Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 2

Kapitelinhalt 189. Kapitel: Das Mahl auf dem Tempelplatz. Kisehels Rede über die Bestimmung des Weibes. Sethlahems Trostrede an die Weiber und Mägde.

   01] Nach kurzem Verweilen kamen die Weiber und Mägde mit wohlgefüllten Körben wieder und stellten dieselben vor den sieben Gesandten nieder.
   02] Nachdem solches geschehen war, verneigten sie sich vor ihnen und traten wieder ehrfurchtsvollst zurück; alsbald aber auch segneten die sieben die Speise in den Körben, und der Kisehel sagte dann zum Lamech:
   03] »Bruder Lamech, siehe, die Speisen sind nun hier, und sind gesegnet; also komme hierher an meine rechte Seite, und wir acht Personen werden an einem Korbe ja zur Genüge haben Alle die andern aber lassen wir den Weibern und Mägden über; denn sie haben seit mehreren Tagen schon nichts mehr zu sich genommen und wurden bisher nur wunderbar erhalten durch die göttliche Gnade und Erbarmung, mit welcher ausgerüstet wir diese Tiefe auch allein nur sicher betreten konnten!
   04] Nun aber sollen sie auch wieder essen und trinken und sich sättigen nach der natürlichen Art des Menschen, damit sie wieder für die Menschen tauglich werden!
   05] Denn das ist ja des Weibes Bestimmung, daß sie sei dem Manne, was der Mann Gott, dem allmächtigen Schöpfer, ist! Ist ein Weib das dem Manne, so ist sie eins mit ihm, wie der Mann - der gerechte nämlich - eins ist mit Gott, also im Geiste völlig
ein Wesen!
   06] Diese Weiber und Mägde aber hatten sich zu sehr verunlautert und hätten nimmerdar einem Manne dienen können; darum wurden sie aber gereinigt, daß sie wieder tüchtig werden sollten für den Mann.
   07] Um aber das wieder völlig werden zu können, ist es nötig, daß da ihre Leiber wieder von den Früchten der Erde genährt werden, auf daß dadurch ihr Fruchtboden zur Aufnahme des Menschensamens tauglich wird; und also sollen sie nun wieder zu essen anfangen! Amen.«
   08] Da der Kisehel solches sehr laut gesprochen hatte, so vernahmen es auch die Weiber und die Mägde und hatten innerlich eine große Freude an den sie betreffenden Worten aus dem Munde Kisehels; sichtlich aber beugten sie sich zur Erde und sprachen:
   09] »O ihr von Gott geheiligten Männer aus den heiligen Höhen, solcher Gnade sind wir ja nimmerdar würdig; denn wir haben uns ja freiwillig weggeworfen!
   10] Daß wir aber durch euch gereinigt worden sind, daran haben wir ja keinen verdienstlichen Teil, sondern allein nur ihr; wie sollen demnach wir solcher Gnade wert sein vor euch und vor dem allmächtigen Gott?!«
   11] Und der Kisehel beschied den Sethlahem zu sich, sagend: »Bruder, gehe an dein Werk, und bescheide den gerechten Trost den armen Wesen, deren Herz nun von freudiger Demut erfüllt ist!« - Und der Sethlahem erhob sich alsbald und ging zu den Weibern und Mägden hin, hob seine Hände über sie und sagte dann zu ihnen:
   12] »So höret denn, ihr Weiber und Mägde! Die an euch bewerkstelligte Reinigung betraf nicht eure Leiber, sondern euren Geist nur; demnach sind eure Leiber noch völlig dieselben, wie sie waren vor der Reinigung eures Geistes.
   13] Denn alles, was da mit euch geschah, war nur eine gute Erscheinlichkeit für den Geist, aber nicht für den Leib.
   14] Denn als ihr uns die Treppen zum Lamech verrammt hattet, da ließ alsbald die göttliche Kraft in uns zu, euch zu versetzen in euren unreinsten Geist; und im Geiste ist demnach ein Teil von euch zu den Pfützen, als eures inneren Lebens tauglichstem Elemente, gezogen und hat sich in dieselben gestürzt und ging daselbst der Erscheinlichkeit nach wie zugrunde und wurde nach einer kurzen Zeit zufolge seiner Reue und seines Gehorsams wieder in die unbeschädigten Leiber geführt.
   15] Ein Teil aber wurde ebenso der Erscheinlichkeit nach endlich wie verbrannt. Das Holz selbst trugen die Mägde nur im Geiste verzückt zusammen, und alle Zuseher wurden für die Dauer der Feuerreinigung samt dem Lamech für den Geist in sich versetzt und konnten daher nichts anderes sehen als nur das, was da geistig geschah.
   16] Ihr waret zwar wohl auch leiblich da; aber eure Leiber wurden, da sie verwundet waren durch eure Torheit, mit Ö1gesalbt, welches euch die Wunden alsbald heilte, und lagen ruhig, in tiefen Schlaf versunken, hier herum auf dem weichen Rasen.
   17] Und erst, wie schon erwähnt, nach der nötigsten Reinigung des Geistes wurdet ihr samt dem Geiste wieder erweckt und sodann wieder vor die leiblichen Augen der Menschen gestellt.
   18] Daß ihr aber noch eure ersten Leiber habt, möget ihr ja daraus ersehen, daß dieselben noch die Narben haben, die euch eure Torheit geschlagen hatte!
   19] Daher könnet ihr auch noch vollends euch mit einem Manne verbinden und fähig sein, aufzunehmen seinen Samen also, wie ehedem vor der wunderbaren Reinigung eures Geistes!
   20] Darum fragt nicht mehr, ob ihr der Gnade wert seid, sondern esset nun und trinket mit uns, damit ihr wieder stark werdet! Was aber nun mit euch geschehen ist, wird fürder mit keinem Weibe mehr geschehen; denn solches war nur jetzt nötig des Lamech wegen. Fürder aber wird kommen das Gericht über jene, die so leben werden, wie ihr da gelebt habt!
   21] Vor den drei zum Thubalkain Gesandten aber schweigt davon vorderhand! Und so denn esset und trinket im Namen des großen Gottes! Amen.«
   22] Und die Weiber fingen an, darob Gott zu loben und zu preisen, und setzten sich dann zu den Speisekörben; und der Sethlahem ging nach dieser Vertröstung (Tröstung) der Weiber auch wieder zurück zu seiner Gesellschaft und aß und trank daselbst.


Home  |    Inhaltsverzeichnis  |   Werke Lorbers