Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 7 Index

Kapitelinhalt 69. Kapitel: Die Macht der Engel.

   01] Sagte der Engel: »Ich habe es dir ja ohnehin schon gesagt, daß das nur durch die Beharrlichkeit unseres Willens geschieht, und daß alle Materie nichts ist als die Beharrlichkeit des Willens des Geistes Gottes, so verschiedenartig sie dir auch erscheinen mag; denn die verschiedenen Stoffe der Materie samt den Elementen, aus denen sie vor deinen Augen zu entstehen und zu bestehen scheint, sind unsere Gedanken. Ihre Formen und Farben sind unsere aus unseren Gedanken gestalteten Ideen. Ihre Zweckdienlichkeit sind unsere aus den Ideen entwickelten Begriffe, und die Erreichung eines höheren geistigen Zieles für alles, was nun Materie ist, sind unsere Absichten, aus denen aller Materie glückliches Endziel hervorgehen wird.
   02] Darum ist ein wahres und reales Sein nur bei uns ewig unsterblichen Geistern, und das Sein der Materie ist nur ein pur von uns bewirktes und in jedem Momente von uns abhängiges, wie du das nun mit dem Steine ganz klar hast sehen müssen. Du hast das Wölkchen aber noch auf deiner Hand, und sieh, ich werde es wieder mit der vollen Beharrlichkeit meines Willens erfüllen, und du wirst den früheren Stein wieder in deiner Hand haben!«
   03] Der Engel tat das, und in der Hand des Römers befand sich wieder ganz der frühere, alte, harte und schwere Stein.
   04] Das machte auf den Römer einen noch mächtigeren Eindruck, und er sagte zum Engel (der Römer): »Dieser Stein bleibt mir ein Schatzstein zum Gedächtnis an das, was hier so wunderbar vorgefallen ist! Aber nun noch eine Frage! Sieh, in mir wohnt doch auch eine Seele und in ihr nach eurer Lehre ein dir ganz ebenbürtiger Geist! Warum kann denn ich nicht durch solchen meinen Geist auch das bewirken, was du als ein Geist zu bewirken imstande bist?«
   05] Sagte der Engel: »Weil deine Seele dazu noch nicht reif und dein innerer Geist noch nicht in deine Seele übergegangen ist! Aber etwas bewirkt dein Geist dennoch durch die Beharrlichkeit seines deiner Seele noch ganz unbekannten Willens, und das ist der Bau und die zeitweilige Erhaltung deines Leibes. Solches aber kann deine Seele nicht merken, wie sie auch nicht merkt, wie ihr Leib gebaut ist, weil ihr solches ihr innerer, rein jenseitiger Baumeister nicht offenbaren und zeigen kann, da sie, wie gesagt, noch nicht reif ist.
   06] Der innere Geist arbeitet zwar unablässig dahin, die Seele ehest möglich reif und völlig frei zu machen, doch kann und darf er ihr nicht den geringsten Zwang antun, weil sogestaltig eine Seele dann noch materieller und unfreier werden würde, als sie durch alle Einflüsse der Außenwelt je werden könnte. Darum ward der Seele in ihrem Leibe ein eigener Wille und ein eigener Verstand gegeben, durch den Unterricht von außen her dahin sich selbst bestimmend gebracht zu werden, sich von aller Weltlichkeit durch ihren eigenen Willen stets mehr und mehr zu entäußern und in sich gehend die reiner und reiner werdenden geistigen Wege zu betreten.
   07] In dem Maße aber die Seele die stets reineren geistigen Wege tätig begeht, in demselben Maße eint sich dann auch ihr innerer, reiner und jenseitiger Geist mit ihr. Und hat sie sich durch ihren in sich stets lauterer gewordenen Verstand und durch ihren dadurch auch stets freier gewordenen Willen aller Welt vollends entäußert, so ist sie ihrem Geiste gleich und eins mit ihm geworden, welche Einswerdung wir die geistige Wiedergeburt nennen wollen, und so wird sie als eins mit ihrem Geiste, auch noch im Leibe seiend, eben das vermögen, was ich nun vor deinen Augen als eben ein solcher mit meiner Seele vereinter Geist vermag.«


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