Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes' (Band 1)

Kapitelinhalt 180. Kapitel: Die fünf Töchter des Zuriel.

   01] Und alsbald begaben sie sich zu den Kindern des Kisehel, welche ebenfalls noch auf der Erde, von übergroßer Ehrfurcht ergriffen, lagen und im Herzen wahrhaft beteten und Mich lobten über und über.
   02] Als sie ebenfalls gar bald dort ankamen, da ging der hohe Abedam vollends zu ihnen hin und sprach über sie:
   03] »Erhebet euch alle ihr Kisehels Kinder und seiner Brüder Kinder samt den Müttern! Denn Ich, vor dem ihr auf euren Angesichtern lieget, bin Selbst zu euch gekommen, verhüllt in euresgleichen, und will nun, daß ihr erstehen sollt zum Leben der Liebe aus Mir!
   04] Wahrlich, die da sich erheben, so Ich ihnen zurufe, die werden im Leben erstehen und werden den Tod nimmer, ja ewig nimmer schmecken!
   05] Welche aber nicht folgen werden Meinem Rufe, die werden liegenbleiben fürder und fürder! Darum erhebet euch nun freudig und frei! Amen.«
   06] Und alsbald erhoben sie sich alle und weinten vor übergroßer Freude; denn sie erkannten Den sogleich, der sie erstehen ließ, und lobten und priesen Ihn aus ihren liebevollsten Herzen.
   07] Es waren aber darunter auch fünf Mägde, die da Urenkelinnen waren zum Kisehel. Sie waren von ausnehmender Schönheit, und es hatte in einem Alter von dreißig bis vierzig Jahren noch keine einen Mann, obschon eine große Menge Bewerber. Denn ihr schlichter, frommer Vater lehrte sie Mich suchen und allein Mich lieben. So sie solches täten, sagte er gar oft zu ihnen, so werde Jehova ihnen schon zur rechten Zeit ausgewählte Männer geben, mit welchen sie eine große Freude haben würden, vielleicht gar Söhne vom Hauptstamme Adams.
   08] (Denn das war für die Auswärtigen bei weitem mehr denn jetzt ein kaiserlicher Kronprinz.)
   09] Durch solche gute Lehre geleitet, liebten diese fünf Mägde den Jehova stets mehr und mehr trotz ihrer für die Urzeit noch sehr zarten Jugend.
   10] Ich ließ sie darum von Zeit zu Zeit Meine Liebe recht tief schmecken, und so waren sie auch unsichtbarerweise in Mich, ihren Jehova, ganz förmlich verliebt und mochten nimmerdar ihre Herzen von Mir abwenden, sondern ihre große Sehnsucht nach Mir stieg von Tag zu Tag, ja oft von Stunde zu Stunde.
   11] Sie liebten sich aber auch gegenseitig fast unzertrennbar, und zwar so, daß eine tat, was die übrigen taten, und die übrigen, was die eine tat.
   12] Alles, was sie nur immer ansahen, entzückte sie; denn sie erkannten in allem ein teures Angedenken ihres alleinigen Geliebten.
   13] Besonders aber, so sie irgendein frisches, ungewöhnliches Blümchen fanden, das mußte schon gar gewiß von Mir für sie bestimmt worden sein! Da war's aber dann auch wieder völlig aus mit ihnen; denn alsbald nahmen sie mit großer, liebezitternder Ehrfurcht das Blümchen und eilten damit überfreudig zum Vater und zeigten ihm, was gar so überaus Schönes ihnen ihr heiliger Geliebter schon wieder beschert habe. Darüber freute sich dann auch ihr Vater über die Maßen und dankte Mir auch allzeit tief im Herzen, daß Ich seine lieben Kinder behütet habe vor so manchen unkeuschen Nachstellungen der männlichen Lüsternheit. Und nach vollbrachtem Danke opferte er sie Mir wieder auf und bat Mich inbrünstigst, mit Meiner Liebe noch ferner gnädigst und barmherzigst die Herzen seiner Töchter zu ziehen, welche Bitte Ich bei diesen Umständen sicher nicht unerfüllt habe dahingehen lassen.
   14] Und so wuchsen diese fünf Mägde pur in Meiner Liebe auf und wurden dadurch auch stets schöner und reizender und zarter, geistig und leiblich. Ja, ihre Schönheit war so groß, daß alle gegenwärtigen Erdenschönheiten gegen sie nicht einmal einen kleinen Tautropfen ausmachen möchten, so sie auch in eins vereinigt werden könnten; denn für ihre große Liebe zu Mir ließ Ich sie auch, soviel es leiblich nur immer möglich ist, so recht vollends himmlisch schön werden, darum sie auch von jedermann ,Die schönen Kinder der Liebe' (Allurahelli) benamst wurden.
   15] Nach diesem Vorausgeschickten kann sich ein jeder einen kleinen Begriff machen, wie es diesen fünf Mägden zumute wurde, als sie im Abedam ihren so heißgeliebten Jehova erblickten:
