Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 7 Index

Kapitelinhalt 64. Kapitel: Dank der befreiten Sklaven.

   01] Hierauf sagte Lazarus zu Mir: »Herr, da wäre ich selbst auch so ein wenig neugierig, wie diese Geschichte im Tempel heute enden wird; denn ich sehe noch viel Volk auf allen Straßen einherziehen. Wenn das den Tempel füllen wird, so wird es ein Drängen und ein Schreien abgeben, wie man etwas Ähnliches sicher schon seit langem nicht erlebt hat. Da wird der Nikodemus mit seiner schwachen Stimme nicht wohl auslangen! Es kann da wahrlich ganz leicht zu einem großen Tumulte kommen!«
   02] Sagte Ich: »Sorge du dich um etwas anderes! Ich habe schon noch der Mittel genug in Meinen Händen, um einen zu großen Tumult zu verhindern; aber es wird die Sache wahrscheinlich nicht soweit kommen.
   03] Jetzt aber sind unsere Jungen auch schon wach geworden und haben Hunger. Darum gehe du, Mein Raphael, zu ihnen und mache, daß sie zu essen und etwas Wein, aber mit zwei Drittel Wasser vermischt, bekommen!«
   04] Raphael besorgte solches schnell, was den Jungen eine große Freude machte, so daß sie kaum erwarten konnten, Mir ihren kindlich herzlichen Dank abzustatten.
   05] In kurzer Zeit waren sie alle wohlgestärkt außer dem Hause, und Raphael führte sie zu Mir hin. Hier stellten sie sich in einer langen Reihe auf, dankten Mir laut für eine so gute Verpflegung und baten Mich, daß Ich zu ihnen kommen möchte, auf daß Mir ein jeder einzeln seine Liebe bezeigen könnte; denn da ihrer so viele seien, könnten sie nicht alle auf einmal zu Mir kommen und Mir ihre große Liebe bezeigen.
   06] Da sagte Ich zu ihnen: »Meine lieben Kinder, es hat dies nun nicht not! Wenn ihr aber das schon tun wollet, so kommet lieber einzeln zu Mir und bezeiget Mir eure Liebe; denn so Ich zu euch ginge, da könnte unter euch leicht eine Eifersucht entstehen, da ihr dann unter euch beraten und sagen würdet: "Aber warum wandte sich denn der gute Vater nicht zu mir oder zu diesem oder jenem? Den einen oder den andern hat er gewiß lieber als mich oder meinen Nachbar!" Damit aber eine solche Meinung unter euch nicht Platz greife, so kommet selbst einzeln oder auch paarweise zu Mir und bezeiget Mir eure Liebe, und ihr werdet dann nicht sagen können: "Siehe, diesen oder jenen hat der gute Vater mehr ausgezeichnet!" Denn es hängt das rein von euch ab, welcher von euch am ersten zu Mir kommen will.«
   07] Sagten die Jungen: »Ja, guter Vater, wir möchten aber alle am ersten bei dir sein, und das gäbe dann ein für dich sehr lästiges Gedränge! Darum möchtest doch du bestimmen, an welchem Orte oder Ende unserer Reihe wir anfangen sollen; denn eine Ordnung muß ja auch in der Liebe sein, weil eine Unordnung auch in der Liebe nicht schön wäre. Denn der gute Gott in diesem schönen Lande hat alles so schön geordnet, und so müssen wir aus Hochachtung zu Ihm auch alles in einer gewissen Ordnung verrichten!«
   08] Sagte Ich: »Nun wohl denn, wenn ihr es schon durchaus so haben wollet, so fanget beim rechten Ende eurer Reihe an und kommet!«
   09] Diese Anordnung gefiel den Jungen, und so eilten sie nun vom rechten Ende, ein Paar nach dem andern, und zwar zuerst die Jünglinge und darauf erst ebenso die Mägdlein, zu Mir. Vor Mir verneigten sie sich tief, dann ergriffen sie Meine Hände und drückten dieselben an ihre Brust, verneigten sich darauf wieder und zogen in guter Ordnung in ihre vorige Reihe.
   10] Als Mir also alle ihre Liebe bezeigt hatten und sie sich wieder in ihrer alten Ordnung befanden, da verbeugten sich abermals alle tief gegen Mich und fragten, was sie nun tun dürften.
   11] Und Ich sagte zu ihnen: »Erheitert euch mit allerlei nützlichen Betrachtungen! Sehet euch diese schöne Gegend an, betrachtet die Blumen und verschiedenes anderes und gedenket dabei, wie das alles ein guter Gott mittels Seiner Weisheit und Allmacht aus Sich heraus erschaffen hat, und seid Ihm darob recht sehr dankbar in euren Herzen, so werdet ihr die Zeit am allernützlichsten zubringen und dabei eine große Freude haben in euren Herzen! Aber ihr brauchet dabei nicht stets also in einer Linie zu stehen und zu gehen, sondern stehet und gehet frei, und das also, wie ihr das hier an Mir und an allen andern Menschen sehet, so werdet ihr euch um vieles besser vergnügen, als so ihr gleichfort eure steife Linienordnung beachtet. - Gehet nun und tuet nach Meinem Rate!«
   12] Hier dankten die Jungen für solch einen guten Rat, lösten alsbald ihre Linie auf und zerstreuten sich nach allen Richtungen des Berges und unterhielten sich so ganz gut in der frischen und freien Natur.


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