Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Index Band 9

Kapitelinhalt 58. Kapitel: Wahre Nachfolge Jesu.

   01] Sagte Ich: »Um was du Mich nun gebeten hast, das habe Ich bereits schon jetzt getan, und so wirst du nun ein leichtes Fortschreiten haben! Denn wem Mein Lebenslicht leuchtet, der wird auf dem Wege mit seinen Füßen nicht leichtlich mehr an einen Stein stoßen, und die Dornen wird er wohl vermeiden mögen. Wer mit Mir wandelt, der hat allenthalben schon einen wohlgebahnten Weg; wer aber ohne Mich dem Reiche Gottes, als dem inneren Reiche des Lebens und aller Wahrheit, zuwandelt, der hat wohl einen langen, schmalen und sehr dornigen Weg zu durchwandern, wie das bei gar vielen alten Weisen aller Völker der Erde von jeher der Fall war und auch künftighin der Fall sein und bleiben wird.
   02] Du hast es von nun an leicht, und so auch gar viele, die Mich gesehen und gehört haben und völlig an Mich glauben; aber die Nachkommen werden nur durch den puren Glauben in das Reich Gottes gelangen. Wer Mich aber sieht und hört, der glaubt leicht und kann auch leicht nach Meinem Worte leben und handeln. Aber wer Mich künftighin nicht mehr in Meinem Fleische sehen wird, der wird es schwerer haben, in das wahre und lebendige Reich Gottes zu gelangen; denn er wird es pur glauben müssen, was ihm die ausgesandten Boten von Mir erzählen werden.
   03] So er aber das Vernommene willig in sein gläubig Herz aufnehmen und eine rechte Freude ob der vernommenen Wahrheit haben wird, da wird denn auch alsbald die Taufe des Geistes aus Mir über ihn kommen, und er wird in ihr das geöffnete Tor ins Gottesreich wohl erschauen. Von da an wird dann auch für den Nichtzeugen Meiner nunmaligen Gegenwart der Weg ins volle Gottesreich ein leichter sein.
   04] So ihr aber das alles nun wohl wisset, so freuet euch des, daß Gott das alles schon von Anbeginn her also angeordnet hat! Und so ihr zu den Menschen von Mir und Meinem Reiche reden werdet, da saget ihnen auch das, was ich nun zu euch geredet habe; aber machet es ihnen auch vor allem begreiflich, daß Mein Reich nicht irgend von dieser Welt ist, - sondern es ist das inwendige Reich aller Wahrheit und alles Lebens im Innersten des Menschen. Wer es in sich gefunden hat und in dasselbe durch den lebendigen Glauben und durch die tätige Liebe einging, der hat die Welt, das Gericht und den Tod überwunden und wird gleichfort das ewige Leben haben.
   05] Es kommt zwar das, was Ich euch jetzt gesagt habe, für den Weltverstand gleich wie eine Torheit anzuhören vor; aber es ist darum dennoch die höchste Weisheit alles Lebens in Gott. Wohl dem, der sich an der nicht stößt!
   06] Niemand kann wissen, was im Menschen alles als zum Leben Notwendiges verborgen ist, als nur der Geist, der im Innersten des Menschen ist und wohnt; und so weiß auch kein Weltweiser, was Gott Selbst und was in Ihm ist, als nur der Geist Gottes, der alle Tiefen Dessen durchdringt.
   07] Wenn der Geist im Menschen aber nicht als das wahre Lebenslicht erweckt wird, da ist es finster im Menschen, und er erkennt sich nicht; wenn durch den Glauben an Mich und durch die Liebe zu Mir und zum Nächsten aber der Geist im Menschen erweckt und zum hellen Lichte entzündet wird, dann durchdringt der Geist den ganzen Menschen, durch und durch, und der Mensch erschaut da, was in ihm ist und erkennet sich. Und wer sich erkennt, der erkennt auch Gott; denn der wahre und ewige Lebensgeist im Menschen ist nicht ein Menschengeist, sondern ein Gottesgeist im Menschen, ansonst der Mensch kein Ebenmaß Gottes wäre.
   08] So ihr das nun wohl verstanden habt, da wollen wir uns nun, als leiblich und geistig gestärkt, vom Tische erheben und unsere Reise von hier nach Galiläa hin antreten.«
   09] Alle beteuerten, daß sie das wohl verstanden hätten, und dankten Mir für diese Belehrung.
   10] Der Wirt meinte freilich, ob Ich etwa doch noch bis zum Mittage hin in seinem Hause verweilen möchte.
   11] Ich aber sagte zu ihm: »Sieh, in dieser Welt hat alles seine Zeit, also auch das Kommen, Bleiben und Gehen! Ich weiß aber, wo heute noch eine große Arbeit Meiner harrt, und so muß Ich denn auch nun dahin ziehen, wo die Arbeit Meiner harrt! Zudem wird in einer Stunde eine große Karawane von aus Jericho kommenden Kaufleuten bei dir einkehren, und ihr werdet viel zu tun bekommen. Die Kaufleute werden dir vieles von Mir zu erzählen wissen; erzähle du aber auch ihnen, daß Ich hier war, doch sage es ihnen nicht, wohin Ich den Weg eingeschlagen habe!«
   12] Der Wirt beteuerte nochmals, daß er alles streng halten werde, was er als Meinen Willen erkannt hatte, und dankte Mir auch noch einmal für die ihm erwiesenen Wohltaten; und Ich gab den Jüngern den Wink zum Aufbruch.
   13] Wir erhoben uns denn darauf vollends und betraten den Weg. Der Wirt und sein geheilter Sohn gaben Mir über tausend Schritte weit das Geleit und kehrten darauf voll guter Dinge wieder nach Hause zurück.


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