Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes' (Band 1)

Kapitelinhalt 122. Kapitel: Asmahael erzählt ein Gleichnis.

   01] Nach solcher Rede Mathusalahs an seinen Sohn Lamech aber befand sich alsbald Asmahael in ihrer Mitte und begann folgende Worte an sie zu richten, sagend nämlich:
   02] »Liebe Freunde, höret und verstehet es wohl, was Ich euch nun mitteilen werde über eure Tauschreden: Sehet und nehmet an, es wäre irgendein Mensch, der sich da wohl verstünde in mancherlei Weisheit und vielfacher Wirkung daraus. In seiner Umgebung aber wären Menschen, die zwar alle beständig nach der Weisheit trachteten und dadurch nach all den Wirkungen aus derselben, könnten aber oder vermöchten zu nichts Tüchtigem zu gelangen, dieweil ihnen noch ganz fremd ist die Wurzel aller Weisheit darum, daß sie sich verhängen lassen mit allerlei Weltbäumeästen die Augen und verstopfen ihre Ohren mit glatten Steinen, auf daß sie dann weder zu sehen noch zu hören vermöchten.
   03] Wenn denn nun dieser Mensch unter ihnen wirkete wunderliche Dinge aus seiner wahren Weisheit heraus, werden da die, die den Weisen umgeben, sich nicht alsbald untereinander zu fragen anfangen: ,Aber wie vermag er solches zu leisten, was uns Menschen rein unmöglich ist auch nur im geringsten zu begreifen - von etwas Gleichem tun kann ohnehin nie eine Rede sein! -? Wer ist dieser Mensch? Ist er von unten oder von oben? Woher hat er solche Macht? Kein Wort ist leer, sondern jedes eine vollbrachte Tat. Er redet wie aus eigener Macht und scheint bei alledem große Stücke auf sich zu halten. Was ist also an dem Menschen, da er zwar nur ist wie ein jeder von uns, aber so er handelt, da handelt er ja rein, als wäre ihm vollkommen untertan alle Kraft und Macht Gottes?'
   04] Und nach solchen Fragen weiß dann keiner, was er aus sich und was er aus dem Weisen machen soll; soll er ihn fürchten oder lieben, soll er ihn fliehen oder ihm nachfolgen?
   05] Darunter sind dann einige voll Furcht, andere voll Liebe, andere wieder voll Neugierde und noch andere bei sich voll Zweifel und wieder andere voll Wunsch und Begierde, ähnliches zu tun, - aber ja nicht, ihm ähnlich zu werden in der Liebe und wahren Demut, was allein die wahre Wurzel aller Weisheit ist.
   06] Was meint ihr denn aber wohl? So dieser Weise sich dann aus seiner unweisen Umgebung etwelche auserwählen möchte, - welche werden es wohl sein, die da sein mächtig Wahlwort für seine Schule begehren möchte?
   07] Ich sage es euch: die sicher nicht,; denen es an Mut gebricht; die Spektakelfreunde auch nicht; und auch nicht, die da fragen: ,Was, wer und woher ist der, dem solche Dinge aufs Wort gelingen?'; und auch nicht, die da sind voll Zweifel und haben nirgends eine Festigkeit, weder in den Füßen, noch in den Händen, noch im Kopfe, noch im Herzen und in all den Eingeweiden und Gelenken; und wieder nicht die Blinden und Tauben im Geiste: sondern lediglich jene nur, die da sind voll Liebe und Demut gegen Gott und sogar gegen ihre Brüder!
   08] Sehet, das alles ist vor euren Augen, und ihr erkennt es nicht!
   09] Ich aber sage euch, der Ich bin, der vor euch steht: Glücklich seid ihr, da Ich unter euch wandle als Alleinweiser vor aller Welt!
   10] Du, Mathusalah, ziehe an die Liebe deines Sohnes, und du, Lamech ziehe an die Geduld deines Vaters, so werdet ihr den Fremdling bald mit ganz anderen Augen erschauen! Amen. Versteht es wohl, amen.«


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