Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 8

Kapitelinhalt 19. Kapitel: Die Ohnmacht des Menschen.

   01] Sagte Ich: »Was ihr aber immer tut, das tuet stets in Meinem Namen; denn ohne Mich vermöget ihr nichts Wirksames zum Heile eurer Seelen zu tun! Und wenn ihr am Ende schon alles getan habt, was euch zur Erlangung des wahren, ewigen Lebens zu tun geboten und angeraten ist, da saget und bekennet in euch wie auch vor der Welt, daß ihr faule und unnütze Knechte gewesen seid! Denn nur Gott allein ist Alles in Allem und wirket auch in dem Menschen alles Gute.
   02] Wo ein Mensch den erkannten Willen Gottes tut, da tut er nicht nach seinem eigenen Willen, sondern nach dem Willen Gottes; was aber der Wille Gottes tut im Menschen oder im schon reinen Engel, das ist dann sicher nicht ein Werk pur des Menschen oder eines Engels, sondern ein Werk dessen, wessen der Wille ist, nach dem ein Werk vollbracht ward.
   03] Des Menschen Werk zu seinem Heile ist dabei nur das, daß er aus Liebe zu und aus wahrer Ehrfurcht vor Gott den erkannten Willen Gottes mit seinem freien Willen vollends zu seinem Willen gemacht hat und dann nach demselben handelt. Aber von da an wirkt nicht mehr des Menschen Wille, sondern der Wille Gottes alles Gute im Menschen, und so ist denn das Gute im Menschen auch nur ein Werk Gottes, was der rechte und wahre Mensch anzuerkennen hat in seiner rechten Demut. Schreibt sich aber ein Mensch ein gutes Werk als sein eigenes Verdienst zu, so zeigt er dadurch schon, daß er weder sich und noch weniger Gott je wahrhaft erkannt hat, und er ist darum noch ferne vom Reiche Gottes.
   04] Darum gebet allzeit Gott in allem die Ehre, und handelt stets in Seinem Namen, so werdet ihr die Liebe Gottes in euch haben! Wer aber die Liebe Gottes in sich hat, der hat alles für Ewigkeiten in sich.
   05] Daneben aber merket euch nun auch das: Wenn der Mensch wider den erkannten Willen Gottes Böses tut, so ist die Tat nicht ein Werk Gottes, sondern des Menschen völlig eigene Tat; denn da hat der Mensch seinen eigenen freien Willen nicht dem erkannten Willen Gottes untergeordnet, sondern demselben nur allzeit widerstrebt, und es kann von ihm füglich gesagt werden, daß seine bösen Taten völlig sein eigen sind. Aber eben darum hat der Mensch durch den großen Mißbrauch seines freien Willens sich selbst gerichtet und in seiner Blindheit sich dadurch unglücklich gemacht.
   06] Sehet, es ist da mit diesen geistigen Dingen nahe also wie mit einem weisen Feldherrn und mit seinen ihm untergebenen Kriegern! Die Krieger müssen wohl zu vielen Tausenden in den heißen und blutigen Kampf; aber keiner von ihnen darf anders als nur nach dem Plan und Willen des Feldherrn kämpfen. Wer das tut, der führt auch einen glücklichen Kampf; wer von den vielen Kriegern aber etwa bei sich dächte: "Ah, ich habe selbst Mut, Kraft und auch rechte Kenntnisse, und ich werde auf meine eigene Faust mich in den Kampf begeben und mir für mein Haupt eine Krone erkämpfen!" und träte aus der Kampfesplanlinie seines kriegserfahrenen Feldherrn, der wäre schon so gut wie verloren; denn er würde von den Feinden bald gefangen und arg zugerichtet werden. Und wer schuldet daran? Niemand als er selbst! Warum hat er den Willen seines weisen Feldherrn nicht für immer zu dem seinigen gemacht? Er hätte da ein leichtes gehabt, über die Feinde mitzusiegen. Da er für sich selbst einen Feldherrn und einen Krieger zugleich machen wollte, so ward er auch bald und leicht eine Beute der Feinde.
