Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 8

Kapitelinhalt 052. Kapitel: Maria von Magdalon (Maria Magdalena) und Jesus.

   01] Hier trat die Maria von Magdalon näher zu Mir und sagte; »O Herr und Meister, kann auch ich noch selig werden und dereinst das ewige Leben ernten? Denn ich bin eine große Sünderin, und mir kommt es in Deiner heiligsten Nähe stets mehr und mehr vor, daß ich auch Deiner allergeringsten Gnade zu unwürdig bin!«
   02] Sagte Ich: »Bleibe du nur fortan in der reinen Liebe, und sündige nicht mehr! Das sei deine Sorge; um alles andere werde schon Ich für dich Sorge tragen. Ich habe dich befreit von deinen unreinen Geistern und habe zu dir auch gesagt: Deine Sünden sind dir vergeben, weil du den Armen viel Liebe erwiesen hast und nun auch Mich liebst über alles. Zu wem Ich aber sage: "Deine Sünden sind dir vergeben!", dem sind sie auch wahrhaft vergeben. Aber er muß hinfort keine Sünden mehr begehen; denn sündigt er von neuem wieder, so versetzt er sich in einen noch ärgeren Zustand, als da war sein erster. Aber Ich sehe bei dir den ernsten Willen, nicht mehr zu sündigen, und so wirst du auch verbleiben in Meiner Gnade und Liebe. Wer aber in Meiner Gnade und Liebe verbleibt, der hat schon das ewige Leben in sich und mit ihm die ewige Seligkeit.
   03] Wer aus Liebe zu Mir alles tut, was die Nächstenliebe fordert, dem werde auch Ich alles tun, was in Meiner Macht steht. In Meiner Macht aber steht nicht nur vieles, sondern alles. So du, liebe Maria, nun das weißt, da sei du frohen Gemütes, und tue fortan Gutes, und Ich werde dich nicht verlassen!«
   04] Hierauf fiel die Maria von Magdalon zu Meinen Füßen, dankte Mir mit dem gerührtesten Herzen und benetzte Meine Füße mit ihren Tränen und trocknete sie mit ihren Haaren. Meinen alten Jüngern aber kam diese Szene etwas zu lange dauernd und nach ihrer Meinung auch etwas unanständig vor, und sie murrten heimlich unter sich.
   05] Ich aber merkte das und sagte zu ihnen: »Warum ärgert denn ihr euch darob? Ich bin schon lange unter euch, und ihr habt Mir eine solche Liebe noch nie bezeigt, und Ich verlangte sie von euch auch nicht. Darum aber sage Ich euch nun auch: Wo immer Mein Evangelium den Menschen gepredigt wird, da soll auch dieser Maria volle Erwähnung gemacht werden; denn sie hat Mir einen großen Liebedienst erwiesen. Das merket euch auch! Du, Maria, aber erhebe dich nun wieder, und sei Meiner vollen Liebe und Gnade versichert!«
   06] Darauf erhob sich die Maria und dankte Mir nochmals mit dem liebevollsten Herzen.
   07] Die Jünger aber baten Mich und sie um Vergebung ob ihrer kleinen Ungeduld.
   08] Und Ich sagte: »Lernet die Schwachen ertragen, so werdet ihr dadurch mehr Stärke eurer Seelen vor Mir an den Tag legen, als so ihr nur mit den Helden kämpfet und über sie sieget!
   09] Nun aber ist die Sonne schon ziemlich hoch über den Horizont gestiegen, und das Morgenmahl steht in Bereitschaft; wir wollen dasselbe zu uns nehmen und uns dann von hier nach Bethanien begeben!«
   10] Darauf begaben wir uns behende ins Haus und nahmen das Morgenmahl ein, an dem auch unsere Maria teilnahm.
   11] Nach dem Morgenmahle aber machte Lazarus mit seinem Wirte die Rechnung und nahm den Gewinn, wie auch die andern Schätze und Kostbarkeiten mit sich. Es hatten daran zehn Maultiere zu tragen, da auch die Schätze von den etlichen bekehrten Pharisäern dabei waren, die Lazarus zur Verwaltung übernahm.
   12] Nikodemus, Joseph von Arimathia und der alte Rabbi empfahlen sich Meiner Gnade und Liebe, dankten für alles und gingen samt den Magiern in die Stadt, allwo sie zu tun hatten. Die Magier aber begaben sich zu den Ihrigen, die schon mit vieler Sehnsucht ihrer harrten. Die beiden Römer aber, die zu Emmaus wohnten, zogen mit den sieben Oberägyptern nach Emmaus, von wo aus dann die letzteren nach einigen Tagen wieder in ihr Land zogen. Alle andern Anwesenden aber zogen mit uns nach Bethanien.
   13] Es braucht hier nicht weiter und sonderheitlich angegeben zu werden, welche Menschen noch da waren, da dieselben im Verlaufe der erzählten Begebenheiten auf dem Ölberge ohnehin mehrere Male benannt und bezeichnet wurden.
   14] Maria von Magdalon bat Mich auch, uns nach Bethanien nachkommen zu dürfen, und fragte Mich, wie lange Ich wohl in Bethanien verweilen werde.
   15] Und Ich sagte: »Ich werde daselbst drei Tage hindurch ruhen; denn Ich habe nun viel gearbeitet, und auf viel Arbeit kann man sich eine kleine Rast nehmen. Wenn du dein Haus bestellt haben wirst, dann komme zu uns nach Bethanien!«
   16] Darauf begab sich auch die Maria sogleich nach Hause, um daselbst schnell alles zu ordnen, und das auf einige Tage, da sie es sich vornahm, diese Zeit bei Mir zuzubringen.


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