Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 7 Index

Kapitelinhalt 91. Kapitel: Lebensversorgung durch Ergebenheit in Jesu Willen. Die reale und die geistige Sündflut.

   01] Als Ich solches verkündet hatte, da ward alles über die Maßen fröhlich.
   02] Ich aber sagte zu Lazarus: »Und du lasse nun Brot und Wein hierher bringen; denn wir wollen nun frohen Mutes sein!«
   03] Und es wurde Brot und Wein in rechter Menge gebracht. Als nun des Brotes und Weines in gerechter Menge da war, da aßen und tranken wir alle ganz wohlgemut, und alles lobte in Mir den guten Geber des gar so guten Brotes und Weines.
   04] Als wir aber also aßen und tranken, da bemerkte unsere Helias mit ihren scharfen Augen die heimziehenden Pharisäer eben auf die gewisse Säule losgehen und bei derselben wieder stehenbleiben und machte uns darauf aufmerksam.
   05] Ich aber sagte: »Oh, lassen wir sie ziehen und betrachten; sie werden dabei für das Heil ihrer Seele dennoch nichts finden, sondern verstockten Herzens bleiben bis in den Tod!«
   06] Sagte die Helias: »Oh, wenn doch ich nur so ein wenig allmächtig wäre, da müßten mir die Wichte nun auf lauter Schlangen und Nattern, auf Skorpionen und giftigen Eidechsen nach Hause ziehen!«
   07] Sagte Ich: »Oh, die Furcht, von den Römern verfolgt zu werden, ist besser, als was du ihnen nun antun möchtest! Sie halten sich bei der Säule nun auch gar nicht lange auf und ziehen schon ganz behende weiter. Sie haben entdeckt, daß hinter ihnen einige Menschen gehen; diese halten sie für etwaige Römer und fangen darum nun an zu laufen. Siehe, das ist besser als deine Schlangen, Nattern, Skorpionen und giftigen Eidechsen!«
   08] Damit war die Helias denn auch zufrieden und aß und trank ruhig fort.
   09] Ich aber sagte darauf abermals zu Lazarus, daß er auch für die jungen Sklaven sorgen möge, daß sie etwas Brot zu essen und mit Wasser gemengten Wein zu trinken bekämen.
   10] Da ging Lazarus in Begleitung Raphaels, um Meinen Wunsch zu erfüllen. Als sie aber an die Zelte kamen, in denen sich die Jugend befand, da war diese schon mit allem bestens versorgt.
   11] Sagte Lazarus: »Da haben wir's! Was sollen wir denn jetzt tun?«
   12] Sagte Raphael: »Jetzt gehen wir wieder besten Mutes zurück; denn wer so gern und willig wie du den Willen des Herrn erfüllt, von dem braucht der Herr keine Tat. Denn ein vollkommener, dem Herrn ergebener Wille ist vor dem Herrn schon die Tat selbst; denn da übet dann der Herr Selbst die Tat, wie du das hier siehst. Oh, wenn die Menschen das so recht einsähen und in ihrem Herzen auch danach täten, ein wie leichtes und sorgenfreies Leben hätten sie da schon auf Erden, und welche Seligkeiten genössen sie schon auf Erden! Aber so sind sie blind und verrennen sich in die tote Materie und ersticken in ihr. Im oft blutigen Schweiße ihres Angesichts müssen sie ihr - Brot suchen, während sie es ohne leibliche Mühe vom Herrn haben könnten, und das ein reineres und besseres, als sie sich's bereiten können.
   13] Morgen wirst du in Emmaus die noch wahren Menschen aus Oberägypten kennenlernen, und du wirst staunen über die ungebundene Macht ihres Willens. Es werden ihrer nur sieben sein, die da schon vollkommen sind; die Weiber, Kinder und die noch minder Vollkommenen aber sind daheimgelassen mit nur einem Vollkommenen, da die Weiber, Kinder und die minder Vollkommenen ohne ihn schwer bestehen wurden. Doch ihr Meister, noch aus der Schule der uralten ägyptischen inneren Weisheit, wird mit seinen sechs Hauptjüngern nach Emmaus kommen, und du wirst es sehen, wie schnell er den Herrn und auch uns alle erkennen wird. - Doch nun gehen wir wieder zum Herrn!«
