Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 2

Kapitelinhalt 8. Kapitel: Gottes Aussendungsrede an die zehn Boten nach Hanoch.

   01] Nach dem aber berief der Abedam den Sethlahem, den Kisehel, dessen sechs Brüder und noch zwei Söhne des Kisehel, die da nicht minder ihrem Vater waren voll Eifer, Feuergeist und voll von allerlei nützlichen Erkenntnissen in allerlei Dingen, so daß da nun in allem zehn Männer vor dem Abedam standen.
   02] Da sie aber vor Ihn hinkamen, fielen sie alsbald auf ihre Angesichter nieder vor Ihm und lobten und priesen überlaut Seinen allerheiligsten Namen Jehova.
   03] Als aber der Abedam sah, daß sie ihrem Herzen genug getan hatten, da hieß Er sie alsbald erstehen und sagte zu ihnen: »Höret, ihr Männer aus dem Mittage! Was Ich euch nun enthüllen werde, das tuet unverzüglich an dem von Mir euch in eurem Geiste angezeigten Tage!
   04] Solches aber verlangt von eurem freien Willen Meine Liebe und Erbarmung, daß ihr euch bedünken (entschließen) sollt, hinabzugehen in die Tiefe zur Stadt Hanoch, allda ihr Menschen antreffen werdet, die von Mir lediglich nichts mehr wissen und leben mit und untereinander, ärger, ärger - denn Hunde, Katzen, Wölfe, Bären, Löwen, Tiger, Hyänen und Schlangen auf einem Haufen beisammen!
   05] Sie stinken schon bis in den obersten Himmel vor Unzucht und der allerscheußlichsten Hurerei und ermorden sich gegenseitig, und vergießen das Blut ihrer Brüder und Schwestern und schonen sogar ihrer Alten nicht.
   06] Ja, Ich sage euch, ihr Frevel geht so weit, daß ihr König, der da auch Lamech heißt, Mir sogar vor noch gar nicht langer Zeit einen Krieg angekündigt hat und wollte aus großem Grimme gegen Mich, darum (weil) Ich sein arges, grausames Kriegsheer unter der Anführung Tatahars des Bösen von den reißenden Tieren vernichten ließ, die Erde sogar mit Feuer vernichten.
   07] Allein das ist nicht das ärgste der vielen Laster, die er gegen Mich begeht; sondern hört und vernehmet:
   08] Da Ich es zuließ, daß ihm alle seine Beischläferinnen untreu wurden aus Furcht um ihr Leben und entflohen sind hierher, und zwar unter die Mitternächtler, und ihm auch noch entflohen sind seine beiden Weiber und seine Tochter Naeme , - seht, darum hat er nun einen solchen Haß gegen Mich, daß er nichts anderes tut, als allein fast Tag und Nacht nur nachsinnt, wie er Mich so recht auf die allerschändlichste Weise verunheiligen möchte und könnte! Er hat allenthalben Wächter und Spione aufgestellt, die da die Menschen beobachten und behorchen müssen, was sie tun und reden. Er hat ein Loch in die Erde machen lassen, füllte es zur Hälfte mit Unrat, zeichnete Meinen Namen auf eine mit Unflat beschmierte Tafel aus Stein, verfluchte hernach die Tafel und warf sie dann vor vieler Augen unter den scheußlichsten Lästerungen in das besagte Loch und gebot den niedrigsten Sklaven, darauf zu scheißen und endlich mit von ihm verfluchter Erde das Loch wieder zuzuwerfen.
   09] Gleich darauf kündigte er sich ihnen selbst als den allein allerhöchsten Gott an und gebot dann jedem bei Strafe des martervollsten Todes, ihn anzubeten.
   10] Und die Wächter und Spione müssen strenge nun darauf achten und hören, daß ja von niemandem Mein Name mehr genannt wird; wer solches täte, dem stehen die entsetzlichsten Todesstrafen bevor!
   11] Den Sklaven verbot er das Reden so ganz und gar, daß, so von einem was immer für ein Wort vernommen möchte werden, ihm sogleich die Zunge aus dem Munde gerissen werden solle; so sie sich aber verständigen wollten untereinander, da sollen sie solches mit tierartigem Gebrülle tun.
