Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes' (Band 1)

Kapitelinhalt 65. Kapitel: Adams Rückblick auf sein Leben.

   01] Nach dieser großen Lichtspende Henochs aber erhoben sich alle und dankten stille im Herzen Mir für diese Gabe durch Henoch. Und Adam verlangte nach einer kleinen Leibesstärkung, welche ihm auch alsbald gereicht wurde; und da er sich gestärkt hatte mit etwas Honig, Milch und Brot, so dankte er für diese Gabe Mir und sprach dann zu seinen Kindern:
   02] »Kinder! Dahier verlor ich einst alles durch mich selbst, - und wahrlich, tausendmal mehr, als ich damals verlor, hat mich der Herr, unser liebevollster, gnadenreichster, heiligster Vater, wieder nun dahier finden lassen
   03] O Paradies, du schöner Garten, du lichter Ort, da ich noch in der Hand Gottes prangte gleich einer aufgehenden Sonne und in aller Fülle des Lebens mächtiger war denn der Zug aller Welten, da ich war dein übermütiger Einwohner und du mein schwacher Träger!
   04] Ich fiel einst, und du, schönes Augenblendwerk, vermochtest mir nicht aufzuhelfen! Des Mächtigen Fall hat dich gedrückt, und dein Flaumenboden wurde zusammengepreßt gleich einer frischen Wolle, die ein Wind dem Baume entreißt und dann fallen läßt zur Erde, auf daß sie zertreten werde von unseren Füßen.
   05] Durch meine genötigte Flucht bist ohne Last du zwar aufgeschossen zur eitlen Höhe deiner Schwachheit, es drückt dich zwar keines Mächtigen Fuß mehr; aber es ist auch nicht viel zu Rühmendes an dir außer der eitlen Erinnerung, daß du einst mein schwacher Träger warst.
   06] Allein der Herr sah in Seiner Erbarmung, daß für den fallsüchtigen Schweren dein Grund zu locker war; daher setzte Er Steine unter meine Füße, daß ihre Festigkeit mich bewahren sollte vor einem künftigen Falle.
   07] O des guten Bodens, auf dem jetzt meine Füße ruhen, der mich nun schon nahezu neunhundert Jahre vor einem neuen Falle gesichert hat, was zu tun du nicht einmal dreißig Jahre vermochtest! Dieser gute Boden machte nun auch oder war die demütigende Ursache, daß ich nun dein festerer Träger geworden bin, denn du einst als der meinige warst. Denn nun habe ich dich unendlichmal herrlicher in mir selbst aufgerichtet durch die große Gnade von oben und bin versichert, daß du in mir ewig zu keinem Falle gelangen wirst; und sollte es auch möglich sein, daß du fielest in mir, so wirst du mich nicht beugen und niederdrücken, sondern ich werde dich mit der Gnade von oben wohl aufzurichten vermögen, auf daß du ein beständiger Einwohner bleiben mögest dessen, an dessen Haare dem Herrn mehr gelegen ist als an der ganzen Erde, die ehedem deine wankende Trägerin war.
   08] O Kinder, traurig kam ich hier an, denn ich mußte meinen Verlust beweinen, wie ich ihn schon früher tausendmal beweint habe; aber es war diesmal der letzte Seufzer und die letzte Träne, die da deine kahle Wand befeuchtet hat. Von nun an werde ich dich nimmer betreten, du alte, hohle Nußschale eines ausgebrannten Lebens, sondern mein Fuß wird nun frohlockend wandeln auf eigenem Grunde, da die Frucht des ewigen Lebens auf selbem zur Reife gediehen ist!
   09] O Kinder, mir ist überaus wohl zumute, und dir, mein Henoch, sei mein ewiger Segen dafür!
   10] Kinder, hat jemand noch einen Zweifel, so behalte er ihn für meine Hütte auf den Nachmittag; und so lasset nun die Kinder zusammentreten, auf daß ich sie segne und ihnen sage, daß sie sich morgen wie allzeit vor dem Aufgange einfinden möchten am geheiligten Orte des Opferbrandes! Amen.«
   11] Und siehe, als nun der Adam diese seine Lob-, Schmäh-, Dank-, Preis-, Abschieds- und Anordnungsrede vollendet hatte, da vollzogen seine Kinder alsobald seinen Willen. Da eilten alle Kinder jubelnd herbei, wurden dann gesegnet von Adam und sonach feierlichst geladen, zu kommen am Sabbat zur rechten Zeit. Nach dem wurden die Kinder im Frieden und unter Meinem Lobe wieder entlassen.
   12] Danach aber sagte Adam: »Nun denn, meine Kinder, lasset uns gen Mittag ziehen und tun alldort dasselbe, was wir hier taten!
   13] Der Herr sei mit dir, Henoch, und mit uns allen und Asmahael und mit allen unsern hier und überall wohnenden Kindern
   14] Der Herr führe uns und bereite aller Kinder Herzen auf unsere segnende Ankunft und Seine große Erbarmung und Gnade, daß sie morgen mit wohlbereitetem und verständigem Herzen erscheinen mögen zur Verherrlichung Seines Namens und zur Belebung ihrer Seele und Erweckung ihres noch schlafenden Geistes
   15] Und nun lasset uns wandeln frohen Mutes gen Mittag! Henoch und Asmahael seien meine Führer, und die übrigen folgen mir nach der vorigen Ordnung. Doch, da die Sonne ihre Strahlen schon stark angespannt hat, so lasset uns einen schattigen Waldweg ziehen, auf daß unsere Glieder nicht ermatten vor der Zeit der bestimmten Ruhe nach der treu getanen Pflicht; auf dem Wege aber soll jeder schweigsam wandeln und wohl achten, wohin er seine Füße setzt, auf daß er nicht Schaden leiden möchte in seiner Geradheit.
   16] O Herr, Du bester, heiligster Vater, ziehe Dein mildes Auge nicht weg von uns allen! Amen.«


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