   14] Die beiden kamen wieder zu uns, und Ich fragte den Lazarus, ob die Jugend versorgt sei.
   15] Sagte Lazarus: »O ja, Herr und Meister, die Jugend ist schon bestens versorgt, - aber wir beide haben gar nichts dazu beitragen können; denn als wir an die Zelte kamen, da waren die lieben Jungen schon mit allem bestens versehen. Du, o Herr, hast nur ein wenig meinen Willen geprüft; aber gehandelt hast Du Selbst, wie das bei Dir schon immer der Fall ist! Meinen Dank Dir allein; denn ohne Dich sind wir nichts und vermögen auch nichts. Du allein bist alles in allem!«
   16] Sagte Ich: »Ganz gut, ganz gut, mein lieber Freund und Bruder Lazarus! Nun setze dich nur wieder her und vergnüge dich mit uns allen!«
   17] Lazarus nahm nun samt Raphael wieder seinen früheren Platz neben Mir ein und wollte mit Mir wegen der morgen nach Emmaus kommenden wahren Menschen aus Oberägypten etwas zu reden anfangen; aber die beiden schon bekannten Wirte kamen ihm zuvor und baten Mich, ob sie nicht auch etliche Tage bei Mir verbleiben und die gewissen wahren Menschen aus dem hintersten Oberägypten in Emmaus mit ansehen dürften.
   18] Sagte Ich: »Oh, allerdings! Wer Mich und Meine Jünger gleich wie ihr freundlichst aufgenommen hat, der ist auch allzeit bei Mir aufgenommen und kann allzeit bei Mir sein. Je mehr Zeugen Mich aber umgeben, desto gedeihlicher ist das für die Ausbreitung Meines Evangeliums. An jenen Menschen, die noch jetzt ebenso einfach leben wie dereinst die Urpatriarchen der Erde, werdet ihr wahre Wunder erleben!«
   19] Sagte nun Lazarus: »Aber, Herr und Meister, das werden aber dennoch Abkömmlinge Noahs sein und nicht irgend unmittelbar Abkömmlinge Adams, denn zu den Zeiten Noahs muß die große Flut ja auch Ägypten ganz überflutet haben?«
   20] Sagte Ich: »Mein lieber Freund und Bruder! Du darfst, wie Ich dir des schon einmal erklärt habe, die natürliche hohe Wasserflut, deren Ursache in jener Zeit die mächtigen Hanochiten waren, nicht mit der geistigen allgemeinen Überflutung der Sünde verwechseln, ansonst du darin niemals ganz ins reine kommen wirst.
   21] Durch die im westlichen Teile Asiens stattgehabte große Wasserflut zu den Zeiten Noahs sind wohl höchst viele Menschen und Tiere zugrunde gegangen, weil das Wasser im Ernste sogar den hohen Ararat überspülte, aber deshalb reichte das natürliche Wasser dennoch nicht über die ganze Erde, die damals noch lange nicht in allen ihren bewohnbaren Teilen bevölkert war. Aber es ergoß sich die Flut der Sünde, die da heißt Gottvergessenheit, Hurerei, Hochmut, Geiz, Neid, Herrschsucht und Lieblosigkeit, über alles Menschengeschlecht, unter dem zu verstehen ist die geistige Erde, und das ist es, was Moses unter der allgemeinen Sündflut verstanden haben will.
   22] Die höchsten Berge, über die die Flut sich ergoß, sind der große Hochmut der damaligen Menschen, die über die Völker herrschten, und die Überflutung ist die Demütigung, die damals über alle Beherrscher kam und in jedem Reiche auf eine eigene, entsprechende Art. Doch das Weitere wird schon noch morgen in Emmaus besprochen werden. - Nun aber nehmen wir wieder Wein und Brot und erquicken damit unsere Glieder!«


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