Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 3, Kapitel 186

Vorbereitungen zu dem nahen Sturme.

01] Mittlerweile ging aber Herme, der Bote und Sänger aus Cäsarea Philippi, auf den Berg nachsehen, wie es etwa mit der abgebrannten Stadt stünde, und fand sie hie und da noch ganz gewaltig in Flammen; aber zugleich entdeckte er auch, wie sich eben nach der Richtung zur Stadt ein ganz gewaltiges Sturmgewitter gar raschen Ganges zu erheben begann und nach seiner Ansicht gar nicht lange werde auf sich warten lassen.
02] Er kam nun als ein Wetterprophet vom Berge herab und sagte zum alten Markus: »Du, lieber Nachbar, es sind so viele Gäste hier, und es wird keine halbe Stunde dauern, so stehen wir alle unter dem tobendsten Sturmungewitter! Hast du wohl Dach genug, das uns alle schützen vor allerlei Ungemach? Denn bei einem solchen Sturz ist es nicht geheuer im Freien zu sein! Vom Wind und Regen will ich gerade noch nicht zuviel sagen; aber Hagelschlag und Blitz sind doch ein wenig zu unbequem, um sie im Freien auszuhalten! So du zuwenig Dach hättest, da sollten wir Vorkehrungen treffen!«
03] Sagt Markus: »Solange der Eine, der hier ist, nichts sagt und anordnet, ist sicher keine Gefahr! Dieser Eine ist unser allerbestes und verläßlichstes Dach und Fach; wünscht Er aber, daß da Vorkehrungen getroffen werden, so werden sie auch schnellst getroffen werden! Sei du, mein lieber Freund und Nachbar, darum ganz unbesorgt; es wird sich schon alles recht gut machen!«
04] Berufe Ich die beiden und sage zum Markus: »Der bald über uns stehende Sturm wird uns wohl recht viel Ungemach bereiten! Daher wären nach der Meinung des Herme einige Dächer gut; aber dir fehlt ja dazu das Material gänzlich! Woher wird man solches in der großen Eile nehmen?«
05] Sagt Markus: »Herr, solange Du bei uns und unter uns bist, sage ich, wie ich zuvor zum Freund Herme gesagt habe: Du bist unser allerbestes Dach und Fach, und wir brauchen ewig kein besseres und haltbareres!«
06] Diese Worte des alten Markus werden nun von vielen Umstehenden laut und volltrauig ausgesprochen, und Ich sage: »Also sei es denn! So aber da ein tüchtiger Hagel käme, begleitet von Blitz und Wolkenbruch?«
07] Sagen alle: »Herr, laß dazu noch durch ein unerhörtes Erdbeben alle Berge zusammenschütteln und Sterne vom Himmel fallen, so werden wir in Deiner Gegenwart noch aus vollem Halse dazu lachen; denn was kann uns beschädigen, so Deine allmächtige Hand uns beschützt?!«
08] Sage Ich: »So wie nun, müßt ihr auch im Sturme und in der Gefahr im Herzen und nicht allein im Munde sprechen, dann wird euch Mein Schutz durch euren Glauben und durch euer lebendiges Vertrauen gedeihlich sein und werden; aber so ihr in der Gefahr zu Verzagen anfinget, so würde euch dann Mein Schutz eben nicht gar zu besonders frommen!«
09] Sagen alle: »O Herr, wer wird da wankend werden im Glauben und Vertrauen auf Dich?! Aber wir nehmen dennoch vor allem Deine Liebe und Deinen allmächtigen Willen in Beschlag; denn so Du, o Herr, mit Deinem Willen innehieltest, da wären wir mit all unserm Glauben und Vertrauen gar sehr übel daran! Aber Du bist ja übergut und gerecht, und Du wirst unser Vertrauen nicht zuschanden werden lassen!«
