Jakob Lorber: 'Die geistige Sonne' (Band 1)

Kapitelinhalt 22. Kapitel: Vorgrenze des Kinderreiches

(Am 19. December 1842 von 4 1/4 bis 5 3/4 Uhr Abends.)

Originaltext 1. Auflage 1870 durch Project True-blue Jakob Lorber

Text nach 6. Auflage 1975 Lorber-Verlag

01] Ihr fraget: Lieber Freund und Bruder! wie werden wir denn über diese ungeheure Meeresfläche kommen, indem da nirgends ein Boot oder ein Schiff zu entdecken ist, dessen wir uns bedienen könnten, oder das uns aufnähme? - Ich aber sage euch: Dessen werden wir auch nicht vonnöthen haben; es kommt nun auf euch an, ob ihr über dieses Gewässer also wandeln wollet, wie dereinst das israelitische Volk über das rothe Meer, oder also wie dereinst Petrus gewandelt ist mit dem Herrn auf der Oberfläche des Wassers? - Beides kann statt finden, und es wird geschehen, wie ihr wollet. - Ihr saget, daß ich Solches bestimmen möchte, und anzeigen, welches wohl das Beste ist?

02] Wenn es auf mich ankommt, so will ich lieber Hern Herrn als dem Moses folgen; und also versuchet mit Mir die Oberfläche des Wassers zu betreten, und habet nicht die geringste Angst, denn wir werden über desselben Oberfläche leicht wandeln, wie auf dem Lande. - Nun sehet, wir stehen ja schon auf dem Wasser; wie kommt euch dieser Boden vor? - Ihr saget: es ist überaus gut gehen darauf; der Boden ist allenthalben, da wir hintreten, zwar sehr subtil, aber dabei dennoch wie federhart, und läßt sich nicht eindrücken. Das Wasser ist sehr klar, und scheint auch überaus tief zu sein; aber es wandelt uns dennoch keine Furcht an, nachdem wir uns hinreichend überzeugen, daß es, um uns zu tragen, von einer hinreichenden Festigkeit ist.

03] Solches ist richtig, meine lieben Freunde und Brüder, so lang man noch knapp am Ufer steht und noch eine große Menge Gegenstände und festes Land um sich erblickt, und des Wassers Oberfläche ganz spiegelruhig dasteht; aber wenn man so recht in die weite Ferne hinausgekommen ist, und die Oberfläche dieses Gewässers stets wogender wird, da muß man sich wohl ganz zusammen nehmen, um nicht wasserscheu zu werden und dabei das Gleichgewicht zu verlieren. Jedoch so fest als das Wasser hier ist, so fest bleibt es allenthalben; und so denn versuchen wir unsere Reise fortzusetzen. - Haltet euch aber nur so recht fest an mich an, und machet keine furchtsamen, sondern recht feste Tritte; denn mit zarten Tritten würdet ihr da nicht viel ausrichten. - Denn wie ihr sehet, ist die Oberfläche des Wassers überaus glitschglatt; und so man da die Füße nicht fest stellt, kann man leichtlich ausgleiten und fallen, wo es Einem dann auf diesem glatten Boden recht viele Mühe macht, sich wieder empor zu richten. Nun, wir sind fest bei Fuß; und wie ich sehe, so macht ihr recht gute Fortschritte.

04] Also nur gerade vorwärts, bis wir diejenige Stelle erreichen werden, die dort am fernen Horizonte ziemlich stark wogend erscheint. - Und sehet, es geht recht gut vorwärts; hier und da schwankt der Boden wohl zufolge der allgemeinen Bewegung des Meeres, allein wie ihr sehet, so hindert Solches unsere Tritte nicht im Geringsten.

05] Aber was sehet ihr so emsig hinab in's Wasser? - Ist euch vielleicht Etwas hineingefallen und sobald hinabgesunken in die Tiefe? - Ihr saget : Lieber Freund, mit nichten; wir sehen nur hinab, ob sich unter uns im Wasser nirgends Fische oder andere Wasserthiere befinden? - Ich sage euch: Seid dessen unbesorgt, von Ungeheuern des Gewässers ist hier gar keine Rede; aber kleine edle Fischlein giebt es in zahlloser Menge. Ihr möchtet wohl gern einige sehen? - Wenn ihr Solches wollet, da müßt ihr euch ein wenig umkehren, da werdet ihr sie alsogleich erblicken, wie sie vom Morgen her dem Abende zuziehen. - Nun, ihr habt euch umgekehrt; seht, welch' eine ungeheure Menge schön glänzender Fische da aus der morgigen Gegend her dieses ganze ungeheure Gewässer beleben! Haben sie nicht eine Ähnlichkeit mit den Goldfischlein bei euch auf der Erde? - Ihr saget: O ja; nur ist der Glanz beiweitem stärker.

