Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 8

Kapitelinhalt 84. Kapitel: Verbrennen und Einbalsamieren der Leichen.

   01] Als alle vor Mir solches ausgesprochen hatten, da trat noch Agrikola zu Mir und sagte: »Herr und Meister, bei uns Römern werden die Leichname, besonders vornehmer Menschen, verbrannt und die Asche dann in gewissen Urnen und Krügen an dazu bestimmten Orten und Stellen aufbewahrt, oder die Leichname gar hochstehender Herren werden einbalsamiert und dann in den Katakomben aufbewahrt; nur das ganz arme Volk und die Sklaven werden begraben auf den dazu bestimmten wohleingefriedeten Stellen. Ist das also zu belassen oder zu ändern? Was sagst Du zum Verbrennen und Einbalsamieren der Leichname?«
   02] Sagte Ich: »So ihr es nicht ändern könnet, da belasset es beim alten Brauch! Aber das Verbrennen ist besser noch als das Einbalsamieren, durch das der Akt der Verwesung sehr verzögert wird; aber ein rechtes Beerdigen des Leichnams ist das Beste. Nur soll dabei darauf gesehen werden, daß ein Leichnam erst dann beerdigt wird, wenn er vollkommen tot ist, was ein Arzt aus der Gesichtsfarbe und dem üblen Verwesungsgeruch wohl muß beurteilen können; denn bei den Scheintoten stellen sich die eigentlichen Todeszeichen nicht ein. Darum sollen sie auch nicht eher beerdigt werden, als bis sie erkennbar völlig tot sind.
   03] Ein vollkommener Mensch wird wohl freilich nie in den Scheintod kommen; aber der materielle und genußsüchtige Mensch leicht, weil seine Seele oft mit zu großer Liebe an ihrem Fleische hängt. Wenn so ein Mensch auch kalt, steif, atem- und pulslos wird und kein Lebenszeichen von sich gibt, so ist aber die Seele doch noch im Leibe und bemüht sich ängstlich, ihn wieder zu beleben, was ihr nach einigen Tagen auch zumeist gelingt. Wird aber ein solcher Mensch zu bald in die Erde vergraben und wird dann im Grabe wieder auch dem Leibe nach lebendig, so könnet ihr es euch wohl vorstellen, daß das für ihn, wenn auch nur auf einige Augenblicke, einen sicher höchst verzweiflungsvollen Zustand abgeben muß. So ihr aber lebet nach Meiner Lehre, in der vor allem unter euch die Nächstenliebe zu pflegen ist, da gehört auch das sehr zu einem Akte der wahren Nächstenliebe, daß ihr darauf wohl sehet, daß kein Scheintoter begraben oder verbrannt wird. So ihr es aber merket, daß da jemand im Scheintode liegt, da bringet ihn in ein Gemach mit guter und frischer Luft, betet über ihm, und leget ihm die Hände auf, und es wird mit ihm besser werden!
   04] Sollte manches Menschen Scheintod hartnäckiger sein, so habt Geduld, und haltet ihn nicht eher für tot, als bis sich die wahren Todeszeichen an ihm wohlerkenntlich zu zeigen anfangen! Denn was ihr zuverlässig wünschet, daß es euch die Menschen tun möchten, so ihr in einen solchen Zustand, der immer ein trauriger ist, gerietet, das tut ihr auch ihnen! Das merket euch, ihr Römer, ganz besonders! Denn mit dem Beerdigen der verstorbenen Armen und Sklaven macht man bei euch eben keine besonderen Umstände, - und Ich habe euch nun darauf aufmerksam gemacht.«
   05] Als die Römer dieses von Mir vernahmen, dankten sie mir, daß Ich sie darauf aufmerksam gemacht habe, und versprachen Mir, darauf alle denkbare Sorgfalt zu verwenden.


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