   16] Hätte sie ihr Vater nicht abgehalten, sie wären brennend über Ihn hergefallen.
   17] Da Abedam ihre länger erprobte Liebe sicher klärlichst sah, so sagte Er zum Vater der Mägde:
   18] »Höre, Zuriel, die zu Mir wollen, sollst du nicht aufhalten! Oder bin Ich nicht Der, den du deine Töchter allein lieben lehrtest?! So laß sie zu Mir, und halte sie nicht zurück!«
   19] Und der fromme Zuriel führte alsbald voll der höchsten Ehrfurcht seine Töchter hin zum Abedam, kniete vor Ihm nieder (denn das Knien war seine ehrfurchtsvolle Sitte, so er zu Mir betete) und sagte:
   20] »O Jehova, Du überheiliger Vater aller Menschen und Schöpfer aller Dinge, sieh mich gnädigst an, und vernimm das Stammeln meines Mundes!
   21] Siehe, die ich Dir von der Kindheit an schon stündlich aufgeopfert habe, und deren Herzen ich mit Deiner Gnade zu Dir geleitet habe, diese Deine Geschenke an mich Unwürdigsten bringe ich Dir, o Jehova, nun wieder als ein meines Wissens möglichst reines Opfer zurück mit dem inbrünstigsten Danke meines Herzens, da Du mich Unwürdigsten gewürdigt hast, mir eine so herrliche Gabe anzuvertrauen!
   22] Möchte ich Dir doch ein wohlgefälliges Opfer dargebracht haben!
   23] O Jehova, sei mir armem Sünder vor Dir gnädig und barmherzig! O Jehova, Dein heiliger Wille ewig! Amen.«
   24] Und der hohe Abedam erwiderte dem Zuriel: »Höre, Zuriel, blind und stumm war die Gabe, als sie von Meiner Hand in deines Weibes Schoß gelegt wurde, und unrein und voll Schmutz erblickte sie das Licht der Erde! Du hast sie nach Meinem Willen gereinigt mit allem Fleiße deines Herzens und hast Mir fünf schmucke Bäumchen des Lebens gezogen, die gar bald in Meinem Garten die herrlichsten Früchte tragen werden, - des sei versichert!
   25] Die Jüngste werde Ich segnen für die ganze Erde, und ihre Nachkommen sollen das große Ende aller Dinge schauen. Durch die andern aber soll gesegnet sein des Geistes künstliches Wirken; denn es werden Zeiten kommen, da ihr der Künste bedürfen werdet, und sie werden ein Segen sein denen, die sie weise benutzen werden, aber auch ein Gericht für jene, die sich eigennützig derselben bedienen werden.
   26] Du, Zuriel, aber sollst den Tod ewig nimmer schmecken! Siehe, jetzt habe Ich deinen Geist frei gemacht vom Fleische, damit er ein Herr sei in seinem fleischigen Hause und im selben nach Gefallen aus- und eingehen kann; ganz jedoch sollst du nicht eher dein Haus verlassen, als bis Ich dich werde rufen lassen.
   27] Ich sage es dir: Im Reiche des Liebelichtes sollst du dereinst mit all den Deinen die schönste Wohnung haben, wahrlich, schöner denn alle sichtbaren Himmel und größer denn sie; für jetzt aber bleibe bei Mir mit den Deinen! Amen.«
   28] Und weiter redete der Abedam zu den fünf Liebhaberinnen ein Wort, sie gleichsam fragend: »Allurahelli! Wie gefalle Ich euch? Wie seid ihr denn zufrieden mit Mir? Habt ihr euch Mich wohl also vorgestellt, als ihr in eurer Liebe zu Mir Meine Gedenkzeichen auf den Feldern suchtet?«
   29] Und die fünf, sich kaum zu schauen getrauend, erwiderten mit lieblich zitternder Stimme: »O Du ewig einziger Gegenstand unserer Liebe, Du siehst ja unsere Herzen; solcher Gnade von Dir sind wir ja viel zu unwürdig!
   30] O Jehova, Du allein, Du ganz allein bist ja unsere Hoffnung, Du allein der Geliebte unserer Herzen!
   31] Was haben wir denn verdient darum, daß Du Dich von uns so allergnädigst lieben ließest? Das allein erkennen wir ja schon demütigst für den allerhöchsten Segen!
   32] O Jehova, so wir Dich nur anrühren und wenigstens nur Deine Hand an unser Herz drücken dürften!«
   33] Und der Abedam hieß sie Sich an den Leib kommen und ließ Sich von ihnen ganz ergreifen und sagte zu ihnen:
   34] »Nach der Eva seid ihr die ersten, die Mich anrühren durften! Da ihr Mich aber schon ergriffen, so will auch Ich euch ergreifen mit der Hand, die einst Himmel und Erde bildete, und euch küssen zum ewigen Leben mit dem Munde, der einst, wie jetzt, alle Dinge werden hieß!
   35] Daher bleibet auch ihr bei Mir, und folget Mir nun auf die Morgenhöhe hin zum Adam! Amen.«


Home  |    Inhaltsverzeichnis  |   Werke Lorbers