Leopold Engel (1858-1931): 'Das große Evangelium Johannes', angeblicher 'Band 11', Achtung! krit. Anmerkungen

Kapitelinhalt 031. Kapitel

   01] Frühmorgens standen wir nach unserer Gewohnheit schon sehr frühzeitig von unsern Lagern auf und begaben uns alsbald ins Freie in den Garten Raels. Zwar waren die Morgen, zumal bei Aufgang der Sonne, recht rauh, da die Regenzeit bald beginnen mußte, aber dennoch sehr erfrischend, so daß ein Aufenthalt im Freien angenehm war.
   02] ((Würden die Menschen sich daran gewöhnen, namentlich im Sommer, frühzeitig aufzustehen und die frühen Morgenstunden im Freien zu verbringen, das Geschlecht würde bald ein viel kräftigeres werden, als es ist. Denn die kräftigenden Ströme, welche die Luft gerade bei den Frühwinden durchziehen, bringen hauptsächlich den Nährstoff der Erde zu, so wie das Zusammenwirken von Licht und der sich entwickelnden Wärme besondere Nahrungspartikel für Seele und Körper erzeugt, die bei hochstehender Sonne und stärkerer Wärme wieder ganz anders wirken und auch einen besonderen chemischen Prozeß eingehen, wodurch sie konsistenter (dichter, fester, zusammenhängender) und für den Menschen nicht mehr so leicht aufsaugbar werden wie in dem mehr ätherischen Zustande eines Morgens.))
   03] Meine Jünger unterhielten sich noch eifrig über die gestern geschauten Gesichte und sprachen sich auch über ihre seltsamen Träume aus, die fast jeder durchlebt hatte, ohne aber Mir über diese Dinge eine besondere Frage zu stellen. Bald kam auch unser Rael zu uns und forderte uns freundlichst auf, das bereitete Morgenmahl zu uns zu nehmen. Dieses geschah nun, und bald machte sich eine allgemeine recht frohe Stimmung der Gemüter kund, die sogar bei den sonst recht ernsten Männern manches Scherzwort auf die Lippen brachte.
   04] Ich sagte nun zu den Meinen, daß Ich beabsichtigte, heute zu ruhen, und daß jeder, der Neigung dazu verspüre, sich im Orte umtun könne, ob sich ihm vielleicht Gelegenheit biete, ein gutes Werk auszuüben oder ein Wort des Trostes zu spenden. Es sei keiner gehindert zu tun, was ihm recht dünke.
   05] Auf diese Aufforderung hin sagte Philippus: »Herr, so Du nichts dawider hast, so würde ich wohl hier einen Mann aufsuchen, der mir sehr teuer ist und der meines Erachtens noch hier wohnen muß. Es ist das ein eifriger Lehrer des Wortes Gottes, der mit wenig Mitteln, die ihm das Leben gegeben hat, schon viel Gutes gestiftet hat. Derselbe ist ein Verwandter zweiten Grades von mir, und falls es möglich wäre, ihn für Dich zu gewinnen, so werde ich ihn Dir bringen.«
   06] Sagte Ich: »Tue also, und bringe Mir das Fischlein, damit auch jener erkenne, woran es ihm noch fehle! Ich werde dieses Haus nicht verlassen, und ein jeder von euch wird Mich hier wiederfinden, so er Mich sucht!«
   07] Daraufhin verließen außer Johannes, Petrus und Jakobus alle den Garten und das Haus und zerstreuten sich im Orte und in der Umgegend. Viele kehrten erst am Abend zurück, da sie bei der armen Bevölkerung die beste Aufnahme fanden und von dieser viel über Mein Wesen, Meine Herkunft und Taten befragt wurden, was sie alles wahrheitsgemäß beantworteten. Ich aber wollte, daß dieses darum geschehe, damit erstlich mehrere von Meinen Anhängern und Jüngern, die bisher noch nicht Gelegenheit dazu gefunden hatten, Mein Wort auszubreiten, anfingen, sich in dem Amt zu üben, und sodann, daß auch die Bevölkerung zu dem sich nahenden Osterfest und dessen Ereignissen geweckt würde.
