Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 7 Index

Kapitelinhalt 212. Kapitel: Jesus im Palast des Cyrenius.

   01] (Der Herr:) »Der Grieche Anastokles aber entschuldigte sich, daß er kaum mit uns werde zu Cyrenius gehen können, da er in der Herberge noch so manches zu besorgen habe.
   02] Ich aber sagte zu ihm: "Laß du nun die Herberge Herberge sein, - die wird das ihrige schon zu tun wissen; das aber, was dir bei uns zuteil wird, wird dir mehr nützen als die Herberge, und dein Haus - da du nun wohl weißt, mit wem du es in Mir zu tun hast - wird morgen noch eher fertig sein, als wir morgen von hier zu deinem Hause zurückkommen werden.
   03] In der Nacht soll in deinem Hause die Verwandlung also vor sich gehen, daß es niemand von deinen Leuten merken soll! Doch am Morgen werden sie gar sehr verwunderlich große Augen machen, so sie in einem ganz neuen Hause, das aber dennoch dem alten völlig ähnlich, nur in allem größer und bequemer sein wird, sich befinden werden, - wie das auch mit dem Stalle der Fall sein wird. Wenn du das nun aus Meinem Munde weißt, so kannst du nun schon ganz ruhig sein und mit uns zu Cyrenius gehen, allwo wir uns alle wohlbefinden werden."
   04] Sagte darauf Anastokles: "Ja, wenn also, da laß ich freilich die Herberge Herberge sein und gehe mit euch zu Cyrenius! Vielleicht wird er sich auch meiner noch von Ostrazine aus erinnern!"
   05] Sagte Ich: "Laß das nur fein Mir über, das werde schon Ich machen; denn Ich kann alles, was Ich will!"
   06] Mit dem war unser Anastokles ganz zufrieden und ging nun mit uns in den prachtvollen Palast des Cyrenius und seiner hohen Räte, Minister und Feldherren, die alle in dem großen Palaste wohnten.
   07] Als wir in die Gemächer des Cyrenius kamen, da gingen dem Griechen vor lauter Verwunderung ordentlich die Augen über; denn solch eine Pracht und solch einen Reichtum hatten seine Augen noch nie irgend zuvor einmal gesehen.
   08] Geheim sagte er (Anastokles) zu Mir: "Aber Meister voll göttlicher Kraft, das ist ja unmenschlich, was es da für Schätze und namenlose Reichtümer gibt! Was besitzt ein Mensch und wie blutwenig dagegen viele Hunderttausende!"
   09] Sagte Ich: "Es ist aber also besser; denn hätten alle Menschen solche und so viele Schätze, so hätten sie erstens keinen Wert, und zweitens würden die Menschen bald allen Tätigkeitseifer verlieren und am Ende gleich den Tieren in aller Trägheit fortleben. Sie würde dann nur der Hunger und der Durst zu der erforderlichen Tätigkeit antreiben; alles andere hätte für sie keinen Reiz und Eifer. Wenn aber solche glänzenden Schätze und Reichtümer sich nur in den Händen weniger kluger Menschen befinden, so haben sie dann für alle anderen Menschen der großen Seltenheit wegen auch einen kaum schätzbaren Wert, und die Menschen werden dabei tätig und arbeitsam, um sich bei solchen Reichen nur etwas ganz Geringes von den kostbarsten Schätzen zu verdienen. Und siehe, das ist ja gut!
   10] Da ersiehst du wohl große Massen Goldes und Silbers und eine unzählige Menge der kostbarsten Edelsteine und Perlen; so dir Cyrenius nur eine der herrlichen Perlen darum gäbe, daß du ihm irgendeine Arbeit verrichten solltest, da würdest du sicher bald alle deine Kräfte möglichst anstrengen, um dir nur eine solche Perle zu verdienen. Hättest du aber solcher Perlen ohnehin eine solche Menge, so würdest du dann der einen Perle wegen deine Kräfte sicher nicht anstrengen und bei dir sagen: ,Oh, der einen Perle wegen kann da arbeiten, wer da will! Ich habe ihrer ohnehin zur Genüge und kann mir gut geschehen lassen!' Aus dem aber magst du schon ersehen, daß es in der Welt für die Menschen ganz gut ist, so dergleichen große Schätze und Reichtümer sich stets nur in den Banden weniger befinden -. Siehst du das ein?"
   11] Sagte der Grieche: "Wer sollte das nicht einsehen, wenn Du es einem erklärst? Cyrenius aber ist zwar ein strenger, doch dabei auch ein gerechter und guter Regent und gedenkt allzeit der wahrhaft Armen, obschon er jeden zuvor wohl prüft, ob er ein wahrhaft Armer oder, wie es oft der Fall ist, nur ein Träger ist, dem das Arbeiten nicht schmeckt. Weil er aber ein solcher Mann ist, so ist es auch recht und billig, daß er so große Schätze und Reichtümer besitzt."
   12] Und also ward denn auch unser Grieche nun ruhiger und konnte die Pracht des Palastes leichter und gleichgültiger ertragen.
   13] Während Ich aber mit dem Griechen Meine Sache hatte, besprach sich Cyrenius mit Joseph angelegentlichst über Mich, und was Ich unterdessen alles getan hatte, was Joseph und Jakobus ihm auch in Kürze alles getreu mitteilten, wobei er eine große Freude hatte. Gut bei zwei Stunden lang dauerte das Fragen und Erzählen, woran auch die meisten hohen Räte und Minister teilnahmen, die sich über Mich nicht genug verwundern konnten.«


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