Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes' (Band 1)

Kapitelinhalt 186. Kapitel: Unschuld und Scham. Rückkehr und Empfang der Boten.

   01] Und als die Ghemela solche herrlichen Tröstungen vom Abedam vernommen hatte, wurde sie also über die Maßen fröhlich, daß sie noch auf der Hand des Abedam förmlich zu hüpfen und zu springen anfing, und zwar so, daß sie in diesem Freudentaumel sogar ihrer Scham vergaß, und daß darum ihr Vater Zuriel ihr zurief, sich nicht so sehr zu entblößen und doch zu bedenken, wer Der sei, der sie trage.
   02] Der Abedam aber verwies dem Zuriel solche unzeitige Zurechtweisung und sagte zu ihm:
   03] »So du Mich kennst, wozu ist deine Sorge? Und solltest du Mich noch nicht erkannt haben, dann laß du dich lieber von deinen Töchtern zurechtweisen, damit auch du Mich erkennst, wie sie Mich erkannt haben!
   04] Möchtest du nicht etwa deinen unschuldvollsten Kindern die Schlange der Unzucht zeigen und für ihre gänzliche Unschuld ihnen ein kümmerndes Gewissen der Welt geben?!
   05] O siehe, ein wie großer Tor du bist! Wer kann sich wohl in Meinen Händen Mir mißfällig ungebührlich betragen?!
   06] Sei daher für die Zukunft klüger! - Und du, Ghemela, aber laß dich ja nicht stören in deiner Fröhlichkeit; denn solches ist die Fülle des ewigen Lebens aus Mir in dir, und es hat solches auch noch nie ein allerreinster Engel empfunden wie du jetzt. Daher hüpfe und springe du nur zu; denn auf meinen Händen ist gut hüpfen und springen!«
(07.01.1842)
   07] Und der Abedam herzte und koste die Ghemela noch ein kurz Weilchen und sagte dann zu ihr: »Siehe, Meine ganz reine Geliebte, damit wir nicht etwa den eifersüchtigen Neid derjenigen, die sich uns soeben von allen Seiten zu nahen anfangen, weil Ich heute am Morgen zu ihnen erleuchtete Boten ausgesandt habe, erwecken und ihnen keinen Anlaß geben zum geheimen Ärger, weil sie Mich noch nicht kennen, wie du und alle hier Anwesenden Mich kennen, so setze Ich dich zwar sichtbar wieder auf die Erde, aber unsichtbar für fleischliche Augen, also im Geiste und in aller Wahrheit, bleibst du auf Meiner ewigen Liebe Händen! Amen.
   08] Bei diesen Worten drückte sie der Abedam noch einmal ans Herz und setzte sie dann ganz sanft zur Erde nieder, und zwar neben Seinen Füßen. Und kurz darauf kamen schon die ausgesandten Opferverkünder und Erleuchter nach dem Worte Abedams herbei und fielen vor dem Abedam auf ihre Angesichter nieder und beteten Ihn an in der Tiefe ihrer Herzen; und hinter ihnen folgten unabsehbare Scharen ihrem guten Beispiele.
   09] Nach einer kurzen Weile aber hieß sie der Abedam aufstehen und sprach zu ihnen: »Ihr habt redlich und treu gearbeitet; denn die Früchte eurer Taten folgen euch nach, darum Ich auch eine große Freude an euch habe und es euch dafür nun ganz freilasse, euch von Mir einen Lohn zu erbitten. Und wie geartet euer Wunsch nur immer ausfallen möchte, so soll er alsbald in Erfüllung gehen; und sonach laßt laut werden eure Herzen!«
   10] Es fingen aber alle zu schreien an: »Herr, Du heiliger Gott, Du unser aller liebevollster Vater, unser Emanuel Abedam! Was sollen wir von Dir uns noch erbitten, da wir Dich haben, Dich, Du ewige Liebe, Dich, unsern heiligen Schöpfer und Vater?!
   11] Was könnte die heißeste Eigenliebe sogar noch erdenken, das da mehr wäre denn Du?!
   12] Siehe, wir haben an Dir ja schon den allerhöchsten Lohn für unsere Dich allein über alles liebenden Herzen in solcher unermeßlichen Fülle empfangen, daß wir diesen überheiligen Lohn, so wir Ewigkeiten hintereinander Dir täglich noch unaussprechlich mehr dienen könnten denn diesen Morgen, doch nicht im allergeringsten verdienten! Ja, es wäre selbst aller unser ewigkeitenlanger, allereifrigster Dienst doch nur als ein pures eitles Nichts anzusehen gegen die unendliche Größe dieses unaussprechlichen, allerheiligsten Vorlohnes, daß Du, Du liebevollster, heiligster Vater Selbst, Dich zu uns Würmern des Erdenstaubes herabzukommen entschlossen hast und uns alle erfüllt hast mit Deiner Liebe und Deinem allerheiligsten Gnadenlichte, dessen alles wir alle völlig unwürdig waren und noch sind!
   13] Oh, die Erde solle uns alle in weite und tiefe flammende Klüfte verschlingen, so uns neben Dir auch nur ein allerleisester Wunsch übrigbliebe, obschon wir Dir, o Emanuel, auch für diese Bitterlaubnis ewig nie genug werden danken können!
   14] Um was auch könnten wir Dich bitten?! Wissen wir denn, was uns gut wäre und nützlich?!
   15] Solches wissen wir aber alle durch Deine Gnade, daß Du allein nur uns allen notwendig bist. Dich aber haben wir ja alle!
   16] Um was könnten wir da noch bitten?! Ja, darum können wir Dich bitten, daß Du uns ja nie verlassen möchtest! Ist uns diese Bitte gewährt, dann haben wir unendlichmal mehr als alles, was in alle Ewigkeiten der Ewigkeiten unsere glühendst wünschenden Herzen erfinden möchten und könnten Darum allein also bitten wir Dich, - aber ja nicht etwa als Lohn unseres nichtigsten Verdienstes wegen, sondern allein Deiner Erbarmung und Deiner Vaterliebe wegen!
   17] O Emanuel! Vergib uns aber auch selbst diese Bitte, da wir vor Dir alle blind sind und nicht wissen, was wir tun! Was allein nur Dir wohlgefällig sein kann, das ist Dein heiliger Wile; und so geschehe jetzt, wie allzeit und ewig, Dein heiliger Wille! Amen.«

