Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 6, Kapitel 1


Jesus heilt einen Kranken am Teiche Bethesda.

   01] Ich aber zog mit Meinen Jüngern an diesem Tage bis in die Nähe von Jerusalem, allwo wir in einer Mir und den Jüngern wohlbekannten Herberge die Nachtruhe nahmen. Der Wirt hatte eine große Freude an uns und erzählte uns viel von dem nunmaligen argen Treiben in Jerusalem und ließ uns ein recht gutes Abendmahl zurichten.
   02] Ich aber sagte zu ihm: »Komme du morgen nur hinauf zum Tempel, und du wirst da sehen, was Ich mit den Pharisäern für ein Wesen haben werde! Morgen sollen sie es genau und ohne allen Vorbehalt erfahren, mit wem sie es in Mir zu tun haben!«
   03] Dessen war unser Wirt sehr froh und brachte uns noch Brot und Wein zur Genüge. Er hatte zwar schon vieles von Mir gehört, aber auch er wußte noch nicht, wer Ich so ganz eigentlich sei, obwohl ihm Meine Jünger so einige Winke gaben, die er gut aufnahm.- Bald darauf begaben wir uns zur Ruhe.

  • Johannes.05,01] Danach war ein a Fest der Juden, und Jesus zog hinauf nach Jerusalem. (a Johannes.02,13; ⇒ jl.ev06.001,04)
       04] Am Morgen des Sabbats zogen wir hinauf nach Jerusalem. Warum denn hinauf? Weil die große Stadt und vor allem der Tempel auf einem ziemlich weitgedehnten, klippigen Bergrücken lag und nahe zuhöchst der Tempel mit seinen weiten Hallen, Ringmauern und Hochgärten. Daß uns der Wirt, dessen Haus in einem Tale stand, hinaufbegleitete, versteht sich von selbst. (Johannes.05,01*; Johannes.02,13)

  • Johannes.05,02] Es ist aber in Jerusalem beim a Schafstall ein Teich, der heißt auf hebräisch Bethesda, und hat fünf Hallen; (a Nehemia.03,01; ⇒ jl.ev06.001,05a)
       05a] Als wir in die Nähe des Tempels kamen, da mußten wir zuerst an dem Teiche Bethesda (Vedes da = er gibt Erweckung oder Genesung) vorübergehen, der zunächst bei dem b Schafstalle des Tempels sich befand und ringsum fünf Hallen hatte. (Johannes.05,02*; b Nehemia.03,01)

  • Johannes.05,03] in denen lagen viele Kranke, Blinde, Lahme, Dürre. Sie warteten darauf, daß sich das Wasser bewegte. (⇒ jl.ev06.001,05b)
       05b] In diesen Hallen lagen stets viele Kranke, wie Blinde, Lahme, Dürre und noch mit allerlei anderen Krankheiten Behaftete, und warteten, bis sich das Wasser bewegte. (Johannes.05,03*)

  • Johannes.05,04] denn ein Engel fuhr von Zeit zu Zeit herab in den Teich und bewegte das Wasser. Wer nun als erster hineinstieg, nachdem das Wasser bewegt wurde, der wurde gesund, mit welcher Seuche er auch behaftet war. (⇒ jl.ev06.001,07)
       05c] Nach einer sehr alten Sage seit Melchisedeks Zeiten und nach dem festen Glauben, besonders des armen Volkes, fuhr ein Engel von Zeit zu Zeit vom Himmel herab und bewegte das Wasser. Die Menschen sahen zwar den Engel nicht und schlossen auf seine Gegenwart nur aus der eigentümlichen Bewegung des Wassers. (Johannes.05,04*)
       06] Die gelehrten Pharisäer glaubten selbst zwar nicht an die Niederfahrt des Engels, sondern hielten den Teich nur für eine besondere Heilquelle, sowie desgleichen auch die Römer und Griechen; aber sie verstanden es zu ihrem Vorteile dennoch, das Volk bei dem frommen, alten Glauben zu erhalten.

  • joh.05,04b] Wer nun als erster hineinstieg, nachdem das Wasser bewegt wurde, der wurde gesund, mit welcher Seuche er auch behaftet war.
       07] Wenn aber das Wasser sich bewegte -, was etwa alle Wochen ein- bis zweimal der Fall war -, so hatte es wahrlich eine so außerordentliche Heilkraft, daß ein jeder mit was immer für einer Seuche Behaftete geheilt war, so er das Glück hatte, als der erste ins Wasser zu kommen. Es versteht sich von selbst, daß da auch nur die reichen und wohlhabenden Kranken den Vorzug hatten, und daß die Armen, weil sie nichts zahlen konnten, oft viele Jahre da vergeblich warteten, bis irgendein etwas barmherzigerer Wärter einen solchen Armen zuerst ins Wasser tauchte, worauf er dann auch gesund wurde. (Johannes.05,04*)