   07] Ich aber bin auch, und das einzig und allein, ein Feldherr des Lebens gegen alles, was dem Leben ein Feind ist. Wer da unter Meinen Geboten und nach Meinen Plänen kämpft, der wird auch gegen die vielen Lebensfeinde leicht zu kämpfen haben und sie auch leicht besiegen; wer sich aber ohne Mich und nach seinem eigenen Verstande und Willen in den Kampf mit den vielen Feinden des Lebens einlassen wird, der wird gefangen und dann arg zugerichtet werden. Ist er aber einmal in der harten Gefangenschaft, wer wird ihn dann aus derselben erlösen, wo er seine ärgsten Lebensfeinde nur in sich selbst zu suchen und zu bekämpfen hat?!
   08] So aber jemand an Meiner Seite leicht den Sieg über gar viele Feinde erkämpft, so ist dann der Sieg ja doch nur Mein Werk; denn er konnte den Sieg ja doch nicht anders als nur durch die genaue Befolgung Meines Willens, Planes und Rates erkämpfen. Ist der erkämpfte Sieg aber Mein Werk, so ist er auch Mein Ruhm und Mein Verdienst!
   09] Ihr werdet nun hoffentlich zur Genüge einsehen, wie und warum ihr ohne Mich nichts Verdienstliches zum ewigen Heile eurer Seele wirken könnet, und warum ihr dann noch, so ihr alles getan habt, was euch weisest zu tun geboten war, frei vor Mir zu bekennen habt, daß ihr faule und unnütze Knechte an Meiner Seite waret.
   10] Wenn ein Landmann seinen Acker bebaut, so düngt er ihn, ackert dann das Erdreich mit dem Pfluge auf, streut das Weizenkorn in die Furchen und eggt es darauf ein, und er hat dann bis zur Ernte nichts mehr zu tun. Ist darauf die Ernte des Landmanns pures Verdienst und Werk, oder ist sie nicht vielmehr in allem Mein Werk und Verdienst? Wer schuf ihm das kräftige Ochsenpaar für seinen Pflug? Wer gab ihm Holz und Eisen, wer das Samenkorn mit dem lebendigen Keime? Wer legte in diesen schon zahllos viele neue Keime und Körner? Wessen war das alles erwärmende und alles belebende Licht der Sonne? Wer sandte den fruchtbaren Tau und Regen? Wer gab den wachsenden und reifenden Halmen das Gedeihen und wer am Ende dem Landmanne selbst das Leben, die Kraft, die Sinne, die Vernunft und den Verstand?
   11] Wenn ihr nun dieses Bild so ein wenig tiefer überdenket, so wird es euch doch klar werden, wie höchst wenig als Werk und Verdienst bei der Bestellung des Ackers auf den Landmann entfällt? Ganz bei klarem Lichte betrachtet wohl beinahe gar nichts, - und doch mag dieser sagen: "Sehet, das habe ich alles meinem Fleiße zu verdanken!" Aber daran denkt er kaum, wer der alleinige Hauptbearbeiter des Weizenackers war! Sollte er nicht vielmehr in seinem Herzen sagen und bekennen: "Herr, Du großer, guter und heiliger Vater im Himmel, ich danke Dir für solche Deine Sorge! Denn alles das war, ist und wird sein allzeit nur Dein Werk; ich war dabei ein fauler und völlig unnützer Knecht!"?
   12] Wenn sich aber das schon bei einer materiellen Arbeit wohl geziemte, um wieviel mehr geziemt sich das dann erst zu sagen und zu bekennen von seiten eines Menschen, dem Ich seinen geistigen Lebensacker mit allem und jedem bearbeiten helfe, wobei er schon eigentlich nichts anderes zu tun hat, als an Mich zu glauben und dann Meinen göttlichen Willen als ein purstes Geschenk aus Mir sich also anzueignen, als wäre er so ganz sein, obwohl er im Grunde des Grundes dennoch pur Mein ist! Wenn solch ein Mensch mit dem Vollbesitze Meines Willens dann alles vermag und große Dinge und Werke verrichten kann, wessen ist dann das Hauptverdienst?«


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