Nachtrag

Siehe, Ich will sie dir alle beim Namen: H(1), L, V(1), T, S, S, A, A, S, S nennen (Kap.03,12) (27.01.1847)

Was diese vom Anfange an bis hierher noch nicht verstandenen zehn Buchstaben betrifft, so liegt fürs erste das Heil der Sonne und des Mondes nicht daran, und die Sterne gehen auch ihren Weg fort, ohne sich durch das Unverständnis dieser zehn Buchstaben beirren zu lassen.
Jeder von euch aber weiß, daß fürs ewige Leben nur eines not tut; wer auf das sieht und danach trachtet, hat für seinen Geist den besten Teil erwählt, - alles andere kommt zur rechten Zeit als eine freie Zugabe hinzu.
Und so hätte auch ein jeder von euch dies kleine Geheimnis schon lange enthüllt haben können, so er sich darum ernstlich und volltraulich in seinem Herzen an Mich gewandt hätte. Statt dessen aber habt ihr wohl öfter schon nachgegrübelt, mit eurem Verstande bei weitem mehr als mit dem Herzen, und daher rührt es dann aber auch, daß ihr dies leichte Geheimnis noch nicht verstehet, - und das darum, weil dergleichen Dinge für den Verstand nicht gegeben sind, sondern lediglich nur für das Herz und für den Geist!
Auf daß aber euer noch stark unverständiges Herz in rein geistigen Dingen nicht noch länger den leidigen Verstand als Auskundschafter in das geistige Geheimnisrevier aussenden soll wie einen blinden Jäger, der ihm noch nie irgendein fettes Wild heimgebracht hat, sondern allezeit nur ein halbvermodertes Aas, so will Ich euch gleichwohl die unter diesen zehn Buchstaben bezeichneten symbolischen Freunde näher bekanntgeben; und so höret es, und fasset es wohl! H bezeichnet die Hölle als fleischliches Angehör der Seele;
die Zahl 1 bedeutet die Hoffart, Herrschsucht und den Hochmut eben der Hölle in jedem Menschen und somit auch in euch. Die Hölle ist aber jedes irdischen Menschen innigster Freund, indem sie ihm alles verschafft, was seiner Natur schmeichelt und dieselbe mit allerlei fleischlich behaglichen Reizen erfüllt.
Will Ich nun einen Menschen in Mein Reich aufnehmen und ihn erziehen zum ewigen Leben, so muß Ich auch seine Freundschaft aufnehmen, von der sich der Mensch, solange er auf der Erde lebt, nie völlig zu trennen imstande ist; darum muß auch die Sünde, als Angehör dieses Freundes, vor Meinen Augen als völlig getilgt erscheinen, ohne welche Erscheinlichkeit eine weitere Erziehung eures Geistes nicht denkbar ist und sein kann.
Mit anderen Worten gesagt: So Ich euch erhalten will, muß Ich auch um eure Haushölle Meine heiligen Vaterhände schlingen und so euch samt eurer noch bis jetzt sehr intimen Freundin in Meinen Schoß erheben! -
Da habt ihr nun den ersten Buchstaben, dessen Enthüllung Ich euch bisher verschwiegen habe, und das aus wohlweisen Gründen.

