Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 7 Index

Kapitelinhalt 185. Kapitel: Jesu Anordnung für den Besuch des Tempels. Jesus und seine Widersacher.

   01] Nikodemus und Joseph von Arimathia aber, wie auch der alte Rabbi, kamen hier in eine kleine Verlegenheit, am Sabbat nach dem Sonnenaufgang am Morgenmahle teilzunehmen.
   02] Ich aber sagte zu ihnen: »So ihr schon hier des Sabbats wegen Bedenken in euch aufkommen lasset - da ihr nun doch schon wissen solltet, daß Ich auch ein Herr des Sabbats und des Moses bin -, wie wird es euch erst dann ergehen, wenn ihr wieder im Kollegium der Pharisäer und Ältesten von Jerusalem sitzen werdet?«
   03] Auf diese Meine Worte hin ermannten sich die drei und gingen mit uns ins Haus, aßen und tranken mit uns und wurden dabei voll guter Dinge.
   04] Und der alte Rabbi sagte: »Ja, ja der Herr und Meister hat in allem recht! Eine alte Gewohnheit ist wie ein rostiges Hemd; man kann es mit allem Fleiße dennoch nimmer völlig rein machen!«
   05] Sagte Ich: »Da hast du ein wahres Wort geredet; ziehet daher den alten Menschen völlig aus, und leget einen neuen an, - denn der alte Mensch tauget hinfür nicht mehr! Aber nun esset und trinket noch, dann lasset uns in den Tempel gehen!«
   06] Sagte darauf Nikodemus: »Getrauest Du Dich wohl noch einmal unter die Wüteriche des Tempels?«
   07] Sagte Ich: »Meinetwegen gehe Ich auch nicht in den Tempel, sondern des Volkes wegen, das heute um Meinetwillen hierhergekommen ist; und darum fürchte Ich die Wüteriche nicht! Aber nun trachten wir, bald in den Tempel zu kommen!«
   08] Auf diese Meine Bemerkung getraute sich keiner mehr, Mir eine Gegenvorstellung zu machen; denn es dachte sich ein jeder und sagte bei sich: 'Er hat Macht über Himmel und Hölle und hat da nicht Not, sich vor des Tempels Wüterichen zu scheuen oder gar zu fürchten!'
   09] Bevor Ich aber noch hinabging in den Tempel, fragten Mich die Römer und auch die Jünger, ob auch sie mit in den Tempel gehen sollten, und was unterdessen mit der Jugend geschehen solle.
   10] Sagte Ich: »Keinem von euch kann jemand den Eintritt in den Tempel verwehren; die Jugend aber bleibt hier, und Mein Diener weiß es schon, was er zu tun hat. So ihr aber in den Tempel gehet, dann gehet voraus, und wählet euch die rechten Plätze; Ich aber werde gleichwohl nachkommen. Doch Meine alten Jünger bleiben und gehen mit Mir; denn für sie tut das not, auf daß sie Zeugen von allen Meinen Worten und Taten seien!«
   11] Sagte der Römer Agrikola: »Das möchte ich zwar auch sein, aber es geschehe da wie überall und allzeit Dein allein heiliger Wille!«
   12] Sagte Ich: »Wenn du allein gerade auch bei Mir als ein Zeuge sein willst, so kannst du dich auch an Meine alten Jünger anschließen; denn Ich werde, bevor Ich Meinen Mund vor den Juden auftun werde, noch ein Zeichen wirken. Ein Blindgeborener, den wir unfern des Tempels treffen werden, soll sehend werden, und das gerade heute als an einem Sabbat! Und so möget ihr andern nun vorausgehen, ihr vier aber, die ihr erst gestern zu Mir übergegangen seid, tut besser, so ihr hier bleibet; denn im Tempel würdet ihr alsbald erkannt und verfolgt werden.«
   13] Das sahen die vier auch ein und blieben auf dem Ölberg.
   14] Es trat aber auch noch Nikodemus zu Mir und fragte Mich, wie er mit seinen beiden Gefährten unbemerkt hinabkommen könnte.
   15] Sagte Ich: »Schließet euch den Oberägyptern an, die werden euch schon also hinabführen, daß euch niemand bemerken wird!«
   16] Damit waren auch diese zufrieden und machten sich mit den Oberägyptern sogleich auf den Weg, und alle die andern folgten ihnen bald nach; nur die noch immer bei Mir weilenden drei Magier blieben noch und schickten sich an, Mir auch nachzuziehen.
   17] Da sagte Simon Juda, genannt Petrus: »Herr, willst Du denn, daß auch die drei mit uns ziehen sollen?«
   18] Sagte Ich: »Was kümmert dich das? Als Ich alle andern voranziehen hieß, da habe Ich diese drei nicht ausgenommen; aber ihrem Willen und Herzen habe Ich darum keinen Zwang angelegt, und sie können tun, was sie wollen, und wozu sie der Sinn ihres Herzens antreibt. Was aber Mir recht ist, darüber sollst du dich nicht also kümmern, als wäre es etwa etwas Unrechtes; denn die uns nachfolgen, wandeln sicher nicht auf einem Irrwege.«
   19] Damit war denn auch unser Petrus zufrieden, und wir fingen an, uns auf den Weg zu machen.
   20] Schließlich trat noch der Wirt Jordan zu Mir und fragte Mich wegen eines Mittagsmahles.
   21] Ich aber sagte zu ihm: »Mein Freund Jordan, nun heißt es, geistig Hungernde und Dürstende speisen und tränken, was viel mehr wert ist denn die Speise für den Leib und der Trank für eine trockene Kehle! Darum sorge da dich nun nicht schon für ein Mittagsmahl; wenn Ich aber wiederkehre, da wird sich schon alles zur rechten Zeit noch finden!«
   22] Mit diesem kurzen Bescheide war denn auch der Wirt völlig zufrieden, berief hernach bald alle Diener des Hauses zusammen und gab ihnen allerlei gute Lehren, so daß darauf alle, bei dreißig an der Zahl, an Mich glaubten; denn früher wußten sie, obwohl sie gar viele Zeichen sahen, bei sich doch nicht recht, was sie so ganz eigentlich aus Mir hätten machen sollen. Damit hatte denn nach Meinem Rate auch Jordan geistig Hungrige und Durstige in Meinem Namen gespeist und getränkt.
   23] Ich aber zog, als Ich solchen Rat dem Jordan gesagt hatte, mit Meinen Jüngern sogleich hinab in die Stadt, allwo in allen Gassen und Straßen eine große Menschenmenge hin und her und auf und ab wogte.


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