   12] Auch sollten sie nicht also wie er auf zwei Füßen gehen, sondern auf allen Vieren gleich den Tieren, das heißt auf den Händen und Füßen; gerade stehen dürften sie nur bei der Arbeit.
   13] Auch darf sich dieses Sklavenvolk nicht paaren. Wehe dem, der nun mit einem Weibe etwas hätte; dem stehen die schändlichsten Verstümmelungen bevor.
   14] Aus dem Grunde er nun auch schon Tausende von den Sklavenweibern und ihren Töchtern hinrichten ließ.
   15] Sehet, also geht es nun in der Tiefe zu! - Es gibt aber außer Hanoch noch zehn große Städte, welche diesem Meinem größten Feinde alle dienstbar sind, und es geht in keiner um ein Haar nun besser zu denn in Hanoch.
   16] Sehet nun ferner, und höret: Das Blut der Armen schreit zu Mir um Rache; darum habe Ich Mich ihrer erbarmt und will euch als Rächer und Befreier dieses Volkes hinabsenden; doch sollt ihr niemanden töten, auch den Lamech nicht; sondern ihnen allen verkündigt frei und offen Meinen Namen und Meinen Zorn und das nahe bevorstehende Gericht Meines Grimmes, so sie sich nicht möchten alsbald in der strengsten Buße und Reue über alle ihre Frevel zu Meinem Namen wenden!
   17] Den Lamech selbst aber laßt mit eigenen Händen das besagte Loch aufgraben, die mit Meinem Namen bezeichnete Tafel wieder herausnehmen, sie reinigen mit reinem Wasser und sie dann erst waschen mit den Tränen seiner Reue!
   18] So er sich aber solches zu tun weigern wird, dann macht Gebrauch von eurer Macht und laßt eine Plage um die andere über ihn kommen, und das so lange fort, bis er sich in euren Willen fügen wird!
   19] Hebet nicht nur seine, sondern jede Herrlichkeit auf, so daß sie sich alle als Brüder und Schwestern völlig gleich sein sollen, und nur die Weisesten aus dem gemeinsten Volke setzt ein zu ferneren Leitern des Volkes; aber laßt sie nicht beziehen je die Paläste der Könige, sondern in den einfachsten und niedrigsten Hütten sollen sie wohnen.
   20] Wenn sie von euch als fähig erkannt werden und als tüchtig zur Leitung und Aufsicht, dann legt auch ihnen eure Hände auf die Stirne und auf die Achsel, und erteilt ihnen dadurch die nötige Kraft.
   21] Fürchtet allda niemanden, und laßt euch selbst nicht blenden von der großen Pracht und Üppigkeit dieser Städte; denn all die Städte sind jetzt da unten und werden allzeit sein Werke der Schlange. Daher laßt euch von keinem Glanze bestechen, sondern seid als Meine Propheten diesen Völkern äußerlich überstrenge ernstlich und unerbittlich, aber innerlich desto voller von der wahren Nächsten- und Bruderliebe!
   22] Für euch aber sei dort keines Bleibens; sondern so ihr werdet alles geordnet haben, dann kehret wieder zurück in eure Heimat, und kehret ohne wichtige Ursachen nicht mehr zu leicht wieder zurück in die Tiefe!
   23] So ihr aber von der Tiefe heimziehen werdet, da waschet euch zuvor am ganzen Leibe, damit ihr nicht den Tod auch hierher verschleppet; denn die Tiefe ist nun voll Pestilenz und voll Todes geworden.
   24] Und nun empfangt Meinen Segen, und seid standhaft, stark, mächtig und gewaltig in allen Dingen, solange ihr nach Meinen Worten handeln werdet!
   25] Die ganze Natur gehorche eurem Winke, und die Vögel der Luft sollen untertan sein eurem Worte; so das Feuer, so die Luft, so das Wasser, also auch alles Getier, und alle bösen und finsteren Mächte.
   26] Aber hütet euch ja, jemandem etwas zuleide zu tun, - sondern trachtet nur, jedermann zu helfen!
   27] Den Hartnäckigen könnet ihr strafen, - aber nicht, daß er nur leide, sondern, daß er besser werde!
   28] Solches alles beachtet wohl in Meinem Namen! Amen.«
   29] Mein Segen mit und in euch. Amen, Amen, Amen.


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