Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 5, Kapitel 226

Das Leben der Weltmenschen im Jenseits.

01] (Der Herr:) »Nun gibt es aber auf dieser Erde auch Menschen, die als Kinder überaus reicher Eltern alle mögliche Erziehung und Bildung genossen haben. Als sie aber älter wurden und zu großen Ämtern und hohen Ehrenstellen gelangten, da fuhr der Hochmutsteufel in ihr Herz. Sie fingen an zu herrschen, die Nebenmenschen zu hassen, zu betrügen und zu bedrücken und frönten nur ihrer Sinne Lust. Ihr Himmel, nach dem sie mit aller Gier trachteten, hieß äußerstes Wohlleben in aller Weichlichkeit, Pracht und Üppigkeit. Was ihnen nicht dienen wollte, das wurde auf das oft schauderhafteste verfolgt und ohne alle Schonung zugrunde gerichtet.
02] Nun kommt aber die Zeit und die Stunde, in der solcher Menschen Seelen auch ihren gar so geliebten Leib nach der Anordnung des allmächtigen Gottes verlassen müssen. Was nun?
03] Seht, dieser Art Seelen haben sich denn doch etwa strafbar gemacht, was ein jeder nur einigermaßen rechtlich denkende Mensch zugeben muß! Und dennoch werden sie von Mir aus nicht gerichtet, sondern gerade in einen solchen Zustand und in ein solches Leben versetzt, das ganz gleich ist dem auf dieser Welt gehabten, nur mit dem Unterschied, daß weit und breit ihre Nachbarn ganz dasselbe haben, sind und wollen wie die erst jüngst dahin Gekommenen. Und da stehet es dann gar nicht lange bis zum erbittertsten Kriege an; denn ein jeder dünkt sich der Höchste und Mächtigste zu sein, will alle beherrschen und hält jeden für einen strafbaren Meuterer, der sich nicht seinen Befehlen und Gesetzen fügen will.
04] Würde nur einer, zwei oder auch drei also denken und sich fühlen, die andern aber wären mehr demütige und sich fügende Geister, so würde das eine Art Monarchie im Reiche der Geister geben, allwo einer gebietet und Millionen ihm gehorchen. Aber da ist es nicht also; denn da will ein jeder ein Monarch sein und ganz tyrannisch seine ebenso herrschsüchtigen Nachbarn beherrschen. Und solch arge Leidenschaft gebiert dann einen nahezu unlöschbaren Haß gegenseitig, einen steten Hader, Zank, Streit, Verfolgung und einen förmlichen Krieg, wobei zwar niemand getötet werden kann, - aber der gegenseitige, grenzenlose Haß und Zorn gestaltet sich wie ein wütend verheerendes Feuer, welches aus den Kämpfern hervorlodert, mit welchem Feuer sie sich dann gegenseitig quälen und bekämpfen.
05] Da kommt es nun darauf an, wenn solch ein böser Klub wieder zu einer Art Ruhe gelangen soll, daß ein mächtiger Geist aus den Himmeln dahin entsendet wird und Ruhe schafft durch ein noch mächtigeres Feuer, das solchen Seelen wohl fühlbare, unsägliche Schmerzen, teils nur momentan, teils aber auch längere Zeiten während, bereitet. Sind dadurch solche Seelen zu einer völligen Ruhe gelangt, dann verstummen auch mehr und mehr ihre dummen Leidenschaften, das sie quälende Feuer verlischt, und der Engelsgeist belehrt sie dann über ihre große Blindheit, Verstocktheit und Torheit.
06] So eine oder die andere unglückliche und sicher unselige Seele sich daran kehrt, so wird sie auch gleich in einen besseren Zustand übergehen; will sie das infolge ihres innern, geheimen Hochmutes aber nicht, nun, da bleibt sie der alte Narr und wird bei einer jüngsten Gelegenheit wieder das gleiche zu gewärtigen überkommen. Und man kann da mit den Römern sagen: Volenti non fit iniuria (Dem Wollenden geschieht kein Unrecht!), - und wenn solche nahezu unverbesserlichen Seelen sich auch Äonen von Erdjahren also abquälen wollten!
07] Ich meine, daß ihr nun schon ziemlich über das belehrt sein dürftet, um was ihr Mich so ganz eigentlich gefragt habt; aber alles dessen ungeachtet will und werde Ich euch dennoch so manches hinzufügen, - und so höret Mich denn noch weiter an!«


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