Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Index Band 9

Kapitelinhalt 61. Kapitel: Vollständige Befreiung und Heilung eines Besessenen durch Jesus.

   01] (Der Alte:) »Es war aber unter uns ein Mensch, der schon seit dreißig Jahren irrsinnig war und sich dann und wann in die Wälder verlief, allwo er von den argen Geistern derart gequält ward, daß er oft so stark und entsetzlich heulte und brüllte, daß sogar die wildesten Tiere vor ihm jählings die Flucht ergriffen. Wenn er wieder aus den Wäldern zu uns zurückkam, da war er ruhig; aber so man ihn befragte, was er in den Wäldern gemacht habe, da wußte er sich dessen niemals zu entsinnen.
   02] Dieser sehr zu bedauernde Mensch befand sich zur Zeit gerade hier im Dorfe, als die beiden Männer uns besuchten, und wir stellten ihn ihnen auf ihr Verlangen vor. Da legten sie die Hände auf ihn und geboten den argen Geistern im Namen des Gottessohnes Jesus, aus dem Menschen zu fahren und seinen Leib auf immerdar zu verlassen. Da aber schrien die bösen Geister so stark wie ein Kriegsheer aus dem von ihnen so lange geplagten Menschen: 'Den Jesus Zebaoth Jehova, geboren ins Fleisch von einer zarten Jungfrau in einem Schafstalle zu Bethlehem und zum kräftigen Manne aufgewachsen in Altnazareth in Galiläa, kennen wir und sind auch Seiner Allmacht untertan, weil es uns nicht möglich ist, ihr zu widerstreben: aber euch kennen wir nicht und werden euch auch nicht gehorchen!'
   03] Darauf aber beriefen im Geiste die beiden Männer gar ernstlich ihren Jesus zu Hilfe. Wir vernahmen auf diesen Ruf wie einen mächtigen Donner aus der Höhe, und die argen Geister verließen plötzlich den Geplagten, und wir sahen sie wie einen großen Schwarm schwarzer Fliegen eiligst von dannen brausen, und der vorher so viele Jahre geplagte Mensch ward darauf völlig gesund und befindet sich noch bis zur Stunde so unter uns im Dorfe. So du, Herr und Meister deiner Jünger, ihn etwa sehen wolltest, so könnte ich ihn herführen lassen!
   04] Und siehe, das war eine seltene Begebenheit in unserem sehr abgelegenen Dorfe, - und ich möchte nun denn auch erfahren, ob etwa auch ihr so Abgesandte von jenem mächtigen Jesus Zebaoth Jehova aus Nazareth seid, weil auch ihr, gleich den zwei Männern, weise redet und nun auch an unseren Fruchtbäumen augenscheinliche Wunder durch eure Gegenwart geschehen sind.«
   05] Sagte Ich: »Laß zuvor den geheilten Menschen herkommen, und es wird sich dann schon zeigen, wer Ich bin, und wer Meine Jünger sind!«
   06] Auf diese Meine Worte ward alsbald der geheilte Mann aus einem Hause, wo er arbeitete, zu Mir gebracht, und er fragte Mich, was Ich von ihm begehre, das er Mir tun solle.
   07] Ich aber sagte zu ihm: »Daß du Mir irgendeinen Dienst erweisen sollst, das verlange Ich von dir wahrlich nicht; aber Ich kann dir einen guten Dienst erweisen und ließ dich darum zu Mir kommen. Du bist erst vor kurzem von zwei Männern von deinen Plagegeistern erlöst worden?«
   08] Sagte der Befragte: »Ja, mein Herr, die argen Geister haben mich - Dank sei Gott in der Höhe! - verlassen; doch eine gewisse körperliche Schwäche und die stets steigende Furcht vor dem in meinem Alter sich sichtlich nahenden Tode wollen mich trotz alles Betens und Vertrauens auf Gott doch nicht verlassen, und ich kann mich darum über gar nichts in der Welt mehr freuen. Siehe, das ist auch ein großes und sehr traurig aussehendes Übel, besonders für einen unter lauter ärgsten Plagen altgewordenen Menschen. Kannst du mich etwa davon befreien, dann würdest du mir freilich einen größten und mir wohltuendsten Dienst erweisen!«
   09] Sagte Ich: »Ja, mein Freund, das vermag Ich aus Meiner höchsteigenen Machtvollkommenheit und bedarf dazu keines andern Wesens Hilfe! Und so will Ich, daß du nun alsogleich so stark und kräftig werdest, wie du zuvor noch niemals warst, und so verlasse dich denn auch für immerdar die eitel törichte Furcht vor dem Tode des Leibes, der eigentlich kein Tod, sondern nur ein helles Licht ins wahre, ewige Leben ist!«
   10] Als Ich diese Worte über den Menschen ausgesprochen hatte, da ward er plötzlich voll einer jungmännlichen Kraft, und die Furcht vor dem Tode verließ ihn alsbald gänzlich also, daß er vor lauter Freude zu jubeln und Mir aus voller Brust für diese Heilung zu danken anfing und Gott pries, der Mir solch eine Macht verlieh.
   11] Hierauf trat wieder der Alte zu Mir und sagte voll Staunen und Ehrfurcht: »O Herr und Meister, mir kommt es nun vor, als wüßte ich schon, wer Du so ganz eigentlich bist!«
   12] Sagte Ich: »Wenn es dir also vorkommt, da rede, wie es dir vorkommt!«
   13] Und der Alte sagte: »Herr und Meister, vergib mir meine Dreistigkeit, daß ich mit Dir rede! Es geht aus allem, was ich nun vernommen habe, hervor, daß eben Du der Jesus Zebaoth Jehova bist; denn kein Sterblicher von Anbeginn der Welt könnte es je sagen: 'Ich tue dir das aus meiner höchsteigenen Machtvollkommenheit!', und es gelänge ihm wunderbarsterweise auf ein Haar, was er will und ganz einfach mit leichtverständlichen Worten ausspricht. Du, Freund, aber hast nicht zu Gott oder dem Jesus Zebaoth Jehova gerufen: 'Hilf mir!', sondern Du sagtest: 'Ich will es also aus Meiner höchsteigenen Machtvollkommenheit!'
   14] Was bist Du demnach? Du Selbst bist da der einzig allein wahre Jesus Zebaoth Jehova, - und so verbirg denn nicht länger Dein durch der Propheten Weissagungen verheißenes Messiasantlitz, auf daß wir in Dir Den begrüßen, lieben, loben und preisen können, der Du bist, und Dir niemand gleicht weder auf Erden noch im Himmel! Denn so Du Jehova Zebaoth bist was ich für mich nicht im geringsten bezweifle -, so gebührt Dir allein alle Ehre und Anbetung von uns Menschen, die wir Dich erkannt haben aus Deinen Worten und aus Deinen Taten!«
   15] Sagte Ich: »Was ihr tun wollt, das tuet im Herzen; denn alles Lob aus dem Munde hat vor Mir keinen Wert! Nur vor euren Brüdern bekennet Meinen Namen auch offen mit dem Munde, und redet von Meiner Lehre und von Meinen Taten, und tuet nach Meinen Worten, und handelt und lebet nach Meiner Lehre, die euch Meine zwei Gesandten verkündet haben, und Ich werde euch bekennen vor Meinem Vater; und den Ich bekennen werde vor Meinem Vater, der wird in sich haben das ewige Leben.
   16] Nun aber werden wir unseren Weg wieder weiter fortsetzen; denn Ich muß Mich noch vielen zeigen, die so wie ihr schon völlig an Mich glauben, aber auch eine große Sehnsucht haben, Mich zu sehen.«


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