06] Ihr möchtet wohl gern erfahren, was diese Fischlein hier besagen? - Diese Fischlein besagen das ausgehende Leben vom ewigen Morgen, welches dieses Element durch und durch belebet, und sodann hinaus tritt als ein freies Leben in alle die unendlichen Räume der ewigen Schöpfungen Gottes.

07] Da wie aber jetzt schon einen kleinen Halt gemacht haben, so sehet euch ein wenig herum auf der Oberfläche dieses großen Gewässers. - Nun, ihr erschrecket ja ganz, und saget: Um Gotteswillen, da scheint ja die ganze Unendlichkeit von diesem Gewässer erfüllt zu sein; denn nirgends ist ja mehr von einem Lande etwas zu entdecken. Wie weit auch nur immer das Auge seine Sehkraft in die Ferne der Fernen hin anstrengt, erblickt es nichts, als die wogende und reichlichst schimmernde Oberfläche eines unendlichen Meeres. - Ich aber sage euch: Machet euch nichts daraus, und denket euch, daß es uns bei all' dieser ungeheuren Wasseroberfläche um uns her dennoch nicht so schlecht geht, als es dem Christoph Columbus gegangen ist mit seinen schlechten Fahrzeugen in der Mitte des atlantischen Meeres, allda er gar ängstliche Blicke that, um irgend ein Land zu entdecken.

08] Setzen wir aber unsere Reise nur vorwärts fort; sehet, wir sind den Wogen schon ziemlich nahe gerückt. - Wann wir dahin gelangen werden, da müßt ihr euch wohl recht fest an mich halten; denn wir werden daselbst gar tiefe Wasserthäler und Wasserberge zu passiren bekommen.

09] Nun sehet, immer deutlicher und deutlicher werden die Wogen; jetzt haltet euch nur fest, denn ein paar Schritte noch nach unserer geistigen Bewegung, und wir sind bei den Wogen. - Nun sehet, da ist schon der erste Wogenrand; sehet, welch' ein tiefes Wasserthal, und wie sich da das Gewässer in dieses Thal hinab ergießt, - und sehet, wie dort ein Wasserberg in schäumender Wogenfluth sich nahe bis an das Firmament hinauf zu erheben scheint.

10] Ihr saget: O lieber Freund und Bruder, darüber zu kommen, wird wohl keine Möglichkeit sein! - Denn hier sieht es ja erschrecklich aus; dort schlagen ein paar himmelhohe Wogen über einander zusammen; da bildet sich eine Wasserkluft so tief, als wenn man von einem allerhöchsten Berge hinab schauen möchte in die schauerlichste Tiefe!

11] Ich sage euch aber: Hier wird's uns recht gut gehen; denn wie ihr da sehet, fließt die Wasserschlucht schon wieder zusammen, da können wir jetzt unseren Weg gar nicht fortsetzen. Bis wir diesen vor uns schwebenden Wasserberg erreichen werden, wird er sich auch ebnen; - und sehet, er hat sich schon erniedrigt und haben wir nun wieder ebenen Weg. - Aber sehet, da ist schon wieder eine große Wasserschlucht; wildschäumend stürzen die feuchten Wände hinab in die Tiefe. Allein gedulden wir uns nur ein wenig; diese Schlucht soll sobald wieder zu ebenem Boden werden. - Sehet, die Wände haben sich schon wieder ergriffen, und wir können unseren Weg weiter fortsetzen; - aber dort wogt schon wieder ein ungeheuerer Wasserberg gegen uns her, und hinter uns hat sich so eben wieder eine neue Wasserschlucht gebildet. - Ihr saget: Dieser ungeheure Wasserberg wird uns wohl auch in die Schlucht hinab treiben. - Sorget euch nicht; der Berg wird die Schlucht nur ausfüllen, und wir werden wieder ebenen Weg bekommen.

