Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 2

Kapitelinhalt 63. Kapitel: Die Demut als größte Verherrlichung des Menschen. Die Ehrung durch Liebe. Rangstreben des Garbiel.

   01] Und der Abedam sprach auch Amen zum Amen des Sehel hinzu und sagte darauf:
   02] »Ja, also hat wahr und wahr geredet Mein geliebter Sehel! Unter allen Freveln ist die Selbstsucht der größte; des Menschen größte und allererhabenste Verherrlichung aber ist seine Demut und die aus ihr hervorgehende Verherrlichung Meines Namens vor der Welt!
   03] Wer aber da hat eine Last auf dem Herzen, der komme zu Mir; denn wahrlich, sage Ich nun, wie es zuvor Mein geliebter Sehel gesagt hatte, er wird nirgends Erleichterung finden denn allein bei Mir!
   04] Und also hast du, Garbiel, zwar nicht gefehlt, darum daß du deinen großen Bruder um Vergebung batest, und der Seth auch hatte nicht gefehlt, darum daß er eingesehen hatte seinen alten Irrtum, demzufolge er dem Sohne Sehel gram wurde, da dieser aus einem höheren, inneren Antriebe nicht wollte in die Fußstapfen Adams treten, sondern zeitlebens beibehalten seine himmlische Urreinheit seines Herzens aus geheimer großer Liebe zu Mir;
   05] Aber, wie der Sehel vorher gesagt hatte, so ist es zuviel, so ein Bruder vor dem andern sich im Staube wälzt.
   06] Denn solches verlange nicht einmal Ich; wieviel weniger sollt ihr erst gegenseitig euch also ehren, als wäre da ein Bruder dem andern ein Gott!
   07] Ich will aber damit gar nicht sagen, als sollt ihr euch darum gegenseitig gar nicht ehren, sondern Ich sage nur, daß ihr nicht den Würmern gleich voreinander kriechen sollet.
   08] So ihr euch aber schon ehret, da ehret euch allein durch die Liebe, und daß sich keiner erhebe über den andern, sondern ein jeder sei dem andern ein wahrer Bruder in Meiner Liebe!
   09] Solche Ehrung ist eine gerechte Ehrung, - diese seid ihr euch gegensetig schuldig; was aber darüber ist, das ist auch wider Meine Ordnung, und ihr sollet es darum unterlassen!
   10] Die Ehrung aber durch die Liebe genügt für jegliches Verhältnis unter euch, sei es ein Bruder zum Bruder, oder ein Sohn zum Vater, oder ein Vater zum Sohne, oder das Weib zum Manne, oder der Mann zum Weibe, oder die Schwester zur Schwester, oder der Bruder zur Schwester, oder die Schwester zum Bruder, oder die Tochter zur Mutter, oder die Mutter zur Tochter, oder der Sohn zur Mutter, und die Tochter zum Vater, oder die Mutter zum Sohne, und der Vater zur Tochter, - kurz, es genügt in allem die alleinige wahre Liebe, und zwar aus dem Hauptgrunde, darum (weil) Ich Selbst von euch allen ja nichts mehr verlange denn allein eure Liebe im Geiste und aller Wahrheit aus ihr.
   11] Ja wahrlich, sage Ich euch allen, ihr möget beten Tag und Nacht, und euch wälzen den Schweinen gleich im Kote und im schmutzigsten Staube, Ich aber werde euch dennoch nicht eher anhören, als bis ihr allein in eurem Herzen ernstlich und liebewahr euch an Mich, den heiligen, liebevollsten Vater gewendet habt!
   12] So Ich aber schon eure wahre, ernste Kindesliebe als die Mir allein wohlgefällige, allerbeste und wahrste Verehrung annehme, der Ich doch heilig, überheilig bin, - was sollte da unter euch denn für ein Unterschied sein, darum ihr voreinander im Staube herumkriechen wollt?!
   13] Also noch einmal für alle Male gesagt: Die Liebe genügt und genüge euch allen!
   14] Du, Mein geliebter Sehel, aber wirst das alleinige Gebot der Liebe auf Steinflächen einzeichnen, damit dann jedweder sehen wird, um was sich alles dreht, und was da der gemeinschaftliche Mittelpunkt aller Dinge ist!
   15] Und nun auch gehe du, eifersüchtiger Garbiel, und kümmere dich nicht mehr, darum daß Ich dich nicht als den ersten habe gerufen, damit du Mir kund gäbest dein Gesicht!
   16] Meinst du etwa, solches tue Ich geflissentlich, um jemanden damit zu necken und ihn fühlen zu lassen seine Nichtigkeit vor Mir, da er auch etwas sein will, das er eigentlich nicht sein soll?! O Garbiel, da bist du in einer gar großen Irre!
   17] Ich sage dir aber, daß da Meine ewige Ordnung, Meine Liebe und Meine endlose Weisheit doch wohl sicher andere Wege wandeln wird als jene, welche deiner Torheit nur einleuchtend sind!
   18] Darum sollst du ein demütiges und freies Herz haben und nicht ein ranglustiges; denn so du demütig bist, da wirst du auf keine Ordnungszahlen merken und lauschen, wer da möchte als Erster, Zweiter, Dritter und so weiter gerufen werden, sondern wann du gerufen wirst, wird es dir ganz vollkommen recht sein.
   19] Siehe, du aber hattest eine Ranglust in dir, darum tat dir der Tritt deines Bruders wehe, den du sonst kaum wahrgenommen hättest!
   20] Nun aber reinige dein Herz vollkommen, und komme dann zu Mir, so du gerufen wirst; und so denn gehe nun wieder hin zum Henoch und lasse dir von ihm den rechten Weg zu Mir zeigen! Amen.
   21] Und nun komme du, Horidael, zu Mir hierher, und sage Mir, den anderen gleich, was du denn alles in dir gesehen und treulichst vernommen hast! Amen.«


Home  |    Inhaltsverzeichnis  |   Werke Lorbers