Das darauf folgende L bezeichnet alle möglichen Leidenschaften, die eben aus H hervorgehen. Daß die Leidenschaften auch Freunde des Menschen sind seiner fleischlichen Natur nach und alle von Mir ergriffen, erhoben und in Edles verkehrt werden müssen, wenn des Menschen Geist genesen soll zum ewigen Leben, das wird sich etwa doch wohl allerklarst von selbst verstehen?!

V bedeutet die Vernunft, gepaart mit dem Verstande, wie ihn die Welt oder die Hölle dem äußeren Naturmenschen gibt. Daß dieses weltbeherrschende Ehepaar nebst der Hölle in jegliches Menschen größter Gunst steht, braucht kaum näher erwähnt zu werden; denn alles läßt ein Mensch eher fahren als diese seine besten und intimsten Hausfreunde. Ist ein Mensch manchmal auch mit seiner anderen inneren Weltfreundschaft eben nicht am zufriedensten, so hat er aber doch gegen diese zwei fast nie oder nur höchst selten etwas Kleinlichstes einzuwenden. Will Ich aber den Menschen zu Mir erheben, so bleibt nichts anderes übrig, als auch diesen seinen intimsten Hausfreunden vollste Amnestie zu geben. Ich meine, das dürfte euch wohl sehr einleuchtend sein, indem auch ihr noch sehr große Stücke auf diese eure alten Hausfreunde haltet, obschon ihr nebstbei wohl einseht, wie weit man mit ihnen im Lande des Geistes zu kommen imstande ist!

Das T bezeichnet das mit dem Verstande gleich emporkeimende Talent, durch welches der Mensch zu allerlei Glanzstufen gelangen kann, auf denen das S (Selbstsucht) vorzugsweise zu Hause ist, und mit diesem das zweite S als Schadenfreude, - lauter Hausfreunde des Menschen von der Welt, die Ich auch mit aufnehmen muß, wenn Ich seinen Geist retten will!

Aus diesen geht heraus die treue Anhänglichkeit an allen Weltglanz und der Antrieb, stets höher in der Weltgunst und in ihrem Vorteile zu steigen und sich, herrschend soviel als möglich, über alles in seiner Art zu erheben, wozu ihm sein Freund T (Talent) den Weg gebahnt hat.

Es versteht sich schon wieder von selbst, daß bei der Aufnahme des Menschen seinem Geiste nach die beiden Freunde A, A nicht zurückbleiben können und zur Umkehr und wahren geistigen Veredlung mit aufgenommen werden müssen;
und so schon alles aufgenommen ist, da können auch die beiden letzten S, S, als allerlei fleischliche Sinnlichkeit, die bei jedem Menschen legionenfach ist, und endlich die jedermann wohlbekannte weltliche, überdumme Sittlichkeit, als Mode, Komplimente usw., nicht zurückbleiben.

