Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Index Band 9

Kapitelinhalt 157. Kapitel: Jesu Belehrung über den einen, allein wahren Gott.

   01] Als die beiden Griechen sich noch mit solchen Gedanken beschäftigten, unterbrach ich sie und sprach also zu ihnen: »Meine Freunde, ihr habt nun auf die Rede Meines Jüngers Johannes ganz sonderbare Gedanken in euch aufkommen lassen! Wenn es also wäre, wie ihr es euch denket, da hättet ihr am Ende auch recht; aber es verhält sich die Sache des Glaubens an nur einen, allein wahren Gott ganz anders, als ihr es euch gedacht habt, und so habet ihr über eben diese Sache sehr unrichtig geurteilt.
   02] Ihr wollet Licht und volle Klarheit über den Gott der Juden, und das ist ein ganz billiges Verlangen von euch. Ihr aber habt ja die Bücher Mosis gelesen, in denen über das Wesen des einen, allein wahren Gottes alles mit aller Bestimmtheit und großem Lichte geschrieben steht, wer der eine, allein wahre Gott ist, an den allein die Menschen glauben und keine fremden Götter neben Ihm haben sollen.
   03] Dieser eine und allein wahre Gott hat aber durch Moses am Berge Sinai Sich als Solcher daseiend nicht nur unter großen, allen anwesenden Israeliten sichtbaren Zeichen geoffenbart, sondern Er hat ihnen auch höchst weise Gebote und Vorschriften gegeben, mit deren genauer Beachtung sie ein ganz glückliches Volk sein konnten, da sie dadurch Gott nicht nur als völlig sichtbar vor sich gehabt hätten, zu dem sie als rechte Kinder zu ihrem Vater in allen ihren Anliegen und Nöten frei und offen reden konnten und durften, sondern der ihnen auch den Weg zum ewigen Leben der Seele stets hellst erleuchtete und das große Jenseits mit seinen seligsten Bewohnern beschaulich offen hielt, wofür Tausende von Zeugen reden können noch in dieser sehr verfinsterten Zeit, und wovon gar viele alte Propheten und Seher gesprochen und geschrieben haben.
   04] Wenn aber also und nicht anders, warum sind sie denn bei so glücklichen Lebensumständen, die sie durch gar viele alleruntrüglichste Erfahrungen als bestbewährt oft selbst erlebt haben, nicht in dem Glauben und in der besten und lebensvollsten Ordnung, Gott über alles als den besten Vater zu lieben, geblieben?
   05] Seht, das machte die bei gar vielen Menschen stets mehr und mehr überhandnehmende Eigen- und Weltliebe, von der sie sich am Ende durch alle Ermahnungen und auch häufig vorkommende scharfe Züchtigungen nimmer völlig haben abwendig machen lassen.
   06] Sie versanken aber dadurch denn auch in das alte Gericht der Materie der Welt und ihres geilen Fleisches, verloren das alte, innere Lebenslicht ihrer Seelen so sehr, daß sie nun ihre Seelen nicht mehr von ihrem Fleische unterscheiden können, nicht mehr wissen, was eine Seele ist, und so auch darin ganz im unklaren sind, daß sie eine Seele haben, die ewig leben soll.
   07] Wer sich aber selbst in seinem edelsten Lebensteile so sehr verloren hat, daß er, als noch lebend und daseiend, nicht mehr wahrzunehmen imstande ist, daß er da ist, wie sollte der das Wesen Gottes erkennen und lebendig an dasselbe glauben, so er selbst in seinem lebendig sein sollenden Teile durch die übermäßigste Liebe zur Welt nahezu völlig tot geworden ist?
   08] Wie es aber euch ergangen ist, bevor ihr die verlorene alte Wahrheit habt zu suchen angefangen, und wie es euch zum Teile noch ergeht, um noch tausend Male ärger ergeht es nun beinahe zahllos vielen Menschen; und wahrlich, so Ich nicht in diese Welt gekommen wäre, den Menschen von neuem den Weg zum ewigen Leben der Seele zu zeigen, so hätte diesen Weg auch kein Mensch mehr auffinden und selig werden können hier und jenseits!
   09] Ich Selbst bin darum der Weg, die Wahrheit und das ewige Leben; wer an Mich glaubt und nach Meinen Worten lebt und handelt, der wird seine Seele vom ewigen Tode und Gerichte der Welt und ihrer Materie erretten.
   10] Den Willen des einen, allein wahren und ewig aus Seiner Macht lebendigen Gottes und Vaters der Menschen aber könnet ihr aus den Büchern Mosis und der Propheten kennenlernen. So ihr nach den - sage - nur zehn Geboten Mosis genau leben werdet, so wird der Geist Gottes euch durchdringen und euch selbst erleuchten. In solchem Lichte werdet ihr dann den einen und allein wahren Gott nicht nur vollkommen erkennen und Ihn dann auch über alles lieben können, sondern Er wird Sich euch dann auch Selbst offenbaren und euch in alle Weisheit und ihre Macht erheben.
   11] Dann werdet ihr nicht denken, daß ein jeder Mensch nach Meiner Lehre am Ende seinen eigenen Gott haben würde, so er sich selbst einen denken solle, an den er ungezweifelt glauben und den er auch über alles lieben müsse, so er das ewige Leben seiner Seele erreichen will, sondern da werdet ihr in euch lichtvollst innewerden, daß der Gott, der Sich euch geoffenbart hat, Einer und unwandelbar Derselbe ist, der Sich noch zu allen Zeiten allen jenen Menschen stets treulichst geoffenbart hat, welche völlig nach Seinem Willen gelebt und gehandelt haben.
   12] So ihr Mich nun besser denn anfangs verstanden habt, so tuet danach; und so es in euch dann licht und helle wird, dann werdet ihr es erst vollkommen einsehen, wie ihr hier bei Mir eben das gefunden habt, was ihr vergeblich mit noch mehreren eurer Gefährten zwanzig Jahre hindurch suchtet und nun hier erst fandet.«


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