10] Sage Ich: »Oh, mitnichten, - ihr sollet eben an diesem Abende Gottes Macht und Herrlichkeit kennen und fühlen lernen! Zudem aber muß dieser Sturm der noch brennenden Stadt wegen kommen, ansonst sie noch einige Tage fortbrennen würde. Es wird dies wohl ein bei drei Stunden währender Sturm sein, wie ihr noch keinen erlebt habet, und wird dennoch mehr Nutzen als irgendeinen Schaden anrichten.
11] Gehen wir nun aber dennoch ans Meer hinaus; denn dort wird unsere Gegenwart am notwendigsten sein! Auch werdet ihr dort die empörten Elemente am leichtesten in Augenschein nehmen können, und die Herrlichkeit Gottes wird euch dort einleuchtender werden als unter einem Dache!«
12] Auf diese Worte strömt nun alles hinaus ans ganz ruhige Meer. Aber man ersieht da auch schon die schwarzen Wolken daherziehen und auch über die östlichen und südlichen Gebirge massenhaft Wolken sich auftürmen, und es wird nun allen klar, daß dies einen massivsten Sturm abgeben werde; über dem Meere aber zeigen sich gleich eine Menge von Sturmvögeln.
13] Ouran fängt darum an, um seine schönen und köstlichen Zelte besorgt zu werden, kommt zu Mir und bittet Mich, daß Ich dieses sein Reisekleinod auch in Schutz nehmen möchte; denn bei der Aussicht auf solch einen Riesensturm dürften die Zelte wohl sehr mitgenommen werden!
14] Sage Ich: »Sagte Ich euch denn nicht, wie sich eben hier die Herrlichkeit Gottes am klarsten offenbaren wird? Wie kannst du darüber hinaus noch um deine armseligen Zelte also besorgt sein, als läge daran irgendein Heil der Welt?! Sieh, die Zelte sind groß und sehr geräumig; wenn der Sturm mit aller seiner Heftigkeit über uns stehen wird, da laß die weiblichen Gäste alle hineingehen, und auch jene männlichen, die etwa doch eine zu große Furcht ergreifen möchte! Denn der Sturm wird durchaus keine Spielerei sein; aber deinen Schönzelten wird nichts geschehen, außer daß sie etwas naß werden.«
15] Sagt Ouran: »Ich danke Dir für diese Verheißung, die nun schon so gut wie in die vollste Erfüllung gegangen ist. Meine Zelte, die sicher selbst beim allerheftigsten Wolkenbruche nicht einen Tropfen Wassers durchlassen, stehen nun allen zu Diensten, die davon Gebrauch machen wollen. Ich selbst aber werde auch bei Dir, o Herr, im Freien verbleiben.«
16] Sage Ich: »Fürchtest du denn den Hagel nicht?«
17] Sagt Ouran: »Ich habe schon mit allen andern früher meine Meinung abgegeben und sage nun noch einmal mit dem weisen Spruch der Römer: Si fractus illabatur orbis, impavidum Æerient ruinae! (Ob berstend auch der ganze Erdkreis einstürzte, werden den Unerschrockenen doch die Trümmer tragen!)«
18] Sage Ich: »Ganz gut nun; aber nun fangen schon die gegenseitigen Sturmwolken an, sich die feuchten Hände zu reichen, und es wird deshalb bald losgehen! Auch auf dem Meere fangen an sich hie und da Springwogen zu zeigen, und es ist darum Zeit für die Furchtsamen, ins Trockene zu gehen!«
19] Fische springen aus dem Wasser, um die niederfliegenden Mücken zu fangen; ebenso machen sich eine stets wachsende Menge von Seemöwen und Wasserschwalben über der Fläche des Wassers lustig und helfen den Fischen die Zahl der Mücken vermindern. Das Wasser wird stellenweise sehr unruhig, und in der hohen Luft tummeln sich die Wolken stets dichter und bunter durcheinander. Im Westen rollt der Donner ununterbrochen, und die Orkane in der hohen See beginnen ihren furchtbar tobenden und brausenden Kampf.


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