12] Nun sehet, nach Ungewitter und Regen kommt Sonnenschein! Mit diesem Wogenberge haben wir auch die ganze Wogenpartie dieses Meeres überschritten, und wir haben schon wieder ruhiges Gewässer vor uns; - aber dort in weitester Ferne, wo ihr eine Menge Sterne erblicket über dem Wasser, kommt noch eine gefährliche Stelle, nämlich große Meereswirbel. Allein sorget euch auch nicht dieser Wirbel wegen; sie werden uns so wenig schaden als diese Wogen. - Nun sehet, nach unserer vermehrten Schnellreise sind wir auch schon bei diesen Wirbeln. Hier müssen wir immer auf dem Rande der Wirbel vorwärts gehen, so werden sie uns nichts anhaben. - Erschreckt auch nicht vor dem donnerartigen Getöse dieser Wirbel, und seht empor an das Firmament, wie wir schon unter den Sternen, die wir vor Kurzem noch so ferne stehend erblickten, uns befinden; und nun strenget eure Augen abermals nach vorwärts an! Was seht ihr?

13] Ihr schreiet Land, Land! - Nun ja, also war dieses Meer denn doch nicht gar so unendlich, als ihr es euch noch vor gar Kurzem vorgestellt habet. Sehet dort an einer Landzunge, die ziemlich weit in das Meer herein reicht, abermals eine Säule. - Ihr fraget, was sie bedeute? - Wir werden sogleich dort sein, und ihr könnet die Zuschrift selbst lesen; nur noch ein paar Schritte, und sehet, wir sind schon wieder am trocknen Lande! - Und sehet, da ist auch schon die Säule!

14] Was steht droben geschrieben? "Vorgrenze des Kinderreiches". - Nun wißt ihr, wo wir uns befinden; ihr saget: Aber um des Herrn willen, das ist ja eine entsetzlich gebirgige Gegend! Sollten wir uns auch etwa noch tiefer hinein in dieses Gebirgsland begeben? - O ja, das ist eben die Hauptsache, warum wir hierher die weite Reise gemacht haben. Das müsset ihr sehen; denn hier erst wird sich euch des Abends wahre Bedeutung kund geben. - Für's nächste Mal werden wir uns sonach in diese Gebirgsgegenden wagen; - und somit ruhen wir heute bei dieser Säule wieder aus!

01] Ihr fragt: Lieber Freund und Bruder! Wie werden wir denn über diese ungeheure Meeresfläche kommen, da nirgends ein Boot oder Schiff zu entdecken ist, dessen wir uns bedienen könnten oder das uns aufnähme? - Ich aber sage euch: Dessen werden wir auch nicht vonnöten haben. Es kommt nun auf euch an, ob ihr über dieses Gewässer also wandeln wollt wie dereinst das israelitische Volk durch das Rote Meer oder also, wie dereinst Petrus gewandelt ist mit dem Herrn auf der Oberfläche des Wassers. Beides kann stattfinden, und es wird geschehen, wie ihr wollt. Ihr sagt, daß ich solches bestimmen möchte, und anzeigen, welches wohl das Beste ist?

02] Wenn es auf mich ankommt, so will ich lieber dem Herrn als dem Moses folgen. Also versucht mit mir die Oberfläche des Wassers zu betreten und habt nicht die geringste Angst, denn wir werden über dessen Oberfläche leicht wandeln wie auf dem Lande. Nun seht, wir stehen schon auf dem Wasser; wie kommt euch dieser Boden vor? Ihr sagt: Es ist überaus gut gehen darauf. Der Boden ist allenthalben, wo wir hintreten, zwar sehr subtil, aber dabei dennoch wie federhart und läßt sich nicht eindrücken. Das Wasser ist sehr klar und scheint auch überaus tief zu sein. Aber es wandelt uns dennoch keine Furcht an, nachdem wir uns überzeugen, daß es, um uns zu tragen, von einer hinreichenden Festigkeit ist.


