Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes' (Band 1)

Kapitelinhalt 136. Kapitel: Adams Zurechtweisung durch Asmahael.

   01] Nach diesen Worten erregte Sich der Asmahael ein wenig und richtete folgende ernsten und doch auch über alles liebevollen Worte an den Adam, wie auch zugleich an alle, sagend nämlich:
   02] »O Adam! Adam! Deine Torheit ist groß und mächtig geworden! -Vor allem frage Ich dein Herz, da du Vater bist aller dieser Kinder und vieler anderer, die diese Erde bewohnen, - sage es Mir in deinem Herzen: was würdest denn du mit einem deiner Kinder tun, das dir bei einer großen und allerwichtigsten Belehrung über begangene gewaltige, freiwillige Fehltritte gegen deine weisen Anordnungen entgegnen möchte - wenn auch in einer an Wahrscheinlichkeit grenzenden, kühn gebauten Rede -:
   03] ,Was forderst du von mir, was ich nicht tun kann! Ist es unrecht, was ich tue? Was kann ich dafür?! Bin ich nicht aus dir, und hast nicht du mir ein so elendes, fehlervolles Leben gegeben?!
   04] Wenn ich nun fehle, so ist das ja nur dein Fehler, weil ich so und nicht anders und vollkommener aus dir hervorgegangen bin! Daher stelle dich zufrieden mit mir also, wie ich bin, und fordere nicht von mir, was nicht sein kann! Willst du mich aber durchaus anders, als ich bin, so kannst du mich ja vernichten und dann anders und besser zeugen - oder aber eine zweite Zeugung, wenn eine solche dir etwa unmöglich sein sollte, auch ganz stehen lassen; denn ich werde dir für ein so elendes gegebenes Dasein ewig nie danken!
   05] Lasse das, was nichts war, ewig nichts sein; denn es ist besser, ewig nie zu sein, als neben dir ein elendes, beschränktes Dasein zu fristen! Was willst du mich nun bessern, da ich schon einmal bin, wie ich bin?! Hättest du mich besser gezeugt, so wäre ich auch besser! Da ich aber nun einmal also bin, - ist es nicht deine Schuld, daß ich also bin?! Darum bessere dich zuvor und dann siehe zu, wie du mit meiner Besserung zurechtkommen magst und kannst!'
   06] Adam, sage Mir nun, wie es dir ums liebende Vaterherz sein möchte bei einer solchen Einrede eines deiner Kinder, und das dazu noch eines deiner allerersten Hauptkinder!
   07] Du hast verflucht den reumütigen Cahin. Sage, was würdest denn du mit einem solchen Kinde tun, das nicht nur eines Bruders Fleisch tötet, sondern dir selbst flucht und dir ertöten will deinen Geist?! Sage, sage Adam, was du tun möchtest mit einem solchen unverbesserlichen Kinde!
   08] Siehe, nun bist du still wie eine Maus, wenn sie eine Katze wittert, und mochtest Mir vorher als erstes Hauptstammkind doch auf ein Haar dieselbe Einrede tun!
   09] Gleich ist dir Gott und Mensch! Was soll dich auch das kümmern, wer nun mit dir spricht, ob ein Gott, dein Vater, oder ob ein Mensch deinesgleichen; denn du hast dich ja nicht selbst erschaffen, sondern ein dir unsichtbarer, völlig unbekannter Gott! Hat Er dich so elend und sündefähig zuwege gebracht, so soll Er Sich mit dir nun auch begnügen, wie du bist, weil Er dich nicht vollkommener gemacht hat, und soll von dem verpfuschten Werke nicht verlangen, vollkommener zu sein, als es sündhaft genug aus der Hand des übelgelaunten Schöpfers hervorgegangen ist!
   10] Siehe und gib acht auf dein Herz, ob es nicht also hadert!
   11] Du rücktest Mir die schwer zu wandelnde Bahn des göttlichen Willens auf uneben gemachter Erde vor und stelltest deinen guten Willen auf, treu zu wandeln, so es nur möglich wäre. Alle Schuld daran, daß du fielst, hast du auf Meine Schulter geladen, und Ich muß gefehlt haben, und gewisserart nicht im geringsten auch du, da Ich dich also und nicht anders geschaffen habe. Solltest du nun anders werden, so sollte es ein Mittel geben, durch welches es dir möglich würde, dem göttlichen Willen gemäß zu handeln!
   12] Siehe, wieder eine Äußerung, über die der überaus liebbesorgte, heilige Vater sicher keine Freude haben kann!
