Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 2

Kapitelinhalt 45. Kapitel: Der höchste Lohn des Menschen: den Herrn lieben zu dürfen.

   01] Nach dem aber wandte sich der Abedam zum Pariholi und sagte zu ihm: »Pariholi, siehe, ein jeder redliche und fleißige Arbeiter ist auch völlig seines Lohnes wert!
   02] Ich habe für dich zwar unterdessen deine Familie belebt, wie du dich soeben selbst überzeugt haben wirst, da dich dein Weib und deine sieben Kinder mit offenen, schon unsterblichen Armen aufnahmen, als du mit diesem Meinem Söhne (dem Adam nämlich) hierher kehrtest, - allein dieses Lohnes Wohltat ist wohl groß für das Gefühl der Liebe eines Vaters, aber so der Vater dann auf sich selbst eine tiefere Frage macht, welche also lauten mag: Was habe denn eigentlich ich selbst davon, so meine Familie ist unsterblich geworden und hat mich umfangen mit unsterblichen Armen, so ich selbst von mir aus daran doch keinen anderen Teil als nur die alleinige hohe Vaterfreude habe, meine Familie unsterblich zu wissen, gleich darauf aber meine eigene Sterblichkeit durch und durch nur zu klar und deutlich in allen meinen Eingeweiden und Gliedern empfinde?'
   03] Siehe, das ist doch eine ganz billige Frage, gestellt an das eigene Gefühl; und dieser Frage zufolge, die zwar nicht du, sondern nur Ich in dir gestellt habe, soll dir auch geschehen, was da geschehen ist deiner Familie, und ist dir schon widerfahren, da dich die Deinen in ihre Arme aufnahmen, und bist schon unsterblich dadurch gemacht worden, daß Ich dich berufen habe, Mein Wort in dir zu tragen, dahin dich Meine Liebe beschied; allein alles dessen ungeachtet bist du als getreuester Überbringer Meines Willens an den Adam noch eines Lohnes wert.
   04] Siehe, Ich überlasse es deinem ganz vollkommenst freien Willen: Frage dein Herz; was dieses nur immer wünscht, das soll dir auch alsbald werden!
   05] Möchtest du die Sonne zu deinen Füßen haben, Ich sage dir: Wahrlich, sie wird sich Meinem Willen allerschnellst fügen müssen!
   06] Oder willst du den Mond? Er wird sich fügen dem leisesten Meiner Winke!
   07] Oder willst du all die Sterne? Ich versichere dir, sie werden wie Schneeflocken zu deinen Füßen fallen!
   08] Oder willst du der Erde Eingeweide? Du kannst es Mir glauben: wie ein mächtig großer Schlangenknäuel wird es sich alsbald herauf zu deinen Füßen winden!
   09] Also, was du nur immer wünschest, das soll dir - wie Ich es schon vorher gesagt habe - auch alsobald werden! Amen.«
   10] Der Pariholi aber fiel alsbald zu den Füßen des Abedam nieder und flehte weinend: »O du liebevollster, heiligster Vater, Gott, Jehova! So Du mir Wurm im Staube vor Dir schon die Unsterblichkeit allergnädigst gegeben hast, um was soll da die große Torheit meines Herzens Dich noch bitten?!
   11] O Du überheiliger, allerbester Vater, ich werde Dir wohl für den kleinsten Teil Deiner heiligen Gaben an mich Unwürdigen ewig nie genug danken können; denn es liegt ja schon in einem jeglichen Atemzuge eine so endlose Wohltat, von Dir an uns Menschen gespendet, daß sie alle Engel nie genug werden beloben können, - anderer Dinge gar nicht zu gedenken!
   12] Und ich abscheulicher Wurm des schmutzigsten Staubes vor Dir sollte mich erdreisten, etwa zu all dem noch gar im Ernste um Dinge als förmlich mir Taugenichtse gebührenden Lohn zu bitten, die Deine allerheiligste Zunge vor mir ausgesprochen hat, oder etwa noch um andere Unerhörtheiten?!
   13] Nein, nein, Vater, heiligster Vater! Eher laß mich Scheusal vor Dir von allen Schlangen und Nattern der Erde zerreißen, bevor da mein Herz sollte nur den allerleisesten Gedanken hegen, von Dir mehr noch zu erbitten, als Du mir schon ohnehin also ewig unermeßlichermaßen hast durch Deine endlose Vatergüte zukommen lassen, von all dem Unaussprechlichen ich auch nicht des Allerkleinsten im allergeringsten würdig bin!
   14] O heiligster Vater, daß Du meinen schwachen Dank für Deine so endlosen Wohltaten allergnädigst als etwas ansehen möchtest, und daß Du auch mir gestatten möchtest, Dich über alles zu lieben! Siehe, o heiligster Vater, das ist alles, um was sich mein Herz sehnt! Dein heiliger Wille geschehe!«
   15] Bei diesen Worten Pariholis hielt sich der Abedam die Hand vor die Augen und barg Seine Tränen vor den andern Vätern; aber bald zog Er Seine: Hand weg von den Augen, erregte Sich gewaltig, und bog Sich nieder zum noch weinenden Pariholi, erhob ihn schnell und sagte dann zu ihm folgende Worte:
   16] »Pariholi, du hast dir zwar das Geringste dem Anscheine nach erbeten; aber wahrlich, sage Ich dir, es ist das Allerhöchste!
   17] Und also sollst du aber im allervollsten Maße haben Meine Liebe, und deine ganze kleine Familie mit dir, nicht nur zeitlich, sondern ewig!
   18] Deine Töchter sollen schön sein wie Morgensterne, und deine Söhne will Ich zieren mit einer Kraft in ihren Augen, daß sie die Schrift der Sterne dadurch sehen werden und lesen ihren Sinn!
   19] Dein Weib soll teil an Meinem Herzen haben, wie du den vollsten an Meiner Liebe; Ich aber werde dich ewig nicht mehr verlassen!
   20] Und also kommet alle her an Meine Vaterbrust! Amen.«


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