Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 6, Kapitel 55

Jesus über Krankheiten und frühzeitigen Tod.

   01] Sagte ein Judgrieche: »Herr und Meister, das ist uns allen nun ganz klar; aber dennoch ist eines noch, wovon ich mir keinen ganz rechten Grund erklären kann. Warum müssen denn auch so viele Kinder in der zartesten, noch ganz unentwickelten Jugend dahinsterben, und warum muß dem Leibestode nahe allzeit eine böse Krankheit vorangehen, die den Leib schwächt und tötet? So ein Mensch einmal reif ist, so könnte er als Seele dann ja ganz leicht und schmerzlos aus dem Leibe treten, und die Kinder sollten vor einer bestimmten Reife gar nie und niemals sterben. Es geschieht aber das dennoch in einem fort: Kinder sterben in allen Jahren, und die bösen Krankheiten hören nicht auf und sind eine fortwährende Plage der Menschen. O Herr und Meister, warum muß denn das sein auf dieser Erde?«
   02] Sagte Ich: »Das müßte gar nicht sein und war es auch nicht in der Vorzeit; denn liesest du in einer Chronika von schweren Krankheiten unter jenen Menschen, die Gott ergeben waren und nach Seinen Geboten lebten?! Sie erreichten alle ein hohes Alter, und ihr Sterben war ein sanftes, schmerzloses Einschlafen. Da starb auch kein Kind; denn es ward von ganz gesunden Eltern gezeugt und der gesunden, einfachen Natur gemäß genährt und auferzogen.
   03] Als aber später bei den Menschen allerlei Hoffart und mit ihr ein ganzes Heer von tollsten Sünden wider die Gebote Gottes und wider die Gesetze der Natur Eingang fand, da erst kamen aus eigenem Verschulden allerlei böse Krankheiten unter die Menschen. Die also geschwächten Menschen konnten dann auch keine gesunden Kinder mehr erzeugen. Solche schon vom Mutterleibe an verkümmerten Kinder mußten nach und nach auch stets mehr und mehr von allerlei Krankheiten befallen werden und zu sterben anfangen in allen Stadien ihres Alters.
   04] Daß nun solches also geschieht, müßt ihr euch nicht denken, als hätte solches Gott aus irgendeiner unerforschlich geheimen Absicht unter die Menschen verordnet; aber zugelassen hat Er es, damit die Menschen fürs erste durch die Krankheiten vom zu vielen Sündigen abgehalten werden, und fürs zweite, daß sie durch die bitter-schmerzlichen Krankheiten mehr von der Welt abgezogen werden, in sich gehen, ihre Sünden erkennen, sie verabscheuen und so in Geduld und Ergebung in den göttlichen Willen selig werden können.
   05] Also ist das auch bei den Kindern der Fall. Was soll aus einem körperlich ganz verkümmerten Kinde auf dieser Erde werden, und besonders bei Eltern, die selbst in allen Sünden geboren worden sind?! Wer wird sie erziehen, und wer wird sie heilen von ihren Übeln?! Ist es da nicht besser, daß sie von dieser Welt zurückgenommen werden und sodann dort im eigens für sie bestehenden Kinderreiche von den Engeln großgezogen werden?!
   06] Ich sage es euch: Gott weiß um alles und sorgt auch für alles! Aber da die meisten Menschen in dieser Zeit Gott gar nicht mehr kennen und nichts von Ihm wissen, wie sollen sie dann darum wissen, was Gott tut, und was Er verordnet zu ihrem möglichen Heile?!
   07] Würde Gott auf die Sünden der Menschen nicht die entsprechenden Krankheiten zugelassen haben, so ginge mehr denn die halbe Menschheit gänzlich zugrunde, und die Erde würde ganz zur Hölle werden und müßte zerstört und in toten Trümmern im endlosen Weltenraume umherirren, wie dieser sichtbare Sternen- und Weltenraum auch schon ähnliche Beispiele aufzuweisen hat, wovon euch Meine Jünger schon etwas Näheres sagen können. - Und nun frage Ich euch, wie ihr das begriffen und aufgefaßt habt.«
   08] Sagen die Judgriechen: »Ja, Herr und Meister, jetzt ist uns diese Sache auch ganz klar, und wir können uns auch ganz und gar nicht mehr aufhalten, so auch wir schon zu öfteren Malen sehr krank waren und höchstwahrscheinlich am Ende auch durch eine recht arge Krankheit von dieser Welt in die andere befördert werden; denn wir haben unser Leben hindurch auch sehr oft und sehr arg gesündigt! Aber nun möchten wir von Dir nur noch das vernehmen, durch welche Sünden so die meisten und bösesten Krankheiten in diese Welt kommen; denn es muß auch darin Unterschiede geben.«


Home  |    Inhaltsverzeichnis Band 6  |   Werke Lorbers