Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 2

Kapitelinhalt 113. Kapitel: Gottes Mahnrede an den wegen seiner Torheit verzweifelnden Adam.

   01] Als der Adam aber solche Rede vom Abedam vernommen hatte, da ward er traurig und wußte nun nicht mehr, was er darauf sagen oder tun sollte.
   02] Er dachte bei sich hin und her und suchte das große entscheidende, am Ende alles ausgleichende Warum. Aber alle seine Mühe war vergebens, er fand das große Warum nicht; und so war er bei sich auch schon auf dem Sprunge wieder, alles aus und von sich zu werfen und sich zu verwünschen und zu verfluchen anzufangen, darum er sich nun für den alleinigen Grund alles Bösen, Argen und Falschen ansah.
   03] Der Abedam aber ergriff seine Hand, sah ihm fest ins Auge und sagte nach einer Weile zu ihm:
   04] »Adam! Welch ein Mensch bist du! Willst du denn zu einem Steine werden?! Ist dir das Leben denn wirklich etwas also Verächtliches, daß du es in dir selbst verfluchen willst und willst dich dadurch töten durch und durch am Geiste wie am Leibe, wie auch in allen den Kindern, die Ich aus dir habe hervorgehen lassen?!
   05] Adam, bis nahe auf diesen Augenblick hast du dein schon viele Jahre langes Erdenleben mit Fluchen nach deiner scharfen Gerechtigkeit zugebracht und warst zufrieden dabei, darum du stets meintest, Ich habe ein Wohlgefallen an deiner richterlich unerbittlichen Strenge und an deinem väterlichen Fluche gegen jene deiner Kinder, die da schwach genug waren, sich irgend unvorsichtigerweise zu verstoßen gegen deinen Willen.
   06] Jetzt aber, da Ich dich reinigen will, darum Ich dir auch nur einzig und allein zeige alle deine Mängel, und tue das alles sichtbar vor dir und allen deinen Kindern, um dich vollends fähig zu machen zur völligen Aufnahme des Lebens aus Mir, - jetzt also, da du erfährst, daß Ich am Fluchen durchaus kein Wohlgefallen habe und auch keines am Gerichte, sondern allein nur an der allein lebendigen Liebe, bist du überärgerlich in deinem Herzen und überdrüssig des Lebens!
   07] Jetzt erst, nachdem du zuvor aus lauter Gerechtigkeit beinahe jedes Erdstäubchen gerichtet hast, willst du dich fluchend über dich selbst hermachen, um dich dadurch gewisserart an Mir zu rächen, darum Ich deiner alten Richterordnung zuwider bin durch Meine große Liebe, Erbarmung und Geduld!
   08] O Adam, Adam, Ich sage dir: Du stellst Meine Liebe und Geduld auf harte Proben!
   09] Bedenke, wie lange Ich schon alle Geduld mit dir habe; bedenke: als noch in der ganzen Unendlichkeit keine Sonne brannte und die Erde von Mir Selbst noch kaum gedacht wurde, da machte Mir dein Geist, den Ich für die allerreinste Liebe erschuf, und den Ich frei machen wollte zu einem selbständigen Wesen vor Mir und zu Meinem größten Wohlgefallen, durch seine Unbeugsamkeit schon harte Sorgen und fing an, auszudehnen ins Lange und Überlange Meine Geduld.
   10] Welche ewig langen Zeitenreihen sind seitdem verflossen, da Ich dich werden hieß!
   11] Und wie sehr ist durch diese Reihe von Ewigkeiten nahe Meine Geduld ins endlos Lange gedehnt worden deinetwegen!
   12] Siehe an alle die zahllosen Sterne; zähle sie, diese endlos vielen, großen und harten Weltenmassen, welche da erfüllen nahezu die ganze sichtbare äußere Unendlichkeit! Was sind sie?
   13] Adam, weißt du, was sie sind?! O Adam, Adam, siehe und höre:
   14] Jedes Sandkörnchen, woraus irgendein Weltkörper besteht, ist von dir aus eine harte Probe für Meine Geduld von mehr denn tausend Jahren, gemessen nach dem Fluge der Zeiten, schon an und für sich.
   15] Nun zähle die endlos vielen Welten in all den endlosen Raumgebieten; dann zähle alle die Sandkörnchen, aus deren endloser Vielheit sie bestehen, wie aus hart aneinandergereihten Atomen; denke dann für jedes einzelne Atom tausend Jahre Meiner Liebe göttlichen Geduld mit dir!
   16] Hast du solches erwogen reiflich in dir, sodann sage Mir, wie lange Ich dich noch gedulden solle, bis du vollends wirst ein Wesen nach dem Sinne Meiner ewigen Liebe zu dir, und Ich will jede Frist von dir annehmen!
   17] Wehe aber dir, so du dir würdest zu einem Selbstmörder; Ich sage dir: Es gibt keinen so schnellen Augenblick, als wie schnelle Ich da dich samt aller Schöpfung preisgeben würde Meinem Zornfeuer mit Ausnahme der wenigen Treuen!
   18] Wahrlich, Ich will mit jedem Sünder haben eher eine ewige Geduld, als nur einen Augenblick mit einem Selbstmörder!
   19] Daher kehre dich doch einmal vollends um und erkenne, was Ich an dir getan habe, jetzt tue, und was ich noch tun werde an allen deinen Kindern, so will Ich Mich zu dir wenden und dich erheben zu Mir aus dem Sumpfe deiner so langen Blindheit und dir geben das Leben!
   20] Aber hinfort fluche nicht mehr denn die Erde ist von dir aus jetzt schon auf hunderttausend Jahre versorgt gar reichlichst mit deinem Gerichte!
   21] Solches verstehe nun einmal, und wende dich vollends zu Mir. Amen. »


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