Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 2

Kapitelinhalt 167. Kapitel: Das Wort Gottes als das lebendige Wasser. Das Gleichnis vom Regenwasser, das zum Begießen der Pflanzen besser ist als das Quellwasser.

   01] Und der erste der vier sagte darauf hoch verwundert über die große Weisheit des Fremden: »Höre, guter Mann, Freund und Bruder, von deinen Worten ist mir nichts unverständlich; denn du hast dich klar ausgedrückt, und das Bild mit der abgepflückten Lilie, deren Blüte sich dann samenlos in einem Wasserbecken entfalten würde, war überaus treffend, und wir haben es genau erfaßt, was du uns damit hast sagen wollen.
   02] Und ich sehe es auch vollends ein daß solches alles ganz vollkommen in aller Natur, somit auch um so mehr in der des Menschen unfehlbar begründet ist; aber gegen das Ende deiner Rede hast du etwas fallen lassen, da du etwas in einen Affekt gerietest, - und da muß ich dir schon bemerken, lieber, guter Mann, Freund und Bruder, solches kann ich nicht so recht unters Dach bringen!
   03] Denn da sagtest du von deinen Worten, als seien sie ein lebendiges Wasser, mit dem ich den abgebrochenen Blütenstamm emsigst begießen solle, wodurch dann mir wenigstens ein Same - wenn gewisserart schon nicht alsogleich die Wurzel - werde, welchen ich dann erst in mein Erdreich streuen könnte zur neuen Erlangung der Wurzel, des Stammes mit der Blüte und daraus dann auch eines neuen Samens zum ewigen Leben!
   04] Es ist alles richtig, überweise und klar; nur wie du dein Wort zu einem lebendigen Wasser machst, oder wie es vielmehr ich machen soll, - siehe, guter Mann, Freund und Bruder, das ist etwas gewagt gesprochen, das heißt vorderhand gemeint, insoweit ich es noch nicht fasse!
   05] Willst du aber die brüderliche Gefälligkeit haben und dich darüber etwas bestimmter aussprechen, dann kannst du aber auch völlig versichert sein, daß ich und wir alle jegliches deiner Worte in der Tat ehren werden, und werden suchen, es zur lebendigen Wurzel und zum lebendigsten Samen in unseren Herzen zu erheben!
   06] Wenn du solches demnach tun willst, da bitten wir dich darum!«
   07] Und der allerheiligste Abba öffnete darauf Seinen Mund und sprach: ,Du hast wahrlich die beste Frage gestellt; denn ich sage dir: gerade davon hängt alles ab, daß ihr dieses richtig auffaßt!
   08] Wer da nicht versteht, wie Mein Wort ein lebendiges Wasser ist, der versteht auch nicht im geringsten, was Gott ist, was der Abedam, und was der Henoch; denn nur das lebendige Wasser erst kann ihm solches vollends enthüllen!
   09] Da aber somit die wahre, innerste Bekanntschaft mit dem lebendigsten Wasser solches bedingt, so fragt sich's: Wie ist demnach das Wort aus Meinem Munde ein lebendiges Wasser?
   10] Dieses sollt ihr auch in einem getreuen Bilde erschauen; und so höret es denn:
   11] Du hast zu Hause einen Garten. Im selben hast du mannigfaltige gute Pflanzen gesetzt. Wenn es aber den Sommer hindurch dann und wann sehr trocken geworden ist, so begießest du die Pflanzen mit gutem Wasser, damit dieselben nicht vertrocknen und absterben möchten in dem saftlosen Erdreiche deines Gartens. Aber trotz deines emsigen Begießens kommen die Pflanzen nur sehr kümmerlich fort, und deine Ernte ist dann ebenso dürftig, wie armselig da ist der Boden an der lebendigen Nahrung, welche da einzig nur besteht in einem wohlgesegneten Regen aus den Wolken des Himmels.
   12] Du sagst es selbst aus deiner Weisheit heraus: ,Ein trockenes Jahr ist eine Geißel sowohl für die Pflanzen, als auch für unsern Magen und für unsere Haut!'
   13] Warum hältst denn du hernach das Regenwasser für besser und für nährender denn dasjenige, das du aus deinem Kruge schüttest über die Pflanzen? - Antworte Mir darauf aus deiner Weisheit!«
   14] Und der Redner erwiderte: »Das ist ganz natürlich: weil das Erdquellwasser schon seine belebende Kraft der Erde mitgeteilt hat, bevor es dann kraftlos auf die Oberfläche der Erde gelangt; das Regenwasser aber fällt mit noch ungeschwächter Fülle der belebenden Kraft auf den Boden der Erde, wo dann ein einziger Regentropfen für die Pflanzenwelt köstlicher ist denn ein ganzer Krug voll des reinsten Quellwassers! - Ich meine, die Antwort ist richtig!«
   15] Und der heiligste Abba erwiderte ihm: »Ganz richtig; betrachte demnach auch Mein Wort als einen Regen aus den Himmeln alles Lebens, und es wird dir die Lebendigkeit dieses Meines lebendigsten Wortwassers durchaus kein Rätsel mehr sein, und der Abedam samt dem Henoch wird in großer Klarheit vor dir dastehen in aller Fülle Seiner Göttlichkeit! Verstehe es! Amen!«


Home  |    Inhaltsverzeichnis  |   Werke Lorbers