Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 6, Kapitel 223

Wahre und falsche Sabbatfeier.

   01] (Der Herr:) »Wie es aber mit dem Essen des Fleisches unreiner Tiere steht, also steht es auch auf ein Haar mit dem Sabbat. Fürs erste ist ein jeder Tag ein Tag des Herrn, und der rechte Mensch soll an jedem Tage Gutes tun, nicht nur am Sabbat! Und fürs zweite steht es nur geschrieben, daß man diesen Tag heiligen und am selben nicht unnötigerweise schwere, knechtliche Arbeiten verrichten soll; aber daß man am Sabbat auch keine guten Werke ausüben soll, von dem steht im ganzen Moses auch nicht eine Silbe!
   02] So aber der Prophet sagt: »Ohne Not und rechtmäßige Erlaubnis sollst du am Sabbat keine schwere, knechtliche Arbeit verrichten!«, wie saget ihr denn, daß Ich den Sabbat schände, so Ich an solchem Tage einen Kranken ohne Entgelt gesund mache? Reichet ihr doch selbst am Sabbat dem Ochsen das Futter und führet den Esel samt dem Rinde und samt den Schafen und Ziegen zur Tränke! Und lasset ihr den Ochsen oder Esel in der Zisterne ertrinken, so er an einem Sabbat hineinfiele? So ihr aber schon solches euren Haustieren tut, warum soll man dann einem Menschen an einem Sabbat nicht helfen? Ist denn ein Mensch nicht mehr wert als ein Tier?!
   03] O ihr blinden Toren! Wie weit habt ihr euch von der Wahrheit entfernt! Ja, von euch ist es wahr, wie es geschrieben steht: »Siehe, dies Volk ehrt Mich mit den Lippen; aber sein Herz ist ferne von Mir!«
   04] Sage Mir: So da ein Mensch zu euch kommt und sagt: »Ich habe viele Arbeit mit meiner Ernte, und die Zeit ist günstig! Wenn ich den Sabbat benützen kann, so will ich opfern den dreifachen Zehent, einen gemästeten Ochsen und drei fette Kälber!«, da gehet ihr hin und schreibet ihm einen Freibrief, damit er mit demselben die Arbeiter auch für den Sabbat dingen kann. Ist das nicht eine größere Sabbatschändung, als so man einem Kranken an einem Sabbat hilft?!
   05] An einem Sabbat soll man vor Sonnenuntergang kein Brot brechen und auch nicht essen; aber wenn ihr in euren Kammern den ganzen Tag hindurch - so er auch ein Sabbat ist - schwelget und prasset und das um Geld auch den andern erlaubet - nur dem Armen nicht, weil er dafür nicht zahlen kann -, Frage: Ist das keine gotteslästerliche Sabbatschändung?!
   06] Weiter frage Ich: Warum habt ihr denn das 6. und 7. Buch Mosis als eine Einschiebung erklärt und verworfen, und also auch den prophetischen Anhang? Und doch wäre das alles ein leuchtender Leitfaden für jedermann gewesen, der ihm in höchst klarem Lichte gezeigt hätte, was er in allen möglichen Fällen zu tun habe. Dafür aber seid ihr mit einer Kabbala, die aus dem altägyptischen Horus abstammt, versehen worden. Diese wie den alten Horus, verstehet ihr nicht, und den Moses und die Propheten, denen ihr steinerne Denkmäler errichtet habt, und die eure Väter gesteinigt haben, wollet ihr nicht verstehen, sondern ihr lehret das Volk, daß es mit euch diese Schriften nur hoch zu verehren und anzubeten brauche und tue genug. Ist das nicht mehr Sabbatschändung, als so Ich einen Kranken an einem Sabbat gesund mache?!
   07] Ich aber bin, der Ich bin, auch ein Herr des Sabbats! Und so sage Ich: Ich habe keine Freude an dem von euch verarbeiteten Sabbat, und Ich tue auch am Sabbat, was ich will, so wie Ich auch am Sabbat - spricht der Herr - die Sonne auf- und untergehen lasse und fließen die Ströme, gehen Winde und große Stürme, und lasse gehen den Mond und die Sterne in ihren vorgezeichneten Bahnen und wachsen das Gras und reifen den süßen Saft in der Traube! So aber das alles in Meiner allerabsolutesten Macht steht, soll Ich euch dann etwa fragen, was Ich an einem Sabbate tun soll?! - Rede nun und gib eine gültige und vernunftvolle Antwort!«


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