Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 2

Kapitelinhalt 125. Kapitel: Henochs Dank- und Preisrede. Freude am Leben als bester Ausdruck des Dankes an den Schöpfer.

   01] Nach diesen Worten Abedams richtete sich der Henoch alsbald auf und rief mit lauter Stimme: »Höret, höret, ihr Toten alle, alle, die ihr noch irgend steckt in den Klüften, Abgründen und Tiefen der Erde, - ja, der ganzen Schöpfung Tote, kommt hierher!
   02] Und ihr alle, in deren Adern nur mehr ein schwaches, laues Leben kreist, - ihr auch, die ihr da seid schwer beladen und sehr mühselig geworden unter so manchem Drucke eures matten Lebens schwerer Bürde, - hierher, hierher mit euch allen! Hier werdet ihr des allerhöchsten Lebens in der allerunendlichsten Überfülle antreffen!
   03] O Worte, Worte. Was sind, was waren das für Worte?!
   04] O Abedam, Du überheiliger Gott und Vater! Jetzt hast Du auch dem Mittelpunkte der Erde und den Bergen, dem Meere und allem, was da nur irgend leblos dastand, ein nimmer erlöschbares Leben gegeben!
   05] Was kann, was sollte da noch im Tode verweilen können; wo das urewigste, heiligste Leben alles Lebens solche Worte eben dieses Lebens ausspricht?!
   06] Vater, Du überheiliger Vater, Dir allein sei ewig aller Dank, alle Ehre, alle Anbetung, alles Lob, alle Liebe, aller Preis, aller Ruhm und von der ganzen Unendlichkeit ein allerpünktlichster Gehorsam in aller Treue der Liebe; denn Du ganz allein bist ja nur ewig würdig solches alles von uns zu empfangen, wie von der ganzen Unendlichkeit!
   07] O wie doch gar so lebendig helle ist's nun geworden in allen Teilen meines Herzens und wie ätherisch leicht und wohl in allen meinen Eingeweiden!
   08] O du Leben des Lebens, wie süß bist du; welche Seligkeit ist es, dich zu empfinden in der Fülle aller Deiner Macht und Kraft!
   09] O Brüder, o Väter, o Kinder! Die Wonne des Lebens ist groß, so der Heilige in uns lebt ein freies Leben wer aber da möchte leben ein eigenes Leben, das da finster ist in allen Fasern und Fibern, dem ist es eine große, unerträgliche Bürde.
   10] Daher lebe ein jeder ein vollkommen liebegerechtes Leben, damit er schmecke die endlose Fülle des wahren Lebens aus Gott.
   11] Denn Größeres gibt es nicht als das Leben - und nichts, das da wunderbarer wäre und göttlich erhabener denn allein das Leben.
   12] Daher freuen wir uns alle allerdankbarst des Lebens, wir, die wir nicht waren und jetzt doch da sind im Angesichte Dessen, der ewig war, jetzt da ist und ewig sein wird, und uns hat werden lassen, und hat uns nun gegeben das wahre Leben, ja das Leben, welches Er Selbst gelebt hat von Ewigkeit zu Ewigkeit in und aus Sich in Seiner göttlichen Heiligkeit und endlosen Fülle und Vollkommenheit!
   13] Darum freut euch dieses Lebens, das Er uns allen nun gegeben hat!
   14] Wozu wäre die Sonne, wenn es außer Ihm kein Leben mehr gäbe, das sie zu schauen, zu empfinden und die herrlichen Ausflüsse ihrer Strahlen zu genießen vermöchte?!
   15] Wozu wäre die Erde mit allem dem, was da ist auf ihr und in ihr; zu was der ganze Himmel mit seinen lichten Sternenwelten; ja zu was die Unendlichkeit selbst, so es außer Ihm kein Leben mehr gäbe, das da erkennen möchte Den, der es frei dargestellt hat aus Sich, und genießen alles, was Er erschaffen für dasselbe?!
   16] Daher freue dich, du ganze Unendlichkeit des Lebens, wie ich mich nun freue desselben; denn von Ihm, von Ihm haben wir es ja alle empfangen, nicht als eine Bürde, sondern als eine wunderbarste Seligkeit aller Seligkeit! Denn was wären alle Seligkeiten ohne diese; wer möchte sich sättigen an ihnen ohne diese?!
   17] Diese allerhöchste aber hat Er uns gegeben; daher sei unsere große Freude am Leben Ihm, dem Geber, als ein allergültigster Dank dargebracht jetzt, wie allzeit und ewig! Amen.«


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