Sehet, das sind die im Hauptwerke angeführten Freunde und Brüder in euch sowie in Meinem Knechte, unter dem aber jedermann verstanden wird. Diesen sollt ihr in euch laut verkünden, daß Ich nach ihnen Meine Hände ausgestreckt habe und ihr Böses gewaschen, die Sünde hinweggetan und sie mit den wahren Interessen eures Geistes in Einklang gebracht habe, auf daß ihr nun, so ihr wollt, ganz ungehindert den treu gezeigten Weg des Lichtes und des Lebens fortwandeln könnt. Wollet ihr aber alles dessen ungeachtet diesen euren alten Freunden treuer verbleiben denn Mir, der Ich euch ohne euer Zutun diese große Gnade und heiligste Vaterhuld erwies, so steht es euch auch frei. Auch davon wird das Heil der Sonne und des Mondes nicht abhängen, und die Sterne werden ihren Weg nicht verfehlen! Denn das wißt ihr ja, daß von Mir aus für den Geist kein Muß besteht! Ich meine aber, da Ich für euch schon so viel getan habe, so werdet ihr auch das Wenige tun, nämlich fortan stärker und stärker mit eurer Liebe Mir anhangen und eure Brüder nicht im Stiche lassen! Ich hätte euch aber die zehn Freunde eures irdischen Lebens im Fleische wohl schon lange erklären können, wenn das für euch heilsam gewesen wäre; aber da Ich wohl sah, daß diese eure alten Freunde in euch einen starken Lärm geschlagen hätten, so Ich sie euch vor der Zeit mehr als bloß nur dem Anfangsbuchstaben nach bekanntgegeben hätte, und da nur in der Person des Knechtes, so habe Ich solche nähere Bestimmung bisher verzögert. Da ihr sie aber nun habt, so ist es nun an euch, sehr ernstlich darüber nachzudenken und den im Hauptwerke verlangten Auftrag, soviel es nur immer eure Kräfte vermögen, an eben diese zehn Buchstaben auszurichten; denn solange ihr die nähere Bedeutung dieser Buchstaben nicht kanntet, da tat Ich für euch, was Ich in der Person des Knechtes vom Knechte selbst und von jedem aus euch verlangte und noch verlange. Da aber nun euch dieses Geheimnis enthüllt ist, so seid ihr selbst verpflichtet, diesen Auftrag an euch zu erfüllen, ansonst ihr nicht völlig geschickt zu Meinem Reiche sein könntet; denn hier heißt es Hand an den Pflug legen und sich dabei nicht nach rückwärts kehren. Ich habe euch aber auf anderen Wegen stets gezeigt, was im Naturmenschen ist, und was er zu tun hat, den Naturmenschen nach und nach in den geistigen zu verkehren; und so konntet ihr diese gegenwärtige Enthüllung bisher schon entbehren, und ihr seid darum um nichts verkürzt worden und habt den rechten Weg ohne Anstand fortwandeln können, was auch fürder der Fall sein wird, so ihr das treu beachtet, was zu beachten Ich euch treulichst zeige. Vor allem aber haltet euch an die Liebe; die wird euch nicht verlassen! Alles kann vergehen, nur die Liebe bleibt ewig! Wo aber diese ist, da ist alles; denn die Liebe erhält alles und ist überall der Grundstein alles Seins. Seid daher nicht kleinmütig, nicht traurig, nicht mürrisch, sondern in allem beherzt, heiter, fröhlichen Mutes und gefälligen Sinnes, Herzens und Geistes, so werdet ihr leichten Weges wandeln und die Pforten des Himmelreiches stets weit geöffnet vor euch haben, wodurch ihr dann ein leichtes Spiel haben werdet, eure vorenthüllten Weltfreunde veredelt in Mein Reich einzuführen, was der heißeste Liebeswille Dessen ist, der euch hier durch den Knecht diese große Gnade erweist. Amen.


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