Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 2

Kapitelinhalt 49. Kapitel: Abedam enthüllt die innerste, wahre Absicht der Frageboten.

   01] Und die andern elf begaben sich alsbald hin zum Adam und dann zum Fremden und taten - obschon etwas furchtsam noch -, was vorher der Garbiel getan hatte, und fanden beim Fremden wunderbar bestätigt, auf was sie der Garbiel aufmerksam gemacht hatte.
   02] Da sie sich insgeheim aber also hoch verwunderten in ihrem Herzen, da berief alsbald der Abedam den Garbiel zu Sich und fragte ihn, sagend nämlich:
   03] »Garbiel, kannst du dich noch entsinnen der Frage, die Ich euch gab, als ihr auf der Vollhöhe angelangt seid?«
   04] Und der Garbiel, etwas verblüfft, entgegnete darauf nach kurzem Sinnen: »Ja richtig, richtig, du hast uns auf der Höhe eine etwas sonderbare Frage gegeben, worauf wir dann auch dir eine sonderbar genug dumme Antwort gaben.
   05] Ja, ja, richtig; mir fällt es nur nicht sogleich bei, wie die Frage gestellt war. Von der Absicht und vom Sinne ist darin etwas vorgekommen; nur weiß ich nun nicht mehr recht, ob die Absicht in dem Sinne, oder der Sinn in der Absicht sich befand.
   06] Der Frage zweiten Teil weiß ich wohl recht genau, nämlich: ,Warum seid ihr hierher gekommen?'; aber den ersten Teil bringe ich nicht mehr ganz zurecht.
   07] Sinn und Absicht stecken sicher beisammen; aber wie? Das ist nun für meine Armseligkeit eine ganz andere Frage!
   08] Es ist aber doch wahrhaft ganz sonderbar: Gerade früher war noch sogar die Rede davon unter uns, - und jetzt brächte ich's nicht heraus und wenn jemand darum mich auch allergewaltigst ins Genick beißen möchte!
   09] Nein, aber so dumm war ich denn doch in meinem ganzen Leben nicht! Das nun nicht mehr füreinander zu bringen!
   10] Lieber, mir noch unbekannter Freund! Siehe, ich bin sonst nicht gar so dumm; aber die frühere große Angst hat mir beinahe meinen eigenen Namen verschleppt! Und so ist es wohl verzeihlich, so ich dir notgedrungen den ersten Teil deiner Frage schuldig bleiben muß!
   11] Du wirst die Frage sicher noch wissen! Möchtest du denn sie uns nicht noch einmal kundgeben?
   12] Vielleicht finden wir jetzt eine bescheidenere Antwort darauf, als unsere grenzenlose, aufgeblähte Torheit sie gefunden hatte auf der Höhe.
   13] So dein Wille es wäre; aber sei deshalb ja nicht ungehalten oder ärgerlich!«
   14] Und der Abedam willfahrte sogleich dem Verlangen Garbiels und gab ihm somit die volle Frage von neuem.
   15] Jetzt aber sprang der Garbiel auch vor Freuden, darum (daß) er nur die Frage wieder hatte, und sagte sogleich wieder, zu reden anfangend, darauf: »Ja,ja also war es: ,Was ist der Sinn eurer Absicht; und warum seid ihr hierher gekommen?'
   16] Nun, lieber Freund, da du mich darum fragtest, - die Frage wäre durch deine gütige Hilfe wieder da; was soll denn nun damit geschehen?«
   17] Und der Abedam beschied darauf, sagend: »Nun, so du die Frage wieder hast, da gib Mir die Antwort darauf! Siehe, das ist alles, darum Ich aus dir wissen wollte, ob die Frage noch unter euch sich befindet!«
   18] Und der Garbiel fing an nachzusinnen und sagte darauf: »Ja, was der Frage zweiten Teil betrifft, da sind wir auf die Höhe gesandt worden, um da für alles Volk uns Rat zu holen, ob wir die Nacht hindurch hier - wie es sonst gewöhnlich war - verbleiben sollen oder nicht, da heute alles ungewöhnlich vor sich ging und am Abende kein Opfer mehr abgebrannt wird.
   19] Siehe, das ist die ganze Ursache unserer Hierherkunft, oder das ist das Ganze, darum wir auf die Höhe gekommen sind, und wird vielleicht sicher auch der Sinn unserer Absicht sein!
   20] Was aber jedoch etwa mit dem Sinne in der Absicht es für eine andere Bewandtnis noch haben dürfte, siehe, lieber Freund, solches könnte ich dir wohl unmöglich erörtern; daher wirst du schon so gut sein wollen und uns allen freundlichst kundgeben, welchen Sinn in deiner Absicht du birgst!«
   21] Und der Abedam aber erwiderte ihm darauf: »So höre denn: Darum ihr gekommen seid auf die Höhe, hast du richtig beantwortet; aber darinnen lag nicht der Sinn eurer Absicht, - sondern in dem lag er, daß euer Herz da war mit heimlichem Ärger erfüllt und ihr unter der Hülle der zweiten Frage habt erforschen wollen, warum heute ohne euer Wissen und Wollen des Sabbats Feierlichkeit also verkehrt wurde. Siehe, ist es nicht also?!
   22] Da Ich euch dann alsbald erkannte und euch zuvorkommend darum fragte, so ließet ihr den Sinn eurer Absicht Mir sogleich merken dadurch, daß ihr Mir mit sehr unsanften Worten begegnet habt. - Ist es nicht also?
   23] Ihr wolltet zwar nur darum laut fragen, ob ihr bleiben oder heimziehen sollt; aber was da den Sinn eurer Absicht betrifft, da wolltet ihr euch nur ganz heimlich spähend erkundigen und damit dann sättigen euren geheimen Ärger und bei günstiger Gelegenheit dann denselben ausschütten vor den Vätern, und das zwar schon am nächst bestimmten Streittage (am Dienstage), an dem die Väter euren Klagen allzeit ein williges Ohr schenken! - Ist es nicht also?'
   24] Und der Garbiel, ganz außer sich samt den übrigen und ganz betroffen, wurde ganz stumm und konnte kein Wort herausbringen.
   25] Der Abedam aber sagte darauf zu allen: »Folgt Mir und dem Adam nun alle auf die Höhe; allda sollt ihr euch zuerst stärken mit Speise und Trank, da ihr heute noch nichts genossen habt, und sodann wollen wir von Meinem Sinne in Meiner Absicht einige gute Worte miteinander bei gutem Mute tauschen! Amen.«


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