Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 7 Index

Kapitelinhalt 157. Kapitel: Wie wahre Reue und Buße beschaffen ist.

   01] (Der Herr:) »Wer zu Mir wohl sagt: 'Herr, Herr!', der ist noch ferne vom wahren Reiche Gottes; wer aber an Mich glaubt und das tut, was zu tun Ich ihn gelehrt habe, der wird das auch erreichen, was ihm verheißen und gezeigt ist, und wird erst durch das Tun in sich gewahr werden, daß die Worte, die Ich geredet habe, nicht Menschenworte, sondern wahrhaft Gottesworte sind; denn Meine Worte sind in sich selbst Liebe, Licht, Kraft und Leben. Meine Worte tun euch offen kund Meinen Willen. Wer aber Meinen Willen in sich aufnimmt und danach tut, der wird in sich das ewige Leben haben und wird leben fort und fort, so er auch, wenn es möglich wäre, dem Leibe nach stürbe viele hundert Male.
   02] So ihr (angeblich nachfolgewillige Pharisäer) aber schon einen so großen Ernst habt, sobald als möglich wenigstens in den ersten Grad der inneren Lebensvollendung zu gelangen, dann gehet heim, teilet eure sehr überflüssigen großen Schätze unter die gar vielen Armen, und kommet dann und folget mir nach, so werdet ihr euch dadurch den für euch noch sehr langen und weiten Weg zum Reiche Gottes sehr abkürzen! In Meiner Nachfolge aber sollet ihr ebenso einfach bekleidet einhergehen, wie ihr da sehet, wie höchst einfach auch Ich und alle Meine wahren Jünger bekleidet sind. Ihr brauchet da keinen Stock und in eurem Rock und Mantel keine Säcke (Taschen), sondern allein ein williges und offenes Herz; für alles andere wird schon der Vater im Himmel sorgen!«
   03] Bei diesem Rate machten die zwei Pharisäer wie auch die zwei Leviten ganz bedeutend saure Gesichter, und der eine Pharisäer sagte: »Herr und Meister, ich sehe wohl ein, daß du da höchst wahr und recht geredet hast; aber bedenke, daß wir Weiber und Kinder haben, die wir zuvor denn doch in eine gewisse Ordnung bringen und mit dem Nötigsten versorgen müssen! Haben wir das ehestmöglich abgetan, dann wollen wir unseren Überfluß schon unter die Armen verteilen und dir dann mit freudigem Herzen nachfolgen.«
   04] Sagte Ich: »Sind denn eure Weiber und Kinder besser als jene gar vielen Witwen und Waisen, die ihr um all ihre Habe gebracht und in die größte Not und in das größte Elend gestürzt habt? Wenn diese nun durch schweres Tagewerk sich ihr kümmerliches Brot verdienen müssen, während eure Weiber und Kinder im ungerechten Überflusse prassen und sich vor lauter Hochmut noch obendrauf nicht zu helfen wissen und verächtlich dahin spucken, wo die arme Witwe mit ihren halbnackten und durch den Hunger abgezehrten Kindern um einen kargen Lohn arbeitet, deren Güter ihr auf die ungerechteste und liebloseste Weise verschlungen habt, - was Ungerechtes wäre dann das etwa, so auch eure stolzen und übermütigen Weiber und Kinder einmal in dieser Welt darbten und dadurch zu der für ihre Seelen höchst wohltätigen Erkenntnis kämen, wie wohl es etwa den armen Witwen und Waisen getan hat, vor denen sie oft ausgespuckt und sie ein zerlumptes Gesindel genannt haben, das kaum wert sei, von der Sonne beschienen zu werden!
   05] Doch Ich will euch damit ja nicht irgend bemüßigen, daß ihr das tun sollet; denn euer Wille ist ebenso frei wie der Meinige; aber da ihr Mich um Rat gefragt habt, was ihr tun sollet, um desto eher zur inneren Lebensvollendung zu gelangen, so habe Ich euch auch den ganz rechten und vollwahren Rat gegeben.
   06] Ich habe es euch aber ja auch schon zum voraus gesagt, daß ein Versprechen geben viel leichter ist, als dasselbe halten. Ich sage euch aber noch hinzu:  Wer um Meines Namens willen nicht Haus, Acker, Weib und Kind verlassen kann, der ist Meiner auch noch lange nicht wert; und a wer seine Hände an den Pflug des Reiches Gottes legt, sich aber dabei noch umsieht nach den Dingen der Welt, der ist noch lange nicht geschickt zum Reiche Gottes! Das wisset ihr nun; tuet, was ihr wollet!« (a Lukas.09,62; Philipper.03,13;  ⇒ jl.ev01.127,14-15;  jl.ev11.310,04)
   07] Sagte der Pharisäer: »Aber, Herr und Meister, siehe, dein sicher wahrer Freund Lazarus, wie auch Nikodemus und Joseph von Arimathia sind sicher noch um sehr vieles reichere Menschen, als wir da sind! Warum verlangst denn du von ihnen nicht das, was du von uns verlangt hast?«
