versichert, Er wird euch den wohlvernehmbaren Rat nicht schuldig bleiben und wird reden zu eurem Herzen, wann ihr Ihn immer vollernstlich darum bitten werdet!
   07] Wenn ihr immer aus wahrer innerer Bruderliebe im Namen des Herrn zu euren Brüdern reden werdet und werdet ihnen sein liebeerfüllte Lehrer über Gott, über Seine Werke, welche voll sind Seiner endlos großen Ehre, über Seine unendliche Güte, Gnade, Erbarmung und wie Er ist ein allerliebevollster, heiliger Vater allen jenen Menschen, die Ihn aus allen ihren Lebenskräften lieben, - da gebe ich euch allen die vollste Versicherung: Nicht ein Wort werdet ihr reden, das nicht zuvor Gott in euren Herzen geredet hätte!
   08] Wer euch da hören wird, der wird die Stimme Gottes hören, wie ihr sie eben jetzt hört aus mir.
   09] Wehe aber dem, der da reden möchte wie Worte Gottes aus sich selbst, des Eigennutzes und des weltlichen Ansehens wegen, ohne daß er zuvor in sich vernähme das lebendige Wort! Wahrlich, dessen Zunge soll zu einer Natter werden voll giftigen Geifers, und wer ihn hören wird, dem wird es geschehen, als wäre er von einer giftigen Natter gestochen worden!
   10] Daher hütet euch vor allem ganz besonders vor dem Eigennutze; sondern ein jeder vergesse seiner ganz und sei lediglich aus dem Grunde seines Herzens für das Wohl seiner Brüder und Schwestern besorgt, so wird er sich auch des beständigen Umganges mit Gott, dem allerliebevollsten, heiligen Vater, zu erfreuen haben, zeitlich und dann auch im Geiste ewig sichtbar!
   11] Sehet, also müsset ihr in aller Zukunft den Herrn Himmels und der Erde suchen, so werdet ihr Ihn auch allezeit gar leichtlich finden! Und so ihr dann in eurem liebeentflammten Herzen fragen werdet: ,Vater, wo bist du?', so wird Er zu euch sagen: ,Kindlein, Ich bin ja mitten unter euch! Fürchtet euch nicht; denn Meine allmächtige Hand schützt euch ja Tag und Nacht!'
   12] Sehet, also wird es sein, da es also ist des Herrn Wille! Beachtet daher diese Worte und tuet danach, so werdet ihr fürder nicht nötig haben, den Herrn in allen Winkeln zu suchen und Ihn am Ende dennoch nicht zu finden, sondern da wird der Herr allezeit euch entgegen kommen, wohin ihr euch nur immer wenden werdet; denn der Vater ist um uns allezeit ums endlose mehr besorgt, als alle Kinder zusammengenommen es sind um Ihn!
   13] Also merket euch dieses überaus wohl, auf daß ihr nimmerdar möget arm und gefangen werden! Amen.«


Home  |    Inhaltsverzeichnis  |   Werke Lorbers