03] Solches ist richtig, meine lieben Freunde und Brüder, solang man noch knapp am Ufer steht, noch eine große Menge Gegenstände und festes Land um sich erblickt und des Wassers Oberfläche ganz spiegelruhig daliegt. Aber wenn man so recht in die weite Ferne hinausgekommen ist und die Oberfläche dieses Gewässers stets wogender wird, da muß man sich wohl zusammennehmen, um nicht wasserscheu zu werden und dabei das Gleichgewicht zu verlieren. Jedoch so fest, wie das Wasser hier ist, so fest bleibt es allenthalben; und so denn versuchen wir, unsere Reise fortzusetzen. Haltet euch aber nur so recht fest an mich und macht keine furchtsamen, sondern recht feste Tritte, denn mit zarten Tritten würdet ihr da nicht viel ausrichten. Wie ihr seht, ist die Oberfläche des Wassers überaus glatt; und so man da die Füße nicht feststellt, kann man leicht ausgleiten und fallen, wo es einem dann auf diesem glatten Boden recht viele Mühe macht, sich wieder emporzurichten. Nun, wir sind fest bei Fuß, und wie ich sehe, so macht ihr recht gute Fortschritte.


04] Also nur gerade vorwärts, bis wir diejenige Stelle erreichen werden, die dort am fernen Horizonte ziemlich stark wogend erscheint. Und seht, es geht recht gut vorwärts; hie und da schwankt der Boden wohl zufolge der allgemeinen Bewegung des Meeres, allein wie ihr seht, so hindert solches unsere Tritte nicht im geringsten.

05] Aber was seht ihr so emsig hinab ins Wasser? - Ist euch vielleicht etwas hineingefallen und hinabgesunken in die Tiefe? Ihr sagt: Lieber Freund, mitnichten; wir sehen nur hinab, ob sich unter uns im Wasser nirgends Fische oder andere Wassertiere befinden. Ich sage euch: Seid dessen unbesorgt, von Ungeheuern des Gewässers ist hier gar keine Rede, aber kleine edle Fischlein gibt es in zahlloser Menge. Ihr möchtet wohl gerne einige sehen? Wenn ihr solches wollt, da müßt ihr euch ein wenig umkehren, da werdet ihr sie gleich erblicken, wie sie vom Morgen her dem Abende zuziehen. - Nun, ihr habt euch umgekehrt. Seht, welch eine ungeheure Menge schön glänzender Fische da aus der morgendlichen Gegend her dieses ganze unübersehbare Gewässer belebt! Haben sie nicht eine Ähnlichkeit mit den Goldfischlein bei euch auf der Erde? - Ihr sagt: O ja, nur ist der Glanz bei weitem stärker.

06] Ihr möchtet wohl gern erfahren, was diese Fischlein hier besagen? - Diese Fischlein besagen das ausgehende Leben vom ewigen Morgen, welches dieses Element durch und durch belebt und sodann hinaustritt als ein freies Leben in alle die unendlichen Räume der ewigen Schöpfungen Gottes.

07] Da wir aber jetzt schon einen kleinen Halt gemacht haben, so seht euch ein wenig auf der Oberfläche dieses großen Gewässers um. - Nun, ihr erschreckt ja und sagt: Um Gotteswillen, es scheint die ganze Unendlichkeit von diesem Gewässer erfüllt zu sein, denn nirgends ist ja von einem Lande mehr etwas zu entdecken. Wie weit auch immer das Auge seine Sehkraft in die Ferne der Fernen hin anstrengt, erblickt es nichts als die wogende und weißlich schimmernde Oberfläche eines unendlichen Meeres. Ich aber sage euch: Macht euch nichts daraus und denkt euch, daß es uns bei dieser ungeheuren Wasseroberfläche um uns her dennoch nicht so schlecht geht, als es dem Christoph Kolumbus gegangen ist mit seinen schlechten Fahrzeugen in der Mitte des Atlantischen Meeres, allda er gar ängstliche Blicke tat; um irgendein Land zu entdecken.

08] Setzen wir aber unsere Reise nur fort. Seht, wir sind den Wogen schon ziemlich nahegerückt. Wenn wir dahin gelangen werden, müßt ihr euch recht fest an mich halten, denn wir werden daselbst gar tiefe Wassertäler und Wasserberge zu passieren bekommen.


