Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 2

Kapitelinhalt 161. Kapitel: Henochs Mahnung zum eifrigen Forschen nach der Wahrheit und der Erkenntnis Gottes.

   01] Der Henoch aber sah die große Verlegenheit der viere und fragte sie und sagte: »Also, an der Wahrheit ist euch wenig gelegen, sondern daran nur, daß ihr in aller Ruhe und vollster Behaglichkeit dahinleben könnet, ohne euch im innersten Ernste weiter zu bekümmern und zu forschen, wie sich alle die Sachen verhalten!
   02] O ihr Schlaftoren! Was habt ihr denn durch alle eure Lauheit bisher gewonnen?!
   03] Die enthüllende Zeit kommt für jedermann einmal sicher mit allen ihren Schrecken des Todes; der da schon lange sich vorbereitet hat, den wird sie nicht überraschen und dann in die finsterste Enge aller Verzweiflung treiben!
   04] So aber da jemand sieh darum will auf was immer für eine Art betrügen, damit er dann in solches Truges Nacht nur recht behaglich schlafen kann, wie schrecklich wird da dereinst der Ruf in seinen Ohren ertönen, welchen ihm seine eigenen schwindenden Kräfte zuraunen werden und werden gar wohl vernehmlich sagen: ,Träger Schläfer, - erwache zum Tode!'
   05] Sehet, wäre euch von jeher am Jehova etwas gelegen gewesen, so hättet ihr euch lange schon darum ernstlich bekümmert und hättet gefragt: Wer, was und wo ist Jehova?'
   06] Allein, um euch solcher Mühe zu überheben, glaubtet ihr lieber blind, was ihr von Munde zu Munde gehört habet; aber daß ihr je selbst darüber etwas nachgedacht hättet, - solches wäre ja viel zu beschwerlich für euch gewesen! Es mußte also ein Abedam euch vom tiefsten Schlafe rütteln, sonst wäret ihr noch bis zur Zeit ganz süß dahingeschlummert, und es würde euch sicher nie beigefallen sein, euch um den Jehova näher zu erkundigen!
   07] O ihr Lauen, nun kümmert euch des Lebens! Was habt ihr denn hundert und abermals hundert Jahre getan, da ihr von Jehova ebensowenig wie jetzt gewußt habt, ja - um vieles weniger!? Denn jetzt wißt ihr doch, welch eine Bewandtnis es mit dem Jehova hat; damals aber wußtet ihr gar nichts und scheutet euch auch allzeit, etwas Näheres zu erfahren von Ihm, indem euch der Trug lieber war allzeit denn die Wahrheit! Warum seid ihr denn heute, wie sonst noch nie, hierher gekommen?
   08] Weil euch der Abedam ein wenig aus dem Schlafe gerüttelt hat, indem Er euren Traumgott so ziemlich getrübt hat!
   09] Ihr möchtet nun wieder diesen alten Traumgott hergestellt haben, um dann wieder euren alten Schlaf ruhig fortsetzen zu können; allein solches hat jetzt ein Ende.
   10] Denn ihr wolltet ja nur Licht haben in der Sache! Ich gab euch dafür und darum das Licht in der ausgesprochenen Wahrheit; warum wollt ihr denn nun wieder an des Lichtes Statt den alten Trug eurer Sinne haben?
   11] Weil ihr nicht der Wahrheit, sondern nur des Truges willen hierher gekommen seid, darum er ist gerüttelt worden von dem weisesten Morgenländer, und möchtet nun eurer süßen Behaglichkeit willen wieder den alten Jehova hergestellt haben, unter dessen Lebensschutze ihr also übersüß habt schlafen können, während wir wachten und im beständigen Kampfe mit dem Tode standen!
   12] O wacht nun nur mit uns, und helft uns allen die überaus beschwerliche Bürde des Todes tragen; eure Nacken sind ja breit und stark genug dazu!
   13] Wahrlich, der alte Jehova wird euch ewig nichts mehr nützen, so nicht ein neuer Jehova Sich in euch wird zu gestalten anfangen!
   14] Darum sagte ich ja in meiner ersten Rede an euch: Aus uns muß Jehova hervorgehen, so Er irgend für uns dasein soll; ist solches nicht der Fall, so nützen uns allen tausend für sich irgend bestehende Jehovas nichts!
   15] Was nützt einem Steine mein sich selbst bewußtes Dasein?
   16] So es aber dem Steine möglich wäre, in sich selbst ins Bewußtsein überzugehen und zu werden ein sich frei bewegendes Wesen, sodann möchte ich für ihn auch etwas sein, also wie ich es bin für euch! Was aber bin ich dem toten Steine? - Nichts, ein pures und allerreinstes Nichts!
   17] In dem Verhältnisse aber ich und der Stein uns gegenseitig befinden, im selben Verhältnisse steht auch ihr zu: eurem alten Jehova!
   18] Dieser Jehova muß zuvor erst in euch zum höchsten vollständigen Selbstbewußtsein gelangen durch euer lebendiges Wollen, bevor Er euch ein wirkender Jehova wird! Und solches müßte durch eure Werke geschehen;; geschieht aber solches nicht, so gibt es' für euer Leben für alle Zeiten der Zeiten nirgends einen Jehova, so wenig es für Steine irgend Menschen gibt!
   19] Bittet daher nicht um noch mehr Betrug und Lüge, sondern schlaget euch zur Wahrheit; lernet solche aus dem großen Buche und den Zeichen der Natur, so wird es sich dann ja wohl; zeigen, ob eure Herzen für den Samen! Jehovas befähigt sind!
   20] Entfernet euch jetzt aber auf eine Schattenwende Zeit; denket über das Gesagte nach, und kommet dann wieder hierher, und wir wollen eure, Herzen prüfen, welche Liebe dieselben beherrscht! Und also geht! Amen.«


Home  |    Inhaltsverzeichnis  |   Werke Lorbers