Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 2

Kapitelinhalt 58. Kapitel: Vratahs Vision vom Wesen der Schrift.

   01] Als sie denn nun vollends wieder beim Abedam angelangt sind und Ihm ihr Lob und ihren innersten Dank dargebracht haben, da befragte alsbald der Abedam einen aus den zwölfen, der da hieß Vratah, sagend nämlich:
   02] »Nun denn, Mein geliebter Vratah, sage Mir kurz, was du gesehen hast in deinem Herzen und was alles entnommen!«
   03] Und der Vratah, vor lauter übergroße Demut am ganzen Leibes- und Seelenwesen bebend, sagte nach einer Weile, die er zu seiner Erholung benützen hatte müssen:
   04] »O Du ewiger, heiliger, endlos mächtiger, starker, kräftiger, gewaltiger, milder, sanfter, geduldigster, erhabenster, allerweisester, gnädigster, aller Erbarmung und Liebe vollster Vater und Gott und Schöpfer aller Dinge, wird es denn wohl nötig sein, Dir das zu sagen mit der Zunge, was Dir schon sicher von Ewigkeiten her klarer und ersichtlicher war als mir die Sonne am hellsten und allerreinsten Tage?!«
   05] Und der Abedam entgegnete ihm: »Wie aber magst du Mich um solcbes fragen?
   06] Habe Ich denn nicht solches von dir verlangt?! So du es aber weißt, daß Ich dein Geschautes und vernommen und schon von Ewigkeit her klärlichst vorgesehen habe, wie kann es dir aber denn nun entgangen sein, daß Ich auch solches muß von Ewigkeit her vorgesehen haben, darum Ich dich jetzt fragte, obschon es Mir nur zu überhelle klar ist ins Unendliche, was du in dir geschaut und vernommen hast?!
   07] Da du aber solches wenigstens jetzt einsehen mußt, so frage nicht weiter, sondern antworte auf die Frage also, als wüßte Ich nicht, darum Ich dich frage; denn warum Ich dich frage, weiß Ich gar wohl, des kannst du völlig versichert sein, - und warum du Mir die Antwort geben wirst, die Mir schon von Ewigkeiten her wohlbekannt war, das weiß Ich auch.
   08] Aber dessenungeachtet will Ich, daß du Mir antwortest, so Ich dich frage, gerade also, als wüßte Ich es durchaus nicht, was du Mir für eine Antwort bringen wirst.
   09] Solches aber merket ihr alle euch und wer da von euch immer gefragt wird, der antworte also!
   10] Ich will aber mit euch nicht reden wie mit den Steinen, sondern wie ein Vater mit seinen lebendigen und wortfähigen Kindern.
   11] Und also antworte du, Vratah, nur immerhin auf meine frühere Frage! Amen.«
   12] Und alsbald ermannte sich der Vratah und fing an, voll Dankgefühl in seinem Herzen kundzugeben, was er geschaut hatte in seinem Herzen.
   13] Also aber lauteten die Worte, in welchen dargetan wurde das Gesicht Vratahs, nämlich:
   14] »O Du, dessen Namen meine Zunge kaum mehr wagt auszusprechen, - so Du es willst, da muß jeder Wille weichen, und zu allererst der meinige!
   15] Ich sah ein starkes Licht entstehen im Herzen, das glänzte mehr denn die Sonne in ihrer glanzvollsten Mitte und da ich ein solches Licht in mir gewahrte, da wurde es finster außer mir auf der Erde, so zwar, daß ich da nichts mehr unterscheiden konnte.
   16] Dieses Licht aber vermehrte sich stets mehr und mehr und wurde endlich also gewaltig, daß es mich selbst in allen meinen Teilen also mächtig zu durchleuchten anfing, daß ich mir an meiner äußeren Haut vorkam, als hätte mich das Licht der Sonne umflossen und würde durch dieses Licht meiner Haut dann erleuchtet ein großer Teil der Erde.
   17] Und als das Licht aber auf die Erde fiel, da sahen alle Dinge anders aus als sonst mit den Augen des Fleisches.
   18] So zum Beispiel sah ich ein Blättchen eines Baumes, das mir ein leichter, herrlich tönender Luftzug gerade in die rechte Hand trug, mit den allerseltsamsten Zeichen bezeichnet; und die schönen Zeichen fielen mir auf, also zwar, daß ich das Blättchen auf meine linke Hand legte, um es da länger betrachten zu können.
   19] Doch als ich es also betrachtete, da fiel es mir denn auch auf einmal auf daß das Blättchen auf ein Haar, möchte ich sagen, dieselben Zeichen hatte, welche ich da zu gleicher Zeit an meiner Hand entdeckt habe; nur standen in meiner Hand gerade fünfundzwanzig solcher Zeichen einzeln für sich da, während dieselben Zeichen sich in mannigfachster Vergesellschaftung am Blättchen zu öfteren Malen wiederholten.
   20] Und das Blättchen aber ward dann größer und größer, und es kam mir vor, als dehne es sich schon beinahe über die ganze Erde aus.
   21] Und wie sich aber das Blättchen stets mehr und mehr ausdehnte, da vermehrten sich aber auch die Zeichengruppierungen so sehr, daß es eine allerreinste Unmöglichkeit gewesen wäre, nur mehr einen allergeringsten Teil der endlosen Reihen und Gruppen zu überschauen.
   22] Als ich aber mich stets mehr und mehr vertiefte in mein so überherrliches, wunderbarstes Bild, siehe, da erlosch auf einmal dieses Himmelslicht in mir, das Blättchen verschwand mit dem Lichte und dem herrlichen Tönen der Luft, und des Henoch Stimme lud dann alsbald uns zu Dir, o Du überheiliger Vater, hierher!
   23] Das ist alles, was ich gesehen habe nach Deinem allerheiligsten Willen und durch deine allergnädigste Zulassung; Dir allein alles Lob, alle Ehre, allen Dank, allen Ruhm, allen Preis, alle Liebe und alle Anbetung dafür ewig! Amen.
   24] Und der Abedam belobte darauf seine Treue, und sagte darauf: »Siehe, geliebter Vratah, was du geschaut hast, ist das Reich Meiner Gnade auf der Erde!
   25] Ich kann nicht stets also bei euch verbleiben, wie ihr Mich jetzt sehet; und es wäre auch für niemanden zum Frommen des ewigen Lebens, so Ich auch bliebe und bleiben könnte.
   26] Aber Zeichen, wie du sie und alle deine Brüder gesehen haben, will Ich euch hinterlassen, mittels welcher ihr durch die Hilfe Meines Geistes jegliches Wort, das aus Meinem Munde nun an euch alle erging, werdet selbst für die spätesten Nachkommen aufzeichnen können; und Ich werde da in solchem gezeichneten Worte allzeit unter euch sein heilig, gnädig, kräftig und mächtig!
   27] Wie aber diese Zeichen werden zu führen sein, das wird euch Mein Geist durch Garbiel lehren! Amen.«


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