Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 6, Kapitel 28

Jesus über Zeit und Raum.

   01] (Der Herr:) »Sieh, du warst von Mir vor einem halben Jahre deiner Seele nach in einen Zustand versetzt, vermöge dessen du in eine von hier äußerst entfernte Sonnenerdwelt versetzt worden bist, wie Ich solche Zeichen nachher auch bei anderen Gelegenheiten und Orten gewirkt habe, was alle Meine Jünger hier treulichst bezeugen können. Dann warst du beim Markus selbst schon zugegen, als der Engel die kostbare Leuchtkugel aus der sehr fernen Mitte von Afrika holte.
   02] Siehe, so ein Pfeil in seiner größten Schnelle von dieser Erde abginge, so hast du als ein Hauptrechner gar keine so große Ziffer, durch die die Zahl der Erdenjahre bezeichnet werden könnte, die dazu erforderlich wären, damit der Pfeil jene Sonnenerdwelt erreicht, - und dein Übergang war hier und dort eins! Also hast du da mit dem irdischen Raume nichts zu tun gehabt und warst sonach deiner lebendigen Seele nach ganz sicher außer Zeit und Raum!
   03] Von Markus weg nach Afrika hättest du auf einem gut gebahnten Wege sogar über zwei volle Jahre zu gehen nötig bis dahin, von wo der Engel den Leuchtstein geholt hat. Bei ihm war hin und zurück völlig eins. Konnte da für ihn Zeit und Raum etwas sein?!
   04] Und weiter! Denke dir eine noch so schnelle Bewegung eines irdischen Gegenstandes, der zum Beispiel die Entfernung von dieser Erde bis zu der gewissen Sonnenerdwelt in einem Augenblicke zurücklegt, so könnte ein Geist in ein und demselben Augenblick eine tausend Male größere Entfernung für dich zahllose Male durchmachen; Ich sage zahllose Male, weil du für eine große Vielheit des Hinbewegens und Zurückkehrens keine so große Zahl kennst.
   05] Aus dem aber geht hervor, daß selbst die größte diesirdische Bewegungsschnelligkeit mit der geistigen ewig in kein Verhältnis treten kann. Daher ist das Irdisch-Materielle ein Eigenes und alles Geistige wieder ein ganz Eigenes. Beide haben nur entsprechungsweise Beziehungen zueinander, aber der Wesenheit nach sind sie endlos weit voneinander unterschieden.
   06] Wie du aber solchen Unterschied zwischen allem Irdischen und Geistigen nun sicher klar wirst wahrgenommen haben, so besteht derselbe und gleiche Unterschied zwischen allem, was sich dir diesirdisch als begreifbar, fühlbar, hörbar und beschaulich darstellt.
   07] In Hinsicht der den Raum nicht beachtenden geistigen Bewegung kann Ich dir noch die Schnelle des Gedankenfluges deiner Seele als ein gutes Beispiel dartun. Siehe, du denkst dir nun Rom, wo du schon warst, und dessen Entfernung von hier du wohl kennst, wie auch die Gestalt dieser großen Heidenstadt! Mit dem Gedanken bist du auf eins schon in Rom und siehst gewisserart die Stadt, ihre Plätze, Gassen und Straßen und Umgebungen. Also, dein Gedanke hat sonach bis nach Rom hin auch keiner Zeit bedurft, weil der Raum für ihn gleich Null war!
   08] Aus dem kannst du abermals den sicheren Schluß ziehen, daß deine Seele, als ein geistiges Wesen, samt ihrer Tätigkeit sich auch außer Zeit und Raum befindet, und du kannst dich mit deinem Gedanken auch in der gleichen Schnelle in den dir bekannten Stern hin versetzen und wieder hierher zurück, und du wirst auch nicht mehr Zeit zum Durchfluge solch eines ungeheuer weiten Raumes bedürfen.
   09] Da wirst du denn doch einsehen, daß es für den reinen Geist weder eine Zeit noch einen Raum geben kann!
   10] Der Geist Gottes und alle Engel bestehen freilich auch im unendlichen Raume und dauern fort und fort durch alle ewigen Zeitenläufe; denn ohne Solchen gäbe es keine Kreatur, gäbe es auch keinen irdischen Raum, noch eine irdische Zeit. Aber diese rein geistigen Mächte und höchsten Intelligenzen stehen in allem endlos weit über Zeit und Raum.«


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