   08] Die drei Apostel blieben jedoch in Meiner nächsten Nähe und verharrten in Stillschweigen. Ich fragte sie daher, ob sie nicht auch den andern folgen wollten, worauf Johannes erwiderte, wenn es Mein Wunsch sei, würde er mit den Brüdern dieses tun, ansonst aber bleiben.
   09] Sagte Ich: »Liebe Freunde, wenn ihr bleiben wollet, so bleibet! Ich habe ja schon gesagt, daß jeder nach seinem Gefallen tun soll. Wenn ihr aber etwa vermeint, ihr würdet in Meiner Nähe doch noch etwas erfahren, was ihr sonst versäumet, so irret ihr; denn Ich werde heute nichts unternehmen, wie Ich schon gesagt habe, und gedenke nur, Rasttag zu halten; denn auch dieser Leib bedarf der zeitweiligen Ruhe wie der eure und ist durch nichts von dem euren verschieden. Wir haben aber in letzter Zeit gar viel gearbeitet, und so ist denn auch Mein Leib etwas erschöpft, wenn auch der Geist alltätig ist. Bevor jedoch dieser Leib nicht aufgenommen worden ist von dem Geiste, der ihn zu durchdringen und als Kleid um sich zu schließen hat, ist er auch allen Anforderungen unterworfen, die ebenfalls eure Körper stellen.«
   10] Daraufhin zogen sich auch diese drei von Mir zurück, um Mich in der verlangten Ruhe nicht zu stören, und sorgten auch im Hause dafür, daß kein allzugroßer Lärm stattfinde, der etwa in den Garten dringe; denn der vielen unerwarteten Gäste wegen herrschte daselbst, ganz gegen die bisherige gewohnte Stille, ein sehr reges Leben und Treiben. Ich aber unterstützte diesmal nicht mit Meiner Kraft die vielfachen häuslichen Verrichtungen, da alle Bewohner erfreut waren, für Mich und die Meinen sorgen zu können, und ihnen diese wirkliche Freude nicht geschmälert werden sollte.
   11] Es ist denn auch an diesem Tage nichts Besonderes geschehen, was aufzuzeichnen notwendig wäre. Spätnachmittags kam Philippus zurück mit seinem Verwandten, den er Mir brachte, und der von Mir über die Person des Messias belehrt sein wollte. Ich ließ Mich jedoch jetzt nicht weiter mit ihm in ein längeres Gespräch ein, sondern verwies ihn vorläufig an Meine Jünger, die ihn in Meine Lehre einweihten und ihm Näheres von Meinen Taten erzählten. Er wurde dann auch gläubig, und Ich segnete ihn und sein Haus, als er es von Mir erbat, zur größten Freude des Philippus, der ihn sehr hoch schätzte.
   12] Am Abend fanden sich alle, die zu Mir gehörten, wieder ein und berichteten nun ihre verschiedenen Abenteuer, die hauptsächlich darin bestanden hatten, daß sie den Einwohnern in Meinem Namen Hilfe bei allerlei Krankheiten gebracht hatten und diese dadurch gläubig machten: Ich sei wahrhaft der Gesandte Gottes und sie Meine wahren Jünger.
   13] Ich sagte nach den vielen Erzählungen, die wiederzugeben unnötig ist: »Selig seid ihr, Meine Lieben, daß euer Glaube allein solche Werke vollführen konnte; denn nur durch diese Kraft habt ihr dieselben ausgeführt, nicht aber im Zwange der Meinen. Schreitet daher fort, selbständig und selbsttätig wirksam zu werden, damit sich die Herde nicht zerstreue, wenn der Hirte einst fehlen wird!«

Krit. Anmerkungen zur Person und den Werken von Leopold Engel


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