Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 2

Kapitelinhalt 178. Kapitel: Feuergericht über die Buhlweiber des Lamech.

   01] Als sie nun bei den Pfützen, Sümpfen und Morästen anlangten und der Lamech seiner Zofen ansichtig wurde und sah, wie ein Teil allda nackt sich mit dem Schlamme bekleisterte, rieb und wusch, und ein Teil aber noch mit dem Holzherbeischleppen beschäftigt war, da stürzte er hastigst zum Kisehel hin und fragte ihn mit dem erbittertsten Tone:
   02] »Sage mir, dem großen Könige der Ebene Hanochs, du langbeinige Gebirgsbestie, welchen Frevel willst du hier an mir und meinem ganzen Hause anrichten?!«
   03] Und der Kisehel erwiderte ihm mit fester Stimme: »Höre, du lebendige Wohnstätte des Satans, du scheußlichster Inbegriff der ganzen Hölle, du lebendiger After des Teufels, des Wesen uns bekannt ist von Tat zu Tat, - die Handlung selbst wird dir die Antwort geben! Und so schweige denn, und frage uns um nichts mehr; wenn ich dich aber fragen werde, dann rede mit dem Munde eines Menschen, aber nimmerdar mit dem Rachen eines Drachen! Es geschehe!«
   04] Auf diese Antwort war der Lamech still und sprach nichts mehr; denn es bedünkte ihm hier rätlicher zu sein, daß er schweige, denn daß er rede, indem sich die drei durchaus nicht von seiner Stimme wollten einschüchtern lassen und mit seinen Waffen auch nichts auszurichten war!
   05] Da sonach aber der Kisehel gar wohl merkte, wie es mit dem Mute Lamechs stand, da wandte er sich sogleich zu den Mägden, welche das Holz herbeigetragen hatten, und sagte zu ihnen:
   06] »Höret, ihr gereinigten Mägde, gerechte Menge dürres Holz herbeigeschafft habt in der kurzen Zeit; wollet ihr aber vollends frei werden, so schafft ihr nun auch in der möglichsten Geschwindigkeit Feuer herbei!«
   07] Und die Mägde liefen und kamen alsbald wieder mit brennenden Fackeln, aus Pech und Erdharz bereitet, herbei.
   08] Als die Mägde also mit Brandzeug ausgerüstet dastanden, da wandte sich der Kisehel zu den sich noch mit Unflat emsig bestreichenden Weibern und sagte zu ihnen:
   09] »Höret ihr nun! Euer Leib ist nun tauglich wie die Seele für die Hölle, nachdem er durch Hilfe dieser stinkenden Kloake das Aussehen hat wie eure Seele; sonach erhebet euch aus den Kloaken, und besteigt diese Holzhaufen, damit eurem elendesten Dasein die Wut der Flammen ein Ende mache und ihr auf den lodernden Scheiterhaufen euren lange schon bestverdienten Lohn finden möget! Es geschehe!«
   10] Hier fingen die Weiber an zu heulen, zu bitten und zu flehen, und schrien: »Ihr mächtigen Gesandten des alleinig wahren, großen Gottes, schreibt uns Buße vor, die ihr nur immer wollet, und wir wollen sie also getreu unser ganzes Leben hindurch vollziehen, wie wir euern Willen in diesen Kloaken vollzogen haben; aber nur das Bißchen des ohnehin kläglichsten Lebens lasset uns, damit wir doch nicht ewig verlorengehen!
   11] Wollt oder müßt ihr uns aber schon töten, so tötet uns doch nicht auf diese allerqualvollste Weise!
   12] Darum bitten wir euch um der Erbarmung eures lebendigen, allmächtigen, großen Gottes willen!«
   13] Und der Kisehel sagte zu ihnen: »Hört, nicht auf uns kommt es hier an; denn wir können euch weder richten, noch erlösen, da wir nichts als nur Vollzieher des göttlichen Willens sind!
   14] Werfet euch aber lieber vor Gott nieder, und tragt Ihm eure Not vor, und bittet Ihn allein um die Erlösung, und seid versichert, daß wir dann tun werden, wie Er es uns durch unsere Herzen wird zu erkennen geben!«
   15] Und die Weiber fingen an, zu Gott zu schreien, daß Er sie erlösen möchte von der schrecklichen bevorstehenden Qual.
   16] Aber eine Donnerstimme rollte wie zornglühend zu aller Ohren, also lautend: »Nach dem Feuer erst soll euch die Löse werden!«
   17] Und der Kisehel sagte darauf zu den vor Angst schon halbtoten Weibern: »Nun habt ihr es mit den eigenen Ohren vernommen, was hier mit euch zu tun ist, - und so denn zaudert nicht länger mehr, und besteigt das Holz in dem Namen des allmächtigen Gottes, der da nun allein ist euer Richter!«
   18] Und die Weiber erhoben sich langsam vom Boden und fingen an, heulend die Holzstöße zu besteigen.
   19] Als sie allesamt sich schon auf den Holzstößen befanden, da befahl der Kisehel den Mägden, dieselben mit den Fackeln anzuzünden.
   20] Mit bebenden Händen und abgewandten Gesichtern taten die Mägde solches.
   21] Schnell ergriff das Feuer die Haufen; die Weiber schrien noch halb verbrannt und bäumten sich, wütend vor Schmerz, in der Mitte der hellen Flammen, bis endlich der Tod all dem ein Ende machte.
   22] Hier wurde der Lamech wie rasend und fragte den Kisehel voll Wut: »Was habt ihr und was hat euer Gott nun dadurch gewonnen, darum die Weiber also elend sind hingerichtet worden?«
   23] Und der Kisehel erwiderte ihm: »Es ist dir gesagt worden, daß du nicht reden sollest ehedem, bis du gefragt würdest!
   24] Du aber befolgest nicht unseren Willen; also soll dir aber auch keine andere Antwort werden denn die der Tat!«
   25] Und alsbald rief der Kisehel mit starker Stimme: »Ihr durchs Feuer gereinigten Weiber! Erhebt euch wieder aus der Asche eures vormals sündigen Leibes, und zeuget dem Lamech unsere Botschaft!«
   26] Und alsbald erstanden wie verklärt die Weiber aus der Asche, lobten und priesen Gott, und zeugten, daß die drei wahrhaftige Boten des ewigen Gottes sind, und zeugten aber auch und sagten es aus, wie klein die Qual gegenüber dem war, was sie jetzt in diesem ganz neuen Leben empfinden.
   27] Hier fing der Lamech an, in sich zu gehen und nachzudenken über solch ein unerhörtes Wunder.


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