  • Johannes.05,05] Es war aber ein Mensch dort, der achtunddreißig Jahre krank lag. (⇒ jl.ev06.001,08)
       08] Der uns begleitende Wirt hielt sich darüber sehr auf und erklärte dieses Treiben für eine höchst schmutzig-ungerechte Sache. Er zeigte Mir auch einen sehr alten, armen Menschen, der bereits achtunddreißig volle Jahre da auf die Heilung warte, aber noch nie sei es einem schmutzigen Wärter eingefallen, ihn nach so vielen Jahren doch endlich einmal in das bewegte Teichwasser als ersten steigen zu lassen. (Johannes.05,05*)

  • Johannes.05,06] Als Jesus jenen liegen sah und vernahm, daß er schon so lange gelegen hatte, spricht er zu ihm: Willst du gesund werden? (⇒ jl.ev06.001,09-10)
       09] Mich erregte das offenbar sehr, und Ich sagte zum Wirt: »Obwohl heute ein Sabbat ist, so soll diesem Menschen dennoch sogleich geholfen werden!«
       10] Da Ich zuerst Selbst wußte und auch von dem biedern Wirte vernommen hatte, wie es mit dem Menschen stand, da trat Ich sogleich hin zu ihm und sagte: »Willst du gesund werden?« (Johannes.05,06*)

  • Johannes.05,07] Der Kranke antwortete ihm: Herr, ich habe keinen Menschen, der mich in den Teich läßt, wenn das Wasser sich bewegt; und wenn ich hinkomme, so steigt ein anderer vor mir hinein. (⇒ jl.ev06.001,11)
       11] Da antwortete mit trauriger Miene der Kranke: »Bester Herr! Ich habe keinen Menschen, der mich zuerst in den Teich ließe, wenn das Wasser bewegt wird; und wenn ich selbst komme, so steigt ein anderer, der begünstigt ist, vor mir ins Wasser. Wie möglich kann ich da gesund werden?!« (Johannes.05,07*)

  • Johannes.05,08] Jesus spricht zu ihm: Steh auf, nimm dein Bett und geh hin! (⇒ jl.ev06.001,12)
       12] Darauf sagte Ich: »So stehe auf, nimm dein Bett und gehe hin, von wannen du gekommen bist!« (Johannes.05,08*)

  • Johannes.05,09] Und sogleich wurde der Mensch gesund und nahm sein Bett und ging hin. Es war aber an jenem Tag Sabbat. (⇒ jl.ev06.001,13)
       13] Und alsbald ward der Kranke gesund, hob sein mageres Bett auf und ging nach der Sitte hin zu einem Priester als Genesener, und das an einem Sabbat, an dem das Wasser nach vielen Erfahrungen nahezu gar nie bewegt ward. Daher war es den Juden gleich auffallend, wie dieser Mensch an einem Sabbat gesund geworden war. (Johannes.05,09*)

  • Johannes.05,10] Da sprachen die Juden zu dem, der gesund geworden war: Es ist heute Sabbat; es geziemt dir nicht, dein Bett zu tragen. a (a 2. Mose.20,10; Jeremia.17,21-22; ⇒ jl.ev06.001,14; Vaterbriefe.326)
       14] Sie (die Juden) hätten aber eben zu dem Gesundwerden nicht soviel gesagt; aber da er an einem Sabbat sein Bett trug, so war das bei ihnen schon ein großer Fehler, und sie sagten: »Es ist heute Sabbat, und es ziemet sich nicht, das Bett zu tragen!« (Johannes.05,10*; 2. Mose.20,10; Jeremia.17,21-22; ⇒ jl.ev06.001,14; Vaterbriefe.326)

  • Johannes.05,11] Er antwortete ihnen: Der mich gesund gemacht hat, sprach zu mir: Nimm dein Bett und geh hin! (⇒ jl.ev06.001,15)
       15] Er (der Geheilte) aber entgegnete ihnen: »Höret! Der mich gesund machte, der auch sagte zu mir: 'Nimm dein Bett, und gehe hin!' Der aber solch eine Macht hat und Der mir solch eine Wohltat erwies, dem gehorchte ich auch an diesem Sabbat! Denn volle achtunddreißig Jahre hindurch hat mir niemand solch eine Wohltat erwiesen wie jener Mensch! Warum sollte ich ihm dann nicht gehorchen auch an einem Sabbat?!« (Johannes.05,11*)

  • Johannes.05,12] Da fragten sie ihn: Wer ist der Mensch, der zu dir gesagt hat: Nimm dein Bett und geh hin? (⇒ jl.ev06.001,16)
       16] Da fragten die Juden ihn »Wer ist denn hernach jener Mensch, der zu dir sagte als heute an einem Sabbat: 'Nimm dein Bett, und gehe hin!?'« (Johannes.05,12*)

  • Johannes.05,13] Der aber gesund geworden war, wußte nicht, wer er war; denn Jesus war entwichen, da so viel Volk an dem Ort war. (⇒ jl.ev06.001,17)
       17] Der Gesundgemachte und Gefragte aber wußte nicht, wer Ich war und welchen Namen Ich führte. Er konnte auch nicht mit dem Finger nach Mir hindeuten, da Ich die Stelle schnell verließ des vielen Volkes wegen, das hier versammelt war. (Johannes.05,13*)


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