   13] Um Erbarmung rufst du. Was könnte Ich denn noch tun, als daß Ich als Mensch und Vater zu euch komme und euch mit eigenem Munde lehre die wahre Liebe und die wahre Weisheit und euch führe mit eigener Hand über die euch zur und für die einstige höchste Vollendung unterlegte prüfende Erde?! Bin denn nicht Ich Selbst die größte Erbarmung, die größte Liebe und das alleruntrüglichste Mittel?!
   14] Oder sollte Ich deinem Verlangen nach aus euch etwa belebte, das heißt bewegliche Maschinen machen?!
   15] O du blinder Tor! So du nur einigermaßen sehen wolltest, so müßte dir Ja schon auffallen die große Vollkommenheit an dir, durch welche du so hoch über allen anderen Wesen stehst, daß du freiwillig fehlen, aber auch freiwillig fehllos wandeln und handeln kannst gleich dem Henoch! Und du wirfst Mir vor, als Pfuschwerk aus Mir hervorgegangen zu sein?!
   16] Siehe, siehe, Adam, wie weit du dich wieder verstiegen hast!
   17] Unmögliches, sagst du, fordere Ich von euch. Siehe hierher denn, siehe den Henoch, siehe die sechs an Meiner Seite, ja siehe diese ganze große Volksmasse, und frage sie alle, ob es sich so verhalte!
   18] Ich sage dir aber: Du selbst bist es, der nach eigenem Sinne irgendeinen unendlichen Gott sucht, ehrt und erfassen will, und der das gänzlich Unmögliche bei sich möglich machen, die ganze Ewigkeit auf den eigenen Nacken bürden, einen Gott suchen will, der für dich so gut wie nirgends ist; den Vater aber, der nun voll der allerhöchsten Liebe mit dir redet, willst du verkennen, verachten und fliehen!
   19] Wahrlich, neben einem Gott, wie du dir Ihn vorstellst und sabbatlich anbetend verehrst, wäre allerdings ein geschöpfliches Bestehen nicht nur das elendeste Sein, unendlich elender als das eines zertretenen Wurmes im Glühsande, - sondern, Ich sage dir, es wäre auch von deinem geträumten Gotte aus rein unmöglich; denn ein so unvollkommener Gott wäre nicht nur nicht imstande, ein Pfuschwerk hervorzubringen, sondern es ginge ihm wahrlich noch schlechter denn dir, der du aus dir auch nicht einmal ein Atom zu erschaffen imstande bist!
   20] Wenn Ich in euch rügte euer törichtes Forschen und unsinniges Streben nach einem Gott, der nirgends ist, und auf die alleinige Liebe des Vaters, der Ich Selbst von Ewigkeit zu Ewigkeit es war, bin und ewig sein werde, euch hinwies, sage, habe Ich als Vater da eine unbillige und unmögliche Forderung an euch Kinder gestellt?!
   21] Siehe, die kleinsten Kinder schon erfüllen auf das genaueste diese unaussprechlich leichte Forderung, da sie ihren Vater über alles lieben, ohne eine Rechnung von des Vaters Herzen scharfsinnig zu verlangen, warum sie ihn lieben, sondern sie lieben ihn, weil er ihr Vater ist! Sage Mir, Adam, Mein Sohn, hast du je mehr für dich von deinen Kindern verlangt?!
   22] Wenn Ich nun nichts mehr von dir und von euch allen als einzig wahrer, liebevollster Vater verlange und euch abhalte von allem, was euch nur im geringsten das Leben erschwert und nach und nach den unvermeidliche Tod - der da ist eine stets auf eigenem: Willen beruhende zunehmende Blindheit, die, weil sie unmöglich bei allen unendlichen Ideen je zu einem Ziele gelangen kann, sich endlich zornmütig entzündet und den Schöpfer einen gemeinen, launischen Pfuscher schilt und so sich noch stets mehr verfinstert und ertötet - nach sich zieht, bin Ich dann wohl also, wie du Mich in dir gefunden hast?!
   23] Daher lerne den Vater besser kennen und erkenne, wie Weniges und Überleichtes Er von dir verlangt; alsdann stehe auf und komme zu Mir und sage Mir, ob Ich ein unbilliger Gott und Vater bin! Für jetzt aber ordne dein Herz, und besinne dich eines Besseren; denn Ich bin kein Vater, der da dem Cahin (Kain) flucht! Verstehe es wohl! Amen.«


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