09] Nun seht, immer deutlicher und deutlicher werden die Wogen. Jetzt haltet euch fest, denn ein paar Schritte noch nach unserer geistigen Bewegung und wir sind bei den Wogen. - Nun, da ist schon der erste Wogenrand; seht, welch ein tiefes Wassertal, und wie sich da das Gewässer in dieses Tal hinab ergießt, und seht, wie dort ein Wasserberg in schäumender Wogenflut sich nahe bis an das Firmament hinauf zu erheben scheint.

10] Ihr sagt: O lieber Freund und Bruder, da hinüber zu kommen, wird wohl keine Möglichkeit sein! Denn hier sieht es ja erschrecklich aus. Dort schlagen ein paar himmelhohe Wogen übereinander zusammen. Da bildet sich eine Wasserkluft so tief, als wenn man von einem höchsten Berge hinabschauen möchte in die schauerlichste Tiefe!

11] Ich sage euch aber: Hier wird es uns recht gut gehen, denn wie ihr seht, fließt die Wasserschlucht schon wieder zusammen, da können wir jetzt unseren Weg gar leicht fortsetzen. Bis wir diesen vor uns schwebenden Wasserberg erreichen werden, wird auch er sich ebnen; und seht, er hat sich schon erniedrigt, nun haben wir wieder ebenen Weg. Aber da ist schon wieder eine große Wasserschlucht; wildschäumend stürzen die feuchten Wände hinab in die Tiefe. Allein, gedulden wir uns nur ein wenig. Diese Schlucht soll sobald wieder zu ebenem Boden werden. Seht, die Wände haben sich schon wieder ergriffen, und wir können unseren Weg weiter fortsetzen. Aber dort wogt schon wieder ein ungeheurer Wasserberg gegen uns her, und hinter uns hat sich soeben wieder eine neue Wasserschlucht gebildet. - Ihr sagt: Dieser ungeheure Wasserberg wird uns wohl auch in die Schlucht hinabtreiben. - Sorgt euch nicht; der Berg wird die Schlucht nur ausfüllen, und wir werden wieder ebenen Weg bekommen.

12] Nun seht, nach Ungewitter und Regen kommt Sonnenschein. Mit diesem Wogenberge haben wir auch die ganze Wogenpartie dieses Meeres überschritten, und wir haben schon wieder ruhiges Gewässer vor uns. Aber dort in weitester Ferne, wo ihr eine Menge Sterne erblickt über dem Wasser, kommt noch eine gefährliche Stelle, nämlich große Meereswirbel. Allein, sorgt euch auch dieser Wirbel wegen nicht, sie werden uns so wenig schaden wie diese Wogen. Nun seht, nach unserer vermehrten Schnellreise sind wir auch schon bei diesen Wirbeln. Hier müssen wir immer auf dem Rande der Wirbel vorwärtsgehen, so werden sie uns nichts anhaben. Erschreckt euch nicht vor dem donnerartigen Getöse dieser Wirbel und seht empor zum Firmament, wie wir uns schon unter den Sternen befinden, die wir vor kurzem noch so fernestehend erblickten. Und nun strengt eure Augen abermals an und blickt nach vorwärts. Was seht ihr?

13] Ihr schreit: Land, Land! - Nun ja, also war dieses Meer denn doch nicht so unendlich, als ihr es euch noch vor kurzem vorgestellt habt. Seht, dort an einer Landzunge, die ziemlich weit in das Meer hereinreicht, abermals eine Säule. - Ihr fragt, was sie bedeute? - Wir werden sogleich dort sein, und ihr könnt die Inschrift selbst lesen. Nur noch ein paar Schritte, und wir sind schon wieder auf trockenem Lande! - Und seht, da ist auch schon die Säule!


14] Was steht auf ihr geschrieben? - »Vorgrenze des Kinderreiches.« - Nun wißt ihr, wo wir uns befinden. Ihr sagt: Aber um des Herrn willen, das ist ja eine entsetzlich gebirgige Gegend! Sollten wir uns etwa auch noch tiefer hinein in dieses Gebirgsland begeben? - O ja, das ist eben die Hauptsache, darum wir hierher die weite Reise gemacht haben. Das müßt ihr sehen, denn hier erst wird sich des Abends wahre Bedeutung kundgeben. - Fürs nächstemal werden wir uns sonach in diese Gebirgsgegenden wagen. Und somit ruhen wir heute bei dieser Säule wieder aus!

Home  |    Inhaltsverzeichnis  |   Werke Lorbers