Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 7 Index

Kapitelinhalt 168. Kapitel: Ratschläge Jesu für Agrikolas Heimreise. Stärkung des Glaubens und Vertrauens durch Übung. Reife für den Empfang von Gnadengaben.

   01] Darauf trat der Römer Agrikola zu Mir und sagte: »Herr und Meister, da sich nun alles von hier zu entfernen beginnt, so haben denn auch wir Römer daran zu denken angefangen, wie und wann auch wir unsere Rückreise antreten werden! Da ich aber nun besonders in Deiner Gegenwart ohne Deinen Rat nichts unternehmen und ausführen will, so bitte ich Dich auch in dieser Einsicht um Deinen göttlich weisen Rat.«
   02] Sagte Ich: »Dich, Freund, drängt jetzt noch keine Zeit, da du vom Kaiser aus ja ohnehin die Weisung hast, daß du nötigenfalls mehr denn ein halbes Jahr von Rom wegbleiben kannst! Es ist aber nun hier im Judenlande, wie im ganzen euch Römern gehörigen Asien, eben nichts von irgendeiner besonderen Regierungswichtigkeit vorhanden, und weil du darum deine Heimreise antreten kannst, wann es dir beliebt, so meine Ich, wenn du solches erst etwa übermorgen tuest, so wirst du ob des noch längeren Verharrens bei Mir nichts verlieren. Erst in einem Jahre wirst du vom Kaiser mit einer Mission nach Britannien betraut werden, bei welcher Gelegenheit dich dein ältester Sohn, der deinen Namen trägt, begleiten und alldort auf eine längere Zeit ein hohes Amt überkommen wird. Ob du demnach nun auch um einen ganzen Monat später nach Rom zurückkommst, so macht dir das nichts; denn du wirst da noch immer früh genug daheim eintreffen.
   03] Ich möchte dir aber auch noch den Rat erteilen, wie du auf deinen großen Schiffen am sichersten nach Hause kommen kannst. Siehe, es treten nun bald die Tag- und Nachtgleichungsstürme ein, die, weil sie gerade vom Westen herwehen, den Schiffen, die von Osten nach Westen steuern, sehr hinderlich sind! Daher würdest du in dieser Zeit über das große Mittelländische Meer nicht wohl weiterkommen. Darum schlage du den Heimweg über Kleinasien zu Lande ein, und laß deine Schiffe hinauffahren bis an die erste Meerenge. Cyrenius wird dir bis dahin schon eine sichere und beste Gelegenheit verschaffen. Dort kannst du das schmale Meer leicht und ohne alle Gefahr überschiffen und von dort weg längs der Ufer Griechenlands bis nach Dalmatia gelangen. Von dort aus wirst du den schmalsten Teil des Adriatischen Meeres leicht überschiffen. Von dort weg weißt du den sichern Weg nach Rom ohnehin. Aber die Schiffe wirst du erst um ein paar Monde später in einen südlichen Hafen unter Rom überbringen lassen können, was da auch noch früh genug sein wird. Ich habe dir das nun nur deshalb mitgeteilt, damit du auch in irdischer Beziehung keinen Schaden erleidest.«
   04] Sagte Agrikola: »Herr, ich danke Dir für diesen Deinen natürlichguten Rat, den ich auch allergenauest befolgen werde! Aber ich kann bei dieser Gelegenheit dennoch nicht umhin, dahin meine Bemerkung zu machen, daß ich auch trotz der Gegenwinde des Mittelmeeres mit dem festesten Vertrauen und Glauben auf Deine allmächtige Hilfe eben über das Mittelmeer in die Häfen Roms gelangen könnte; denn Dir, o Herr, sind ja, wie ich mich wohl überzeugt habe, alle Dinge möglich! Warum sollte Dir das entweder nicht möglich oder wenigstens nicht genehm sein? Ich werde aber dennoch Deinen ersten Rat strenge befolgen und habe diese Frage nur meines puren Wissens wegen aufgestellt.«
   05] Sagte Ich: »Du hattest ganz recht, daß du Mich also gefragt hast; denn siehe. Ich habe dir den ersten Rat auch nur darum gegeben, um dir eine Gelegenheit zu verschaffen, dich selbst zu erproben, wie stark dein Glaube und dein Vertrauen auf Meine Liebe, Weisheit, Kraft und Macht ist!
   06] Ist dein Glaube und dein Vertrauen auf Mich so stark, daß dich in jeder noch so drohenden Gefahr kein noch so geringer Zweifel mehr befällt, und das dahin, als möchte Ich dir aus irgendeinem geheimen Grunde etwa nicht helfen, so kannst du es schon wagen, auf dem Meer auch gegen die größten Stürme zu steuern; denn so du ihnen in Meinem Namen gebötest zu verstummen, so würden sie auch verstummen im Augenblick, in dem du ihnen das gebötest. Aber dazu, Freund, ist dein Glaube und dein Vertrauen denn doch noch trotz deines guten Willens ein wenig zu schwach!
   07] Du zweifelst wohl nicht im geringsten darüber, daß Mir da wohl alles zu bewirken möglich ist; aber du würdest zweifeln, ob Ich das, um was du Mich bittest, wohl auch allzeit tun werde, und siehe, auch dieser gewisserart bescheidene Zweifel würde dich, trotzdem Ich dir auch hülfe, wenn du Mich bätest, in eine stets große Furcht und Angst versetzen, und daher ist es diesmal für dich besser, so du Meinen ersten Rat befolgst!
