Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 2

Kapitelinhalt 251. Kapitel: Henochs Ergriffenheit wegen der freiwilligen Armut des Vaters. Gottes Eröffnung über die Größe Seiner Vaterliebe zu seinen Kindern. Vorhersage über die Menschwerdung und den Opfertod des Herrn.

   01] Als der Henoch und alle die andern solches vom Vater in der Gestalt des Armen vernommen hatten, da fielen sie alle zu Ihm hin, beteten Ihn an und lobten Seine unendliche Güte und solche unendliche Liebe.
   02] Und der Henoch sprach, voll der höchsten Entzückung: »O Du heiliger Vater! Viele Jahre beschäftigte sich mein armseliges Herz mit Dir und fand in sich selbst, daß Du die ewige, allerreinste und unendliche Liebe bist.
   03] Ich lernte aus meinem Gefühle schon frühzeitig, nur mit aller Liebe an Dir, o heiliger Vater, zu hangen, und lernte aus eben dem Gefühle Dich als einen alleinig wahren, unendlich guten Vater kennen, und es vermochte da keine Gegenlehre mich auf andere Begriffe und Vorstellungen von Dir zu bringen, - kurz, ich erkannte in Dir zuerst für mein Herz vollkommen den endlos guten Vater!
   04] Als uns allen auf der Höhe aber das endlose himmlische Gnadenglück zuteil ward, daß Du uns heimsuchtest, da fand ich denn auch meine frühere Herzenslehre vollkommen auf das allerherrlichste bestätigt.
   05] Aber bei allem dem hätte ich es mir doch nimmer getraut, auch nur von fernehin eine solche Idee von Dir zu fassen!
   06] Wie gänzlich vernichtet aber stehe ich nun hier vor Dir, o Du heiliger Vater, da Du Dich Selbst arm nennst, ja nicht nur nennst, sondern wahrhaftig arm sein willst, um uns alle, wie auch alle die Millionen und Millionen, die uns nach deinem heiligsten Willen noch folgen werden, als einen zurückgekehrten Gnadenstrahl, der einst aus Dir ging, wieder durch Deine Liebe und Erbarmung endlos verherrlicht in Dir aufzunehmen und uns allen dann zu sein ein sichtbarer, allmächtiger, allerheiligster Vater!
   07] O du heiliger, aller endlos unaussprechlich höchsten Liebe vollster Vater Wahrlich, wahrlich, wahrlich, diese Enthüllung ist zu unnennbar groß und heiligst erhaben für einen sterblichen Menschen!
   08] Heilig, heilig, heilig bist Du, o Vater, und Himmel, Sonne, Mond, Sterne und diese Erde sind voll von Deiner unendlichen Ehre!
   09] Ich will Dich darum in meinem Herzen allerheftigst loben, preisen und lieben über alles, alles, alles!
   10] O Du endlos guter Vater Du! Wäre es mir doch möglich, Dich wieder reich zu machen, Dir alles zurückzubringen, was Deine endlose Liebe an uns alle so reichlichst, ja in solch endloser Fülle übergab, - welch eine Seligkeit wäre doch das für mich!«
   11] Hier umarmte der Vater den Henoch und sprach: »Mein geliebter Henoch, sorge dich nicht um Unnötiges! Siehe, wenn es Mir darum zu tun wäre, all das Gegebene wieder besitzen zu wollen, so könnte Ich es ja auch wieder nehmen; denn Ich allein hätte ja die Macht und Kraft dazu, indem es doch außer Mir weder irgendeine Macht, noch eine Kraft gibt!
   12] Ich sage dir aber: Ob du Mir auch zu geben vermöchtest Sonnen, Monde und alle die zahllosen Erden im endlosen Raume, so wäre vor Mir solches alles endlos weniger, als so du Mich liebst über alles als ein wahrer Sohn deinen allein wahren Vater.
   13] Denn siehe, das ist das Allerhöchste, daß Ich euch ein wahrer Vater bin und ihr Mir wahrhaftige Kinder seid.
   14] Wahrlich, wahrlich, Ich will um eines Kindes willen Milliarden von Sonnen und Welten aller Art opfern, könnte Ich es sonst nicht wieder bekommen zu Mir zurück!
   15] Ja, höre, mein Henoch, Ich will dir noch bei weitem mehr sagen, denn das ist, das Ich dir jetzt gesagt habe!
   16] Siehe, du weißt es, daß Ich allein das Leben ungeteilt als Meine Liebe in Mir zurückbehalten habe, als Ich sonst alles hintangegeben habe! Dieses ewige alleinige Leben bin Ich Selbst; außer Mir ist alles Tod, und hat nichts ein Leben - außer nur aus Mir!
   17] Wenn es sich aber darum handeln würde, daß da ein Kind nur dadurch zu retten wäre, daß Ich für dasselbe dahingebe dieses Mein alleiniges ewigstes Leben, so möchte Ich auch dieses eher von Mir lassen, als eines Meiner Kinder verlieren! - Henoch, fassest du diese Liebe?«
   18] Der Henoch aber und alle fielen vor dem Vater nieder, und alle weinten vor zu großer Liebe, und keiner vermochte auch nur ein Wort über seine Lippen zu bringen.
   19] Der Vater aber sprach: »O Kindlein, solches hat nun euer guter Vater geredet, damit ihr Seine Liebe erkennen möchtet! Aber nicht umsonst hat Er solches geredet; denn was Er geredet hat, das wird Er einst auch tun durch Sein fleischgewordenes Wort in der großen Zeit der Zeiten.
   20] Ja, einen Sohn werde Ich zeugen, und Ich werde diesem Sohne geben all Mein Leben, und Ich werde sein im Sohne, und der Sohn wird sein in Mir, und der Vater und der Sohn werden dann ewig vollkommen eins sein! Amen.«


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