Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 8

Kapitelinhalt 22. Kapitel: Die Ordnung der geistigen Entwicklung.

   01] Sagte Ich: »Du hast nun als ein ehrlicher Staatsmann recht weise gesprochen, und es verhalten sich die Dinge auch also, wie du sie Mir recht hell und ohne irgendeinen Vorhalt dargestellt hast; und Ich sage es dir, daß wir sie nun in diesem Momente auch nicht ändern wollen, wenn wir das auch sicherlich wohl imstande wären.
   02] Denn wie selbst der irdische Tag nicht auf einmal anbricht, sondern vom ersten, kaum merkbaren Grauen bis zum vollen Sonnenaufgange nur durch gar viele Lichtzunahmestufen nach und nach, ebenso geht es auch mit dem werdenden geistigen Tage bei den Menschen auf dieser Erde. Denn ließe Ich den vollen geistigen Tag allen Menschen auf einmal plötzlich werden, so würden die Menschen, solange sie ihren schweren Leib noch zu tragen haben, dann träge und würden sich nicht mehr viel mit dem Suchen und Forschen abgeben. Sie würden wohl die Gebote halten und handeln nach der in ihnen helleuchtenden Wahrheit, aber das sicher mehr auf eine mechanische, als auf eine vollends lebendige Art; und so ist es sicher besser, daß die Menschen erst so von Stufe zu Stufe durch ihr eigenes Suchen, Forschen und Handeln den geistigen Tag in sich entstehend gewahren und, dabei eine große Freude habend, auch ihre noch in der eigenen Nacht wandelnden Brüder belehren und sie auch zum Suchen des eigenen inneren Geistestages anregen und aneifern, als daß ein jeder Mensch ohne eigenes Tun und Handeln gleich in alle Fülle des inneren Geistestages durch Meine Allmacht versetzt würde.
   03] Es werden besonders in dieser gar finsteren Zeit Meine diese Lehre ausbreitenden Jünger auch mit all dem ausgestattet sein, was nun allein in Meiner Macht steht, und werden in Meinem Namen große Zeichen zu wirken imstande sein, wo und wann selbige zum wahren Wohle der Menschen nötig sein werden; aber es wird dennoch das stets einen um gar vieles größeren Wert haben, wo die Bekehrungen zum Glauben an Mich und Handeln nach Meiner Lehre geschehen werden.
   04] Denn durch das reine Wort erleidet die Seele keinen Zwang, sondern bleibt völlig frei im Erkennen und Handeln, während vor der Lehre gewirkte Zeichen der Seele offenbar einen Glaubenszwang auferlegen und dann eben um nichts besser sind als das Muß des Gesetzes.
   05] Was aber eure äußeren Staatsgesetze betrifft, so sollen sie bestehen fürs Fleisch der Menschen; denn solange der Mensch nicht vollends im Geiste wiedergeboren ist, sind ihm äußere Staatsgesetze notwendig, weil sie ihn in der Demut und Geduld üben, die zur Erreichung der vollen Wiedergeburt höchst notwendig sind, andernteils aber den gar finsteren und bösen Menschen abhalten, seinen Nebenmenschen Böses in zu großem Maße zuzufügen, indem sie mit scharfgezogenen Linien jedem das Seinige zuweisen und den mutwillig dawider Handelnden züchtigen.
   06] Ich sage euch darum auch, daß ihr der weltlichen Macht untertan bleibet, ob sie euch minder gut oder auch gar böse dünkte; denn ihre Gewalt ist ihr von oben verliehen. Wer aber einmal im Geiste wiedergeboren ist, den wird so wenig wie Mich Selbst ein weltliches Gesetz mehr beirren.
   07] Die Kinder aber sollen mit wahrer und ernster Liebe behandelt und erzogen werden. Jede Verzärtelung und Nachgiebigkeit von seiten der Eltern ist ein großer Seelenschaden für die Kinder, der den Eltern als Schuld gerechnet werden wird.
   08] Weise Eltern werden auch mit weisen Kindern gesegnet werden.
   09] Bei der Erziehung der Kinder aber ist ein Muß so lange nötig, bis das Gute der Gesetze zu einem freiwilligen und freudigen Gehorsam geworden ist. Ist der Fall eingetreten, so hat das Kind des Gesetzes Muß in sich selbst aufgehoben und ist zum freien Menschen geworden.
   10] Tuet demnach das, was ihr nun gehört habt, so wird alles gut und recht werden! - Wer noch etwas hat, der frage, und Ich werde ihm Licht geben, damit er wandle und handle am hellen Tage!«


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