   08] Der Glaube und das Vertrauen müssen zuvor auch geübt werden, bis sie völlig dazu taugen, den eigenen Willen mit dem Meinen also zu einen, daß das Gewollte ohne das geringste Mißlingen geschehen muß. Denn nur durch den vollen und lebendigen Glauben und also auch durch das gleiche Vertrauen kann sich ein Mensch im Geiste und in Meinem Namen überall als vollwirkend hinversetzen, und es muß geschehen, was er will.
   09] Du wirst aber erst mit der Zeit im Glauben und Vertrauen diejenige Festigkeit überkommen, durch die dein Wille vollkräftig wird; und du wirst den Elementen wirksam gebieten können in Meinem Namen. Du wirst aber selbst bei Gelegenheit der von Mir dir angeratenen Heimreise schon auch auf manche kleinen Gefahren kommen; aber sie werden dir nichts anhaben können, da Ich dich allenthalben beschützen werde. In einem Jahre aber, wenn du nach Hispania, Gallia und Britannia ziehen wirst, wirst du auch schon jenen Grad der Glaubens- und Willenskraft besitzen, gegen die sich kein Feind wird auflehnen können; jetzt aber besitzest nu das noch nicht.«
   10] Sagte abermals Agrikola: »Herr und Meister, die siebzig Arbeiter, die Du ehedem als Jünger in die Welt fortsandtest, sind doch sicher auch nicht um vieles fester im Glauben und Vertrauen gewesen als ich und meine Gefährten, und Du hast ihnen dennoch Fähigkeiten erteilt, die wahrlich nichts zu wünschen übriglassen! Die ihnen erteilten Gaben sind ihnen zu ihrem Amte freilich wohl notwendiger als unsereinem; aber die Notwendigkeit allein kann da ja doch nicht die völlig gültige Bedingung zum Empfang solcher wunderbaren Fähigkeiten sein! Ich wäre da der Meinung nach Deiner Aussage, daß man dazu durch den Glauben und durch das Vertrauen befähigt sein muß. Ob die siebzig aber dazu schon völlig befähigt waren, das ist nun freilich eine ganz andere Frage, die nur von Dir als völlig wahr und gültig beantwortet werden kann!«
   11] Sagte Ich: »Diese siebzig waren schon ganz wohl befähigt dazu, weil sie ganz einfache Menschen und schon seit ihrer Jugend im Glauben und Vertrauen fest sind. Sie fragten bei den verschiedenen Zeichen, die vor ihren Augen gewirkt wurden, nicht, wie etwa dieses oder jenes möglich war, sondern sie glaubten, daß Mir nichts unmöglich ist, und daß am Ende auch ihnen alles, was sie in Meinem Namen wollen, möglich sein muß. Und siehe, infolge solchen ganz ungezweifelten Glaubens und Vertrauens habe Ich ihnen auch leicht und wirksam die von euch allen vernommenen Fähigkeiten erteilen können!
   12] Bei ihnen was der Glaube vor dem Wissen, bei euch aber ging das Wissen dem Glauben voran, und das ist für den Empfang der wahren inneren geistigen Fähigkeiten ein großer Unterschied! Aber es macht das nun nichts; denn auch ihr werdet, so ihr mit der Weile nicht schwach im Glauben werdet, dieselben Fähigkeiten erhalten. - Hast du, Agrikola, Mich nun verstanden?«
   13] Sagte Agrikola: »Ja, nun habe ich Dich ganz verstanden und danke Dir aus aller Tiefe Meines Herzens für diese Deine gar wichtige Belehrung; ich werde sie in mir mit allem Eifer zu verwirklichen suchen!
   14] Aber, Herr, dort auf der Straße, die sich von Morgen hierher zieht, sehe ich eine ganze Karawane diesem Orte zuziehen! Da sie wahrscheinlich hier übernachten wird, so wird für uns in der Herberge nicht viel Raum übrigbleiben. Sind das Juden, Griechen oder gar Perser?«
   15] Sagte Ich: »Mich kümmert dieses Handelsvolk wenig; aber wenn du schon durchaus wissen willst, wer diese Karawane ist, und woher sie kommt, so kann Ich dir das ja wohl auch sagen. Es ist das eine Karawane, die aus Damaskus hierher kommt und übermorgen von da weiter nach Sidon ziehen wird; sie führt allerlei Metallgerätschaften mit sich auf den Markt. Diese Menschen sind Juden und Griechen. Wenn du ihnen heute noch etwas abkaufen willst, so kannst du das tun; denn morgen dürfen sie keinen Markt halten.«
   16] Sagte Agrikola: »Das werde ich nicht tun; denn mit solchen Dingen sind meine Schiffe und mein Hauswesen daheim ohnehin reichlichst ausgestattet. Aber was werden wir nun machen? Die Sonne steht schon am Horizont!«
   17] Sagte Ich: »So lassen wir sie stehen! Wir wollen nun, als am Anfange des Abends, ein wenig ruhen; denn wir haben gearbeitet zur Genüge! Dann wird es sich schon zeigen, was alles uns der Abend noch bescheren wird.«


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