   08] Sagte Ich: »Zwischen ihren und euren Gütern ist ein gar himmelgroßer und -hoher Unterschied! Ihre Güter sind durchaus ein streng gerechtes Besitztum. Sie sind gerechte Stammgüter, und die darin enthaltenen, wahrlich königlich großen Schätze sind das Produkt eines wahren und doch höchst uneigennützigen Fleißes und des wirksamen Segens aus den Himmeln Gottes. Zugleich sind die drei Genannten nun beinahe die einzigen Unterstützer der vielen Tausende, die durch euer gottloses Treiben und Gebaren arm und elend geworden sind. Sie sind somit noch die wahren Sachwalter Gottes auf Erden über die ihnen anvertrauten Güter der Erde und betrachten ihre Güter auch als nichts anderes als nur als das, was sie als ein Geschenk von oben sind, das sie zur Versorgung der vielen Armen zu verwalten und zu bestellen haben.
   09] Ist das etwa auch mit euren zusammengeraubten Gütern der gleiche Fall?! Ja, solche Menschen sollten nur noch viel mehr besitzen und könnten das auch auf die gerechteste und Gott wohlgefälligste Weise, wenn ihr ihnen nicht durch allerlei List und Betrug und auch Gewalt gut die Hälfte abgenommen hättet. Ihr habt euch dann damit gemästet, und sie mußten so manchen Armen darum karger beteilen. War das dann etwa auch eine Gott wohlgefällige Handlung von euch, und konnte Gott solche eure Güter je segnen? Ja, der Segen der Hölle ruht darauf, aber der Segen Gottes sicher nicht; denn ruhte darauf Gottes Segen, so könnte Ich euch davon wohl die wahrste Kunde geben!
   10] Vergleichet euch darum ja nicht mit diesen dreien und auch nicht mit diesen hohen Römern da, die auch überreich sind, aber ihr Reichtum ist ein gerechter! Und auch sie sind die Wohltäter von vielen Tausenden und haben des Segens von oben in Hülle und Fülle, obschon sie Heiden sind; aber sie stehen als solche Gott um ein Unaussprechliches näher denn ihr als Juden.
   11] Von solchen weltreichen Menschen, wie ihr da seid, sage Ich in Meiner vollsten göttlichen Macht und Kraft zu euch, wie Ich das schon a einem euch sehr ähnlichen Reichen gesagt habe: b Leichter geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, denn ein solcher Reicher in das Reich Gottes! (a Matthäus.19,23 = Markus.10,24; = Lukas.18,24;  ⇒ jl.ev05.258,12ajl.ev08.166,14a; b Matthäus.19,24 = Markus.10,25; = Lukas.18,25;  ⇒ jl.ev05.258,12b*;  jl.ev08.166,14b; Wort.073/73) - Habt ihr das nun vernommen?«
   12] Sagten nun die Pharisäer: »O Herr und Meister, wir erkennen nun nur zu sehr die Wahrheit deiner Worte und haben auch schon in uns den vollen Entschluß gefaßt, deinen Rat genau zu befolgen; aber wir bitten dich, daß du uns dazu die gehörige Kraft und den rechten Mut erteilen mögest! Denn jetzt erst fangen wir an, so recht innezuwerden, wie schwer es für die Seele ist, die einmal von der Macht der Hölle ergriffen ist, sich aus deren Gewalt frei zu machen. Wenn du, o allmächtiger Herr und Meister, einem Gefangenen nicht hilfst, so bleibt er gefangen in Ewigkeit!«
   13] Sagte Ich: »Jawohl, da habt ihr recht geredet; daher sollet ihr jeden ungerechten Pfennig dem ersetzen, den ihr darum betrogen habt! Denn so ihr das nicht tuet, so könnet ihr in das Reich Gottes nicht eingehen, und gleich euch auch nicht ein jeder andere.
   14] Aber da ihr gar vielen von denen, die ihr betrogen habt, den ihnen zugefügten Schaden unmöglich wieder gutmachen könnet, so verteilet alles, was ihr habt, mit gutem Willen und Herzen unter die Armen, und habt darum keine Furcht vor der Welt, dann werden euch eure vielen Sünden erlassen werden, und ihr möget dann kommen und Mir nachfolgen! Wo Ich aber sein werde, werdet ihr gar leicht erfahren, wenn es euch ernst ist, Mir nachzufolgen. Es wird euch das wohl einen starken Kampf kosten; aber wer da gerecht und klug kämpft, der siegt auch sicher, und ein sicherer Sieg ist doch wohl auch sicher allzeit des Kampfes wert.
   15] Nun habe Ich euch alles gesagt, was ihr zu tun habt, und ihr könnet euch mit der Unwissenheit nimmer entschuldigen. Von nun an kommt es auf euren Willen und auf eure Klugheit an.«


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