Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 8

Kapitelinhalt 214. Kapitel: Das größte Wunder Jesu: Sein Wort.

   01] Als wir das Mahl beendet und uns von den Tischen erhoben hatten, da fragte der Wirt einen Jünger, ob Ich schon zu öfteren Malen ein solches Wunder gewirkt hätte.
   02] Da sagte der befragte Jünger: »Auf eine gleiche Weise sind schon oft mehrere Tausende von Menschen unter freiem Himmel auf einmal gespeist worden! Also hat der Herr auch zu öfteren Malen, wo man keinen Wein, sondern nur Wasser, und das nicht von der reinsten Art, hatte, dasselbe durch Seinen Willen für uns und für viele andere in den stets besten Wein verwandelt, gleichwie Er also durch Sein Wort und durch Seine Lehre unser altes, faul und trüb gewordenes Glaubenswasser in ein dem besten Weine gleich lebendiges umgestaltet. Wahrlich, der Herr hat seit kaum zweieinhalb Jahren überaus viele und große Wunderwerke gewirkt, so daß sie kaum mehr zu zählen und in Büchern beschrieben werden könnten! Doch das größte und für ewig bleibende Wunder ist Sein Wort; wer sich nach dem richtet, der wird das ewige Leben in sich haben.
   03] Die Zeichen aber, die der Herr nun wirkt, sind für uns nur Zeugen, daß Er eben der Herr ist. In der Folge aber werden nicht mehr die jetzt von Ihm gewirkten Zeichen Zeugen von Seiner Gottherrlichkeit sein, sondern Seine Lehre im Herzen der Menschen, die nach ihr leben und handeln werden; denn sie wird in uns die beseligendsten Zeichen des wahren und sich hellbewußten ewigen Lebens bewirken, - was mehr ist, als so der Herr nun vor uns noch so viele und große Wunderzeichen wirkete, von denen wir und unsere Nachfolger den späteren Nachkommen wohl erzählen könnten, die sie uns aber dennoch nur halbwegs glauben und oft auch leicht gar nicht glauben möchten. Und so werden die nun gewirkten Zeichen auf die Nachwelt wenig zur Erhöhung ihres Glaubens wirken, wohl aber die auf sie übergegangene Lehre als in sich die hellste und unbestreitbarste Wahrheit!
   04] Freund, daß wir hier nun da sind, ist wohl ganz sicher, wahr und gewiß, und daß der Herr nun vor unseren Augen große Zeichen gewirkt hat, das bezweifelt von uns wohl keiner; doch in etwa hundert Jahren wird das alles in das Reich der Weltgeschichte gehören und wird - wie alles, was diesem Reiche angehört - zum großen Teile von vielen bezweifelt und nicht geglaubt werden.
   05] Aber die lichte Wahrheit, da zwei und zwei die Summe vier ausmachen, wird bis ans Ende aller (Zeiten) unbezweifelt stehenbleiben und so denn auch die Lehre aus dem Gottmunde des Herrn, der nach ein jeder Mensch Gott erkennen, an Ihn allein glauben und Ihn über alles lieben soll und seinen Nächsten wie sich selbst, eben also als eine nie bestritten werden könnende Lebenswahrheit, weil ohne sie erstens kein nur hier auf Erden zeitlich und materiell bestelltes gesellschaftliches Beisammenleben der Menschen bestehen könnte, und zweitens, weil ohne sie und ihre tätigste Beachtung keine Seele das ewige Leben aus Gott überkommen könnte. Denn die Liebe ist der ewige Geist des Lebens und also das Leben selbst in und für sich.
   06] Wenn dann die Menschen unter sich und gegen Gott aller Liebe bar geworden sind, so geht daraus auch die mathematische Wahrheit hervor, daß sie auch des inneren und eigentlich allein wahren Seelenlebens bar geworden sind. Darum kümmere du dich in der Folge nur um des Herrn uns geoffenbarte Lehre und deren lichtesten Wahrheitsgeist, und handle danach, auf daß dir das ewige Leben werde; denn die Zeichen können weder dir noch jemand anderem das ewige Leben verschaffen.
   07] Daß der Herr ewig in sich und für sich allmächtig ist und höchst weise, das zeigen uns nicht nur die nun gewirkten Wunderzeichen, sondern das bezeugt zu allen Zeiten vor aller Menschen Augen die große Schöpfung, die stets allen denkenden Menschen laut zuruft: »Hinter diesen zahllos vielen und weise-großen Werken muß ein höchst weiser und allmächtiger ewiger Werkmeister verborgen sein!« Obschon aber der Mensch Seinen Ruf vernimmt und den Werkmeister auf die eine oder auf die andere Weise zu suchen beginnt - woran er wohltut -, so fühlt er dabei aber dennoch seine eigene Ohnmacht und Schwäche, die er nicht in eine gottähnliche Kraft umwandeln kann.
   08] Aber so du nun nach der uns geoffenbarten Lehre des Herrn leben und handeln wirst, da wird deine Ohnmacht und Schwäche durch die Gottesliebekraft in dir zur Selbstmacht und Stärke umgewandelt werden, und das wird dir sicher heilsamer sein, als so du noch weiterhin ein Zeuge von noch vielen tausend Zeichen wärest, aber bei dir doch in deiner alten Ohnmacht und Schwäche verbliebest! Siehe, das ist so meine wohlgegründete Ansicht!«
   09] Sagte Ich zum Jünger, der nun also geredet hatte: »Nathanael, zu dir habe Ich nicht mehr not zu sagen: »Wie lange werde Ich dich noch ertragen müssen, bis du verständig wirst in Meinem Reiche!« Denn dir ist das rechte Verständnis schon geworden, und darum sage Ich zu deiner Rede nun das Amen und bestätige alles von dir Gesagte als eine vollste und reinste Wahrheit; denn also ist es, und also wird es auch bleiben für immerdar.
   10] Wer Mich suchen wird in Meinen Werken und Zeichen, der wird eine sehr schwere und mühevolle Arbeit haben und wird leicht erlahmen unter der großen Last und Bürde; wer Mich aber suchen wird in und durch die Liebe, der wird Mich als die Kraft alles Lebens in sich bald und leicht finden. Und hat er Mich gefunden, dann hat er auch schon alles gefunden als das ewige Leben, dessen Macht, Kraft und Weisheit. Das merket euch alle, und prediget es auch den andern Menschen!
   11] Nun aber gehen wir hinaus ins Freie und sehen uns ein wenig um, was es irgend hie und da gibt!«


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