Leopold Engel (1858-1931): 'Das große Evangelium Johannes', angeblicher 'Band 11', Achtung! krit. Anmerkungen

Kapitelinhalt 051. Kapitel

   01] Sagte Petrus: »Ja, Herr, das sehe ich jetzt wohl ganz gut ein und begreife auch immer mehr, daß Deine menschliche Natur der unsern so ganz gleich ist, und daß der Unterschied nur in dem Geiste in uns liegt. Sicherlich werden wir alle auf das äußerste bestrebt sein, alle Ziele, welche Du uns zeigst, zu erringen. Nun aber hapert es doch noch gewaltig bei uns mit der Wiedergeburt unserer Seelen. Zwar sind wir schon auf dem rechten Wege, aber so wir allein sind, kommen da doch gewisse Rückfälle, die uns zu Torheiten verleiten, wie Du uns jetzt schon mehrere hast ausführen sehen. Wie denn könnten wir diese wohl vermeiden?«
   02] Sagte Ich: »Zunächst dadurch, daß ihr die rechte Glaubenskraft erringet, auch wenn ihr Mich nicht sehet, - denn selig sind, die da glauben und nicht sehen! Dann aber, indem ihr euch frei machet von jeder Furcht und nur mit ganzer Kraft Gott liebet, den ihr in Mir wisset und erkannt habt!
   03] Zwar weiß Ich, daß ihr Mich sehr liebet: aber jetzt gilt diese Liebe noch mehr Meiner Person als Meinem Geiste. Die unerschütterliche Liebe, die gar keine Zweifel mehr kennt, die sich auch bei euch unbegreiflichen Dingen nicht schwankend machen läßt, besitzet ihr noch nicht, sondern nur einen Glauben, der vorläufig nur aus Meinen Taten entsprungen ist und noch kein Felsen ist, sondern mit lockerem Erdreich untermischt ist, das die Regengüsse des Leides noch wegwaschen können.
   04] Glaubet nicht nur, wenn Ich bei euch bin, sondern glaubet und vertrauet völlig auf Meine Kraft, auch wenn Ich leiblich nicht bei euch bin! Forschet in euren Seelen, wo noch irgend etwas Unreines steckt, und werfet es von euch!
   05] Solange ihr noch Mißmut, Ärger, Unzufriedenheit, unreine Gedanken in euch entdecket, so lange regt sich auch noch der Zweifel und läßt den lebendigen Glauben nicht erstarken. Dem Geiste sind jedoch alle diese Untugenden fremd, daher kann er die Seele nicht durchdringen, die freiwillig sich alles dessen entäußern muß!«
   06] Sagte Petrus: »Ja, Herr, wir wissen das alles recht wohl und bemühen uns auch, nach Deinen Worten zu handeln; aber es wird doch oft recht schwer, sich selbst zu überwinden. Und dennoch lieben wir Dich von ganzem Herzen und mit allen Kräften!«
   07] Sagte Ich: »Laß das jetzt nur gut sein! Darum habe Ich euch ja nach Ephrem geführt, daß ihr euch reinigt und die innere Vollendung frei und selbsttätig erringet, und so lasse denn nur dieses! Wäret ihr auch Meine Jünger, wenn Ich nicht dächte, euch dahin zu führen, daß ihr dem Vater dienet, gleichwie Ich Ihm jetzt diene?! Der Vater weiß doch wohl, was Er tut, und welche Werkzeuge Er Sich auserwählt! Was euch noch fehlt, werdet ihr erringen, und so strebet denn danach! An Kraft wird es nicht fehlen, so ihr darum bittet.«
   08] Sagte Petrus: »Ja, Herr, wohl wissen wir, daß Du uns stets die Kraft gibst, deren wir bedürfen, so wir darum bitten; aber gar zu oft nur vergessen wir gerade das Bitten, weil wir uns schon für recht stark halten und denken, aus eigener Kraft siegen zu können! Und dieses Kraftgefühl erfüllt uns mit großer Zuversicht, die sich aber gar zu leicht in große Zerknirschung verwandelt, wenn irgendein Umstand die gar zu große Schwäche des menschlichen Herzens und die Wankelmütigkeit trotz aller guten Vorsätze beweist. Sollen wir denn aber nun gar nicht trachten, aus eigener Kraft auch etwas tun zu können?«
   09] Antwortete Ich: »Wer nach Vereinigung mit Gott strebt, wird zuerst trachten, Seinen Willen zu erfüllen und den eigenen unterzuordnen; denn nur der im Menschen lebendig gewordene und tatkräftige Gotteswille kann und wird niemals Schiffbruch leiden. Ist der Mensch aber eigenwillig und sucht etwas auszuführen, ohne sich darum zu kümmern, ob seine beabsichtigte Tat auch dem Willen Gottes entspricht, so darf er sich nicht wundern, wenn diese Tat nicht zu seinen Gunsten ausschlägt.
   10] Dieses Kraftgefühl, von dem du sprichst, ist aber oft nichts anderes als ein geistiger Hochmut, der sich vorgedrungen vor anderen Menschenbrüdern fühlt und daher etwas Außergewöhnliches leisten möchte zur eigenen Eitelkeitsbefriedigung oder auch aus Bewunderungssucht vor anderen. Hütet euch daher vor diesen Trieben; denn Meine Anhänger sollen arm im Geiste sein, wie ihr wisset, damit sie eben alles von Mir erhalten und Gott wahrhaft schauen können! Die aber, welche sich geistig reich wähnen, das sind eben die, welche meinen, Vollendete zu sein, mit ihrer Selbstüberwindung prunken und voll des geistigen Hochmutes werden.
   11] Siehe an die Pharisäer, wie sie glauben, nur Gott zu dienen mit allerlei nichtssagender Weisheit und Formelkram und doch nur sich selbst und ihrem Wohlsein dienen! Diesen auch nur eine noch so kleine Weisheitslehre Meiner Himmel in ihr Herz einfließen zu lassen, ist rein unmöglich; denn es ist angefüllt von allerlei Reichtum ihres Seelendünkels, während nur dort gegeben werden kann, wo vollständige Armut herrscht. - Verstehst du das und die Brüder?«
   12] Sagte Petrus, der hier, wie sooft, den Sprecher für die andern machte, nachdem er die anwesenden Brüder angeschaut hatte, die alle bejahende Zeichen machten: »Ja, Herr, das verstehen wir recht gut; denn Du hast schon öfter mit ähnlichen Worten derartige Lehren gegeben. Aber etwas anderes möchten wir wohl von Dir wissen!
   13] Du sprachst von einer Wiedergeburt des Geistes und der Seele. Es ist uns dieser Unterschied sehr aufgefallen, weil wir da nie einen Unterschied gesucht hätten und wähnten, daß mit dem einmal vollendeten Aufgehen der Seele in den Geist auch alles erreicht ist, was erreicht werden kann. Wie steht es nun damit, willst Du Dich da nicht deutlicher erklären?«
   14] Sagte Ich: »Was ihr jetzt fassen könnt, sollt ihr hören! Doch kann euch alles erst völlig klar werden in Meinem Reiche, wo ihr mit eigenen Augen und Sinnen die Bestätigung finden werdet. Aber nicht nur euretwegen, sondern auch eurer Nachfolger wegen müßt ihr wissen, was Ich mit der Wiedergeburt des Geistes meine und andeuten will. - So höret denn!«

Krit. Anmerkungen zur Person und den Werken von Leopold Engel


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