Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 2

Kapitelinhalt 86. Kapitel: Der durch Liebe leuchtende Jorias. Die Weisheit, das aus der Liebe geborene Licht. Das Universum im Menschen.

   01] Nach dieser überstark leuchtenden Rede fiel der Jorias sogleich vor dem Abedam nieder und lobte Ihn im großen Feuer seiner Liebe und dankte Ihm im Vollbrande seines Herzens; und seine Liebe ward stets mächtiger und mächtiger, also zwar, daß er sogar dem Leibe nach aussah, als wäre er aus weißglühendem Erze gestaltet.
   02] Als aber die Väter solches bemerkten, da erstaunten sie sehr darüber und wußten nicht, was sie bei sich dar aus machen sollten und wie und als was nehmen diese Erscheinung.
   03] Da aber der hohe Abedam sah solche allgemeine Verlegenheit bei den Vätern, so öffnete Er alsbald Seinen Mund und sagte zu ihnen: »Was staunet ihr der großen Liebe des Jorias?
   04] Wer also liebt wie er, der wird auch das erfahren, was nun er erfährt! Wenn aber bei jemandem die Liebe stets mächtiger und mächtiger wird, so durchglüht sie sein ganzes Wesen, da sie ist das eigentlichste, wahrhafteste Feuer. Wer aber also durchglühet wird, der ist auch nach dem Maße seiner Liebeglut durchleuchtet; denn es gibt nirgends ein anderes Licht als nur das dem Feuer entstammende. Darum ist die wahre Liebe ein rechtes Licht, da sie ist ein rechtes lebendiges Feuer.
   05] Ich sage euch aber allen: Also, wie da bei jemandem sein wird die Liebe zu Mir, wird auch sein dessen Licht und demnach auch seine Weisheit! Ihr seid aber alle wohl ausgestattet von Mir ausgegangen; jeder trägt in sich dasselbe, was da ist in Mir, darum Ich ihm bin ein vollkommener Vater, wie er Mir sein soll ein vollkommen ebenmäßiges Kind.
   06] Da es aber also ist, ein wie großer Tor ist denn hernach derjenige, der solches vernimmt aus Meinem Munde und dennoch nicht alsbald eingeht in sich und richtet da in seinem Herzen alsbald an ein großes Liebefeuer, auf daß es sodann eiligst durchglühe sein ganzes Wesen und es erleuchte durch und durch, damit er dann in sich finden möchte, welche unendlichen Schätze Ich da in ihn gelegt habe.
   07] Sehet hierher: Jorias ist durchglüht bis zur äußersten Haut! Er schaut und genießt nun schon die unermeßlichen Schätze aus Mir, - ja Schätze, die unvergänglich sind ewig und unverbrauchbar, da sie sich also mehren und mehren ins Unendliche, wie sich da mehrt das Weizenkorn auf der Erde, nur mit dem Unterschiede, daß die verzehrten Schätze der Liebe sich stets verherrlichter und ins Unendliche vermehrter erneuern, während das Weizenkorn der Erde, wenn es in die Erde gesät worden ist, sich selbst nur höchstens hundertfach wiederbringt.
   08] Wahrlich, wahrlich, sage Ich euch, diese Erde und alles, was auf ihr, in ihr und über ihr ist, und die Sonne und alles, was da ist in ihr, auf ihr und über ihr, und alle die großen Sterne mit ihren zahllosen Weltenheeren und mit ihrem Lichte und mit allem, was da ist in ihnen, auf ihnen und über ihnen, und was da war und sein wird nach undenklichen Zeitläufen, und den ganzen Himmel in aller seiner Unendlichkeit alle zahllosen Myriaden der Engelscharen mit aller ihrer Herrlichkeit, ja Mich Selbst habt ihr in euch!
   09] Wie ist demnach der doch ein Tor, der hier um ein Stückchen Erde streitet, wie es schon zu öfteren Malen unter euch der Fall war, da er doch eine ganze, wahrhaft lebendige Erde, die für ihn ewig nimmer vergehen wird und auch ewig nimmer vergehen kann, sondern sich nur nach seiner Lust und seinem freien Willen stets vergrößern, stets mehr verherrlichen und stets mehr vervielfachen wird, in sich birgt und trägt, und also auch alles früher Bezeigte!
   10] Denn wenn es nicht also wäre, da wäre niemand eines Gedankens fähig; alles aber, was da jemand denken kann und mag, und wie vielfach und wie immer gestaltet, muß ja doch wohl also in ihm vorhanden sein wesenhaft wie da in dem Samenkorne schon vorhanden ist eine endlose Vielheit seiner selbst nebst allen dasselbe produzierenden Pflanzenbestandteilen, ohne welche Beschaffenheit keine Fortpflanzung ins Unendliche denkbar wäre.
   11] Wenn also gestaltet euch aber eure Gedanken lehren, was ihr alles unendlichfältig in euch bergt und tragt wesenhaft und Ich als der Schöpfer alles dessen und euer wahrer Vater euch nun auch noch dasselbe enthüllend sage und ihr nichts als nur der wahren Liebe bedürft, um euch in den Vollbesitz aller dieser unendlichen Schätze zu setzen, - sagt, ein wie großer Tor ist demnach der, so er sich kümmert und sorgt um eine Faust voll Staub der nichtigen Erde, die da nur ist ein prüfendes Trugbild oder eine barste Scheinwelt, während er doch zahllose Sonnenheere in sich birgt, die da echt sind und unvergänglich!
   12] Darum sehet an den Jorias; der zeigt euch nun, was die Liebe vermag, und zu was allem sie allein euch verhelfen kann.
   13] Daher seid künftighin keine Toren mehr, und flieht die Welt, und suchet euch selbst und Mich in euch!
   14] Habt ihr mit eurem Liebelichte da alles gefunden, so werdet ihr wohl einsehen, wie viel die ganze Erde wert ist gegen den geringsten inneren Schatz des Lebens aus Mir.
   15] Wer aber da erglühen wird in der Liebe gleich dem Jorias, der wird auch finden, was er nun gefunden hat!
   16] Du, Mein geliebter Jorias, aber stehe nun auf, und zeige den anderen den kleinsten Teil dessen, was du nun in dir aus Mir gefunden hast durch deine Liebeglut! Amen.


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