Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 6, Kapitel 91

Ein Arzt erhält von Jesus die Kraft, durch Händeauflegen arme Kranke zu heilen.

   01] Darauf gingen wir wieder in Joreds Haus, wo in dem schon bekannten Saale ein reichlichstes Morgenmahl unser harrte samt den Jüngern, die am Morgen daheim geblieben waren. Wir setzten uns an den Tisch und aßen und tranken. Die Speisen bestanden in Fischen, Honigbrot und Lämmerfleisch, und der Wein war aus Rom, und zwar von einer besonderen Güte. Es wurde auch mit Griechenlands Wein, besonders aus Zypern, aufgewartet und dazu mit ganz weißem Weizenbrot und Butter, was besonders den Judgriechen überaus wohl mundete. Wir blieben bei zwei Stunden lang beim Tische sitzen, und es wurde da viel geredet, aber mehr von allerlei landwirtschaftlichen Dingen.
   02] Erst nach dem Mahle wurde vom Jünger Johannes allen in diesem Hause wohnenden Menschen beiderlei Geschlechtes Meine Lehre von der Liebe zu Gott und zum Nächsten vorgetragen.
   03] Nach dem Vortrage gelobten Mir alle, diese Lehre genau zu beachten und danach zu handeln, und Ich sagte: »Glaubet und tut das, so werdet ihr auch leicht und bald zur Meisterschaft des Lebens gelangen!«
   04] Darauf legte Ich allen die Hände auf und stärkte sie für ihre gute und ernste Vornahme.
   05] Der Arzt aber sagte darauf: »O Meister, siehe, ich bin nun der einzige Arzt hier im Orte, in dem es immer eine Menge Kranke gibt, so wie auch in der weiten Umgebung! Da Dir nichts unmöglich ist, so könntest Du mir nur ein wenig von Deiner Wunderheilkraft verleihen, und ich würde sie dann bei meinen Kranken anwenden, besonders bei den Armen, die da nicht haben, sich eine kostspielige Arznei zu kaufen.«
   06] Sagte Ich: »Jesus ist Mein Name; in diesem Namen lege du den Kranken die Hände auf, und es wird besser mit ihnen werden, so das ihrem Seelenheile nützt! Den Reichen aber gib du nur Arzneien wie zuvor; denn nur für die Armen verleihe Ich dir diese Kraft!«
   07] Als Ich dem Arzte solches sagte, da dankte er Mir darum und ging darauf gleich hinaus, denn er hatte einige arme Kranke, denen er nun auf einmal helfen wollte. Und er half ihnen auch; denn es ward mit einem jeden besser im Augenblicke, als er ihm in Meinem Namen die Hände auflegte. Nach einer Stunde kam er wieder zurück, dankte Mir noch einmal für diese ihm erteilte Kraft und erzählte uns von den großen Verwunderungen der Geheilten, die doch mit allerlei Übeln behaftet waren.
   08] (Der Arzt:) »Sie konnten nicht begreifen, daß ihnen zuvor alle Arzneien nichts halfen und sie jetzt auf einmal durchs bloße Händeauflegen so gesund geworden seien, wie sie zuvor niemals waren. Sie fragten mich, wie ich nun auf einmal zu dieser nie erhörten Heilungsweise gekommen sei, und warum ich sie nicht schon früher angewendet hätte. Ich aber sagte: "Diese Heilungsweise ist mir erst von einem fremden und großen Heilande gezeigt worden, und ich heile damit die Kranken aber nur dadurch, daß ich Seinen Namen anrufe und Er Selbst dann mit mir will, daß da dem Kranken geholfen werde!" Alle aber fragten dann nur um Dich und hegten sehr den Wunsch, Dich persönlich kennenzulernen; denn sie meinten, Du müßtest da offenbar mit göttlichen Kräften versehen sein, ohne die so etwas rein unmöglich wäre. Ich sagte dazu nichts und ließ sie bei ihrer Meinung.
   09] Aber ich werde nun bei meinen reichen Kranken eine Not haben; denn diese neue Heilart wird schnell in der ganzen Stadt verbreitet werden, und die Reichen werden dann von mir auch auf dieselbe Weise geheilt werden wollen. Was werde ich ihnen erwidern, so sie von mir das verlangen werden, was zu tun mir von Dir, o Meister, gewisserart verboten ist?«
   10] Sagte Ich: »Nun, da stelle ihnen Bedingungen, die sie als Geheilte dir und den Armen zu leisten haben werden! Gehen sie freudig und willig in die ihnen gemachten Bedingungen ein, so lege da auch ihnen die Hände auf; gehen sie aber in diese nicht ein, so lasse sie in ihrer Krankheit, und gib ihnen Arzneien, wenn sie solche haben und nehmen wollen! - Bist du nun damit zufrieden?«
   11] Sagte der Arzt: »O lieber Meister, ganz vollkommen! Aber nun kommt eine andere Frage, und diese lautet: Wie und womit kann ich Dir dafür dankbar sein? Ich bin freilich nicht reich und jetzt schon am allerwenigsten, wo meine beiden gestern durchgegangenen Genossen mir sicher nicht viel werden zurückgelassen haben; aber dennoch möchte ich das Äußerste tun, was nur immer in meinen Kräften steht! Herr und Meister, ich bitte Dich, verlange Du von mir doch irgendein Entgelt oder ein Opfer!«
   12] Sagte Ich: »Lasse das; denn in der Welt kann Mir niemand etwas geben, das er nicht zuvor von Gott empfangen hätte, und somit auch du nicht! Aber halte du die Lehre, die euch allen hier gegeben wurde, liebe Gott über alles und deinen Nächsten wie dich selbst, und halte die dir bekannten Gebote Mosis, und lehre auch die Griechen sie kennen, so wirst du Mir das beste und wertvollste Opfer darbringen! Und das sollen auch alle die andern Menschen tun, so werden sie leben in der Wahrheit und in der Gnade Gottes, des Schöpfers und Vaters aller Menschen!
   13] Wenn Ich von den Menschen, denen Ich Gutes tue, wollte Geld annehmen, da würde Ich schnurgerade wider Mich zeugen, und Ich wäre Der nicht, der Ich bin; denn so Ich euch Schätze aus den Himmeln bringe und gebe, weil Ich die Macht dazu habe, so kann Ich Mich darum nicht mit der toten Materie bezahlen lassen. Aber ihr Menschen könnet das mit Maß und Ziel; denn auch Moses hat verordnet, daß die Priester und Richter vom Volke sollen ernährt und erhalten werden und den zehnten Teil von allem haben sollen, was da geerntet wird auf den Äckern und in den Weinbergen und also auch von den Haustieren. Aber Ich nun und Meine Jünger werden dessen nicht vonnöten haben; denn wer Mir gleich ein Meister des Lebens wird, der wird hinfort dieser Erhaltungsmittel nicht bedürfen. Wohin sie auch ziehen werden, da wird ihnen von oben gegeben werden alles, dessen sie bedürfen werden. Denn um was Gutes immer ihr den Vater im Himmel bitten werdet in Meinem Namen, das wird Er euch auch geben ohne Vorenthalt.«


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