Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 8

Kapitelinhalt 133. Kapitel: Bericht des römischen Hauptmanns über das durch Hellsichtigkeit Geschaute.

   01] Hier streckte unser Raphael die Hände über den Hauptmann aus und zugleich auch über seine Gefährten und über die etlichen Jünger des Johannes, und im Augenblick ward ihre innere Sehe geöffnet, und sie sahen sogleich eine große Anzahl ihnen wohlbekannter Geister, und den Jüngern erschien auch Johannes, belehrte sie über Mich und verwies ihnen ihren Unglauben.
   02] Dem Hauptmann aber erschien auch sein Vater und pries ihn glücklich, daß er schon auf der materiellen Erde das allerhöchste und ewige Lebensglück für seine Seele gefunden habe, und ermahnte ihn mit sehr eindringlichen Worten, daß er dieses Glück ja niemals einem vergänglichen Erdenglück opfern solle. Der Hauptmann gelobte ihm solches auch auf das feierlichste.
   03] Darauf erweckte Raphael die Seher wieder aus ihrer Verzückung, und zwar mit der vollen Rückerinnerung an alles das Gesehene und Gehörte.
   04] Als die Erweckten sich nun wieder in einem natürlichen Zustande befanden, da sagte der Hauptmann: »Ah, das war ja wie ein heller Traum! Aber es war doch ein großer Unterschied zwischen einem Traum und diesem Gesichte; denn in einem Traume erscheinen einem Träumenden selten Menschen, die schon verstorben sind, sondern zumeist doch nur solche, die noch in dieser Welt leben, und sehr oft auch solche, von denen man nicht weiß, ob sie leiblich noch leben oder ob sie irgend auch schon verstorben sind. So sind die Gegenden in den Träumen zumeist phantastischer Art und haben an und für sich keinen Bestand, ebenso die Tiere und die Pflanzen, und verwandeln sich schnell.
   05] Aber da war die Sache ganz anders! Denn erstens befand ich mich nicht, wie in einem Traume, stets nur in einem leidenden, sondern in einem wie völlig selbständig tätigen Zustande, und zweitens war alles, was ich sah, sehr beständig, und die Menschen waren auch vollkommen Menschen. Ihre Sprache war gut, wahr und ernst, und sie gaben mir gar wohl zu verstehen, daß sie nicht in einer traumartigen Unkenntnis alles dessen sind, was ich auf der Erde denke, will und tue.
   06] Zugleich aber sah ich auch meine Gefährten, den Wirt und die etlichen Johannesjünger, sah auch ihren Meister und vernahm, was er zu ihnen gesprochen hat.
   07] Also ersah ich auch des Wirtes Ahnen bis in den zehnten Stamm zurück und bemerkte unter ihnen königliche Gestalten, die sich in einer mehr geheimen Sprache mit ihm besprachen, die ich nicht verstand.
   08] Die Gegend glich einer irdischen. Man sah schöne Berge, Felder, Gärten, Weinberge und eine Menge Wohnhäuser, die gar schön und bestgeordnet aussahen, und die gar große Gegend war wohlerleuchtet, obschon ich kein leuchtendes Gestirn am hellblauen Firmament entdecken konnte. Das Sonderbarste aber war, daß ich durch die ganz klar geschaute Geistergegend auch so manches von dieser materiellen Gegend erblicken konnte, aber nur wie auf Momente, und dennoch blieb die Geistergegend konstant, und das alles beweist mir nun schon hinreichend, daß das von mir Gesehene kein eitel leerer Traum, sondern Wahrheit war.
   09] Jetzt kommt es nur noch darauf an, ob auch die andern - aber treu und wahr dasselbe gesehen und gehört haben, was ich gesehen und gehört habe! Tun sie das so treu und wahr, wie ich es getan habe, dann ist die vollste Wahrheit, mehr als tausendfach erwiesen, klar vor uns da, daß es nach dem Tode des Leibes ein sicheres und bestandvolles Fortleben der Seele eines jeden Menschen, ob